Waldeck-Frankenberg

Fairer Preis holt die Kuh vom Eis

- Waldeck-Frankenberg (lb). Die Milch ist fett, das Einkommen mager – seit Monaten kämpfen Milchbauern um bessere Preise. In Waldeck-Frankenberger Supermärkten können Kunden jetzt „fair gehandelte Milch“ kaufen.

Zunächst nur als H-Milch erhältlich, soll die von den Bauern selbst vertriebene Marke dafür sorgen, dass die Milch auch in Zukunft von Familienbetrieben vor Ort produziert werden kann. Tegut-Filialen haben die Milchpackungen mit der schwarz-rot-goldenen Kuh, dem Wahrzeichen des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), seit Anfang der Woche in den Regalen stehen, die Handelskette Rewe folgt Ende Januar. Neben Hessen ist die faire Milch auch in Bayern und Baden-Würtemberg erhältlich. BDM-Mitglieder stellten das Projekt am Freitag im Stall von Landwirt Christian Jechne in Meineringhausen vor. „Unsere gentechnikfreie, umweltgerechte Milch verkaufen wir zu einem voll kostendeckenden Milchpreis“, erklärt Heinfried Emden (Ober-Werbe), Sprecher des BDM-Kreisverbands Waldeck-Frankenberg. Im Laden kostet der Liter mit 3,8 Prozent Fett 99 Cent und die 1,8-prozentige Variante 89 Cent. Davon gehen 40 Cent pro Liter an die Landwirte. Zum Vergleich: Auf dem normalen Milchmarkt bekommen die Bauern derzeit durchschnittlich rund 25 Cent pro Kilo – davon können sie ihre Kosten nicht decken.Aber auch der Käufer hat einen Nutzen vom Kauf der neuen Marke: „Der Anteil von Omega-3-Fettsäuren ist im Vergleich zu herkömmlicher Milch höher“, sagt Dirk Ulrich (Schmittlotheim). Das liege an den Fütterungsvorschriften für die Produzenten fairer Milch: Anstatt der üblichen bis zu 60 Prozent dürften höchstens 30 Prozent Mais gefüttert werden. Der Kraftfutteranteil darf ebenfalls nur halb so hoch sein wie in Großbetrieben üblich, dafür muss möglichst viel Heu von hofeigenen Flächen gegeben werden. Alle Futtermittel müssen außerdem hundertprozentig gentechnikfrei sein und aus der Europäischen Union kommen. Außerdem: Nur Milch, die vollständig aus dem jeweiligen Bundesland kommt, wird als faire Milch angeboten. „Das sichert kurze Transportwege“, so Ulrich. „Die Landwirte verpflichten sich darüber hinaus, ein Umwelt- oder Tierschutzprojekt zu betreuen, das der heimischen Natur zugute kommt“, sagt Emden. Die Verbraucher können Informationen über die teilnehmenden Landwirte im Internet unter www.die-faire-milch.de abrufen. In Hessen liefert derzeit noch übergangsweise die Upländer Bauernmolkerei die faire Milch, da am Projekt interessierte Milchbauern noch kurzzeitig unter Vertrag mit anderen Abnehmern sind. Vertrieben wird die Milch von der BDM-Tochter Milchvermarktung Süd (MVS). Ob die neue Marke dazu beitragen könne, die Milchviehbetriebe in der Region zu erhalten, liege nun am Verbraucher, betonen Emde und Ulrich. Denn nur wenn das Angebot angenommen werde, könnten sich die Bauern leisten, ihre Molkereiverträge zu kündigen und mitzumachen.Mit einer Informationsveranstaltung will der BDM am Mittwoch, 13. Januar, um 20 Uhr im Kuhstall-Café Bürger-Grebe in Korbach-Helmscheid Landwirten das Projekt „faire Milch“ vorstellen.

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