Rückblick aufs Wetterjahr 2014

Extrem warm, aber sehr wechselhaft

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Solche Anblicke lieferte das Jahr 2014. In Erinnerung bleiben vor allem der fehlende Schnee und der viele Niederschlag.Fotos: Schmidt

Waldeck-Frankenberg - Das Jahr 2014 wird meteorologisch in die Geschichte eingehen, brachte es doch erstmals seit Beginn der regelmäßigen Messungen in Deutschland eine Mitteltemperatur von über 10 Grad. Doch auch seine hohen Niederschlagsmengen und der fehlende Schnee bleiben in Erinnerung.

Zwar fielen direkt am Neujahrstag ein paar Schneeflocken bis in die Täler, doch danach setzte sich das viel zu milde, unbeständige Wetter des vorangegangenen Dezembers nahtlos fort. Erst in der zweiten Januarhälfte wurde es zumindest in den Bergen winterlicher, so dass die Fans von Frau Holle und Väterchen Frost dort auf ihre Kosten kamen.

Echtes Winterwetter mit Schnee und Dauerfrost, wie es dann Ende Januar für eine Weile im Nordosten Deutschlands herrschte, konnte sich aber nicht bis in die Mitte und den Westen unseres Landes durchsetzen. Hier regierten schon in der ersten Februarwoche erneut milde Westwinde, die zwar viele Wolken und Regen mit sich führten, aber auch frühzeitig die ersten Schneeglöckchen und Krokusse erblühen ließen. Allergiker mussten sogar schon im Januar unter außergewöhnlich frühem Pollenflug leiden, denn Weiden und Hasel öffneten bereits ihre Blüten.

Da auch die zweite Februarhälfte nicht den sonst üblichen Spätwinter brachte, ging das Frühjahr 2014 mit einem gut zweiwöchigen Vegetationsvorsprung an den Start. Den baute die kräftige Märzsonne dann sogar noch aus, denn in der ersten Monatshälfte bescherte uns ein umfangreiches und stabiles Hoch viele freundliche Frühlingstage.

Zwar sanken die Thermometer nachts noch regelmäßig in den Frostbereich, tagsüber jedoch gab es, nicht nur zur Freude aller Gärtner, Bauern und Biergartenbesitzer durchweg zweistellige Maxima bis nahe an die 20-Grad-Marke.

In der letzten Monatsdekade verschärften sich die Nachtfröste nochmals, aber auch dann kamen keine verspäteten Flocken mehr vom Himmel und der April setzte die trocken-warme Frühjahrswitterung unverändert fort. Entsprechend frühzeitig setzte überall in der Region die Obstbaumblüte ein; die andauernde Trockenheit begünstigte zwar die Bestäubung, bereitete den Bauern jedoch mit Blick auf ihre Aussaat zunehmend Probleme. Zwei Frostnächte zur Monatsmitte ließen allerdings einige der frühen Blüten erfrieren und erst nach dem 20. brachten Wolken endlich den erwünschten Regen.

Sie trübten jedoch bis weit in den Mai hinein den Wonnemonat und die Laune aller Sonne- und Wärmeliebhaber. Auch Nachtfröste traten zu Monatsbeginn und während der „Eisheiligen“ nochmals auf - so manch erträumte Apfelernte wurde da zunichte gemacht.

Nach der Monatsmitte schwang sich der Mai dann doch noch in die erhofften frühsommerlichen Höhen auf und lieferte mit Maxima bis 28 Grad die ersten „Sommertage“. Zum Monatsende allerdings setzten anhaltende Regenfälle ein, Himmelfahrt und einige damit verbundene Feste fielen so vielerorts ins Wasser.

Der Juni jedoch erwies sich rasch als wahrer Sommermonat, denn rechtzeitig zum langen Pfingstwochenende kletterten die Temperaturen in schweißtreibende Höhen, die 30-Grad-Marke wurde nun täglich überschritten. Der Absturz kam gleich hinterher und hielt bis weit über die Monatsmitte hinaus an - die berüchtigte „Schafskälte“ lieferte zwar nicht viel Niederschlag, aber reichlich kühle Luft.

Zum Monatswechsel wurde es dann spannend, denn die „Siebenschläferphase“ in der ersten Julidekade stand an. Mit zunächst schwül-warmen Temperaturen, nachfolgend heftigen Gewittern und Abkühlung lieferte sie eine genaue Vorschau des kommenden Hochsommers. Der war bis zum 10. August von feuchter Wärme, zahlreichen Gewittern und etlichen Starkregenfällen geprägt, mit entsprechendem Hochwasser an zahlreichen Bächen und Flüssen. Danach folgte ein ernüchternder Absturz in frühherbstliche Kühle. So blieb ausgerechnet der August, in dem der größte Teil der diesjährigen Sommerferien lag, als einziger Monat des Jahres 2014 unter seiner monatlichen Durchschnittstemperatur.

Erst dem September gelangen zu Monatsbeginn und dann in seiner zweiten, besserem Hälfte nochmals einige schöne Spätsommertage, nun reifte das Obst und endlich konnten die Landwirte die letzten Getreidefelder abernten.

Der Oktober, der mit traumhaft schönem Herbstwetter begann, sackte nach einer Woche auch ins klimatologische Mittelmaß ab, immerhin blieben wir noch von Nachtfrösten verschont. Dafür fegten am 21. die Reste eines tropischen Hurrikans übers Land und lieferten so den ersten Herbststurm der Saison.

Doch der November griff diese Vorlage nicht auf, er blies nur am 4. einmal kräftig in die Backen und präsentierte sich ansonsten als zwar trüber, aber ausgesprochen milder und ruhiger Geselle. Was man bis zum Ende der ersten Monatswoche auch vom Dezember sagen konnte; danach brachte eine kräftige Westströmung zwar fiel Bewegung in die Wetterküche, hielt den Winter jedoch fast vollständig von uns fern. Nur wer zur Monatsmitte einen kleinen Abstecher ins umliegende Bergland machte, konnte eine richtig verschneite Winterlandschaft entdecken. So wie wir sie uns zum Heiligen Abend wünschen, aber leider auch in diesem Jahr nicht erhielten. Ab dem 1. Feiertag jedoch starteten Schnee und Frost einen ersten ernsthaften Versuch, im Waldecker und Frankenberger Land wieder Fuß zu fassen, womit zumindest der Anblick von Schnee und Eis wieder möglich wurde.

Ob der uns im weiteren Verlauf dieses Winters noch auf längere Zeit vergönnt sein wird, muss abgewartet werden. Ebenso unsicher ist, ob 2015 an den Wärmerekord seines Vorgängers anknüpfen wird oder uns eher wieder kühlere Zeiten bevorstehen.

Wünschen dürfen wir dies und vieles andere mehr - beim Erfüllen oder Nichterfüllen solcher Wünsche hat Petrus jedoch bislang immer nach seinen ganz eigenen Gesetzen gehandelt.

Von Roland Schmidt

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