Anrufe teilweise um 80 Prozent gestiegen 

Festnetz-Telefon ist in der Coronakrise wieder gefragt

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Home-Office: In der Corona-Krise arbeiten viele Menschen von daheim aus – wenn sie es denn können. Schnelles Internet und ein gutes Handy-Netz sind neben dem guten alten Festnetztelefon sehr wichtig.

Was angesichts von WhatsApp-Nachrichten und zahlreichen Social-Media-Kanälen schon fast in Vergessenheit geraten ist, erlebt in der Corona-Krise seinen zweiten Frühling: Das Festnetz-Telefon.

„Im März – einem Corona-Monat, in dem es viel Home-Office gab – verzeichneten wir im Regierungsbezirk Kassel und im Landkreis Waldeck-Frankenberg einen Anstieg der Telefonate über Festnetz um etwa 80 Prozent gegenüber dem Vormonat“, berichtet Volker Petendorf, Konzernsprecher von Vodafone Deutschland. „Die Steigerung betraf unser DSL-Festnetz und unser Kabelglasfasernetz, das wir im vergangenen Jahr von Unitymedia übernommen haben.“

Im Mobilfunk sei der Telefonverkehr im März um etwa 40 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen. „Telefongespräche mit Freunden, Verwandten und Kollegen nehmen deutlich zu. Ebenso finden im beruflichen Umfeld mehr Telefonate statt anstelle von persönlichen Gesprächen im Büro, Meetings, Geschäftsreisen, Konferenzen und Kongressen“, sagt Petendorf.

Auch das Internet wird wegen der geltenden Kontakt- und Versammlungsverbote viel stärker genutzt – ob beruflich, oder zum Zeitvertreib. „Der Datenverkehr im Festnetz stieg im März 2020 gegenüber dem Vormonat um 14 Prozent und im Mobilfunknetz wuchs das Datenvolumen um etwa zehn Prozent“, sagt Petendorf. Dieser Trend habe sich in den Osterferien – in denen normalerweise die Netzauslastung deutlich zurückgehe – fortgesetzt.

Auch bei der Telekom sind die Zahlen nach oben gegangen. „Die Telefonate im Festnetz und im Mobilfunk haben sich bundesweit verdoppelt“, berichtet Pressesprecher Christian Fischer. Dass in der Corona-Krise weniger Menschen unterwegs sind, macht sich ebenfalls bemerkbar. „Bei der mobilen Datennutzung sehen wir einen Rückgang. Kunden nutzen anscheinend überwiegend das heimische WLAN-Netz“, so Fischer.

„Auch wir verzeichnen einen starken Anstieg im Bereich der Telefonie“, berichtet Heidi Hamdad, Sprecherin bei der Netcom Kassel. Wie die übrigen Anbieter weist sie darauf hin, dass trotz der zunehmenden Zahl von Telefonaten und Surf-Aktivitäten der Leitungs- und Netzbetrieb nicht beeinträchtigt sei.

Heidi HamdadPressesprecherin bei der Netcom

„Bei der Frage nach der Geschwindigkeit spielt die Zahl der Nutzer auch keine Rolle, unser Netz ist auf weitere Kunden ausgelegt“, sagt Heidi Hamdad, die auch betont, dass die Leitungen alle Sicherheitsstandards erfüllen. „Unabhängig vom Provider bleibt beim Home-Office die Verantwortung aber beim Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Hier geht es um sichere Zugänge zur Arbeitsumgebung, zu Firewalls und einem Virenschutz sowie zur genutzten Software und um einen verantwortungsvollen Umgang des Nutzers im Internet.“

Festnetz und schnelles Internet sind in der Coronakrise wichtig

Die Infrastruktur für schnelles Internet und zuverlässigere Netze im Mobilfunk-Bereich ist in Waldeck-Frankenberg in den vergangenen Jahren immer weiter verbessert worden. Die Breitband Nordhessen GmbH hat etliche Orte im Landkreis mit schnellem Internet ausgestattet, die Leitungen werden nun von der Netcom Kassel vermarktet. Aber auch Unternehmen wie Vodafone und die Deutsche Telekom, die Internet über DSL oder Funk (LTE) anbieten, haben ihr Angebot entsprechend angepasst, um konkurrenzfähig zu bleiben. Trotz dieser Anstrengungen gibt es in Waldeck-Frankenberg immer noch Haushalte, in denen das Handy-netz schlecht, die Surfgeschwindigkeit im Netz langsam und der Empfang für Internet über Funk lückenhaft ist. Doch wie können Arbeitnehmer, die wegen der Corona-Krise im Home-Office arbeiten müssen, ohne lange Vorlaufzeit schnelles Internet und zuverlässige Mobilfunknetze bekommen? Wir fragten bei den verschiedenen Anbietern nach. 

„Verbraucher, die im LTE-Netz von Vodafone telefonieren oder surfen möchten, sollten darauf achten, dass sie einen LTE-Tarif haben und dass ihr Smartphone oder Handy die Technologie LTE unterstützt. Andernfalls haben diese Nutzer natürlich keinen Zugang zum LTE-Netz und melden ein LTE-Funkloch, wo gar keines ist“, sagt Konzernsprecher Volker Petendorf. An manchen Adressen empfehle das Unternehmen, sich im Fachhandel über den Einbau von LTE-Außenantennen zu informieren. Diese könnten oftmals den Empfang in jenen Gegenden verbessern, in denen das Vodafone-LTE-Netz beim Aufenthalt im Freien verfügbar (Outdoor-Versorgung), innerhalb von Gebäuden aber kein LTE-Empfang zu verzeichnen sei (keine Indoor-Versorgung). 

Die Netcom Kassel betont, dass das Unternehmen nur einen geringen Anteil von Kunden habe, die auf dem so genannten BNG-Netz unterwegs seien und deshalb nur 6 MBit/s empfangen könnten. „Für Home-Office reicht das in den meisten Fällen aber allemal, auch einige unserer Mitarbeiter arbeiten im Home-Office mit 6 MBit/s“, betont Netcom-Sprecherin Heidi Hamdad. Allerdings könne es natürlich auch Einschränkungen geben. 

Hochauflösende Videokonferenzen in konstant bester Qualität seien bei dieser Übertragungsrate nur bedingt möglich. Bei der Deutschen Telekom geht der Netzausbau trotz Corona weiter. „Allerdings unter erschwerten Bedingungen. Unser Ziel ist es, möglichst alle Menschen mit schnellen Internetanschlüssen zu versorgen – sowohl auf dem Land als auch in den Städten“, sagt Pressesprecher Christian Fischer. Kein anderes Unternehmen investiere aktuell so stark in den Breitbandausbau im ländlichen Raum wie die Telekom – auch in Nordhessen. Die Netcom Kassel, Vodafone und die Deutsche Telekom weisen abschließend noch darauf hin, dass sich ihre Kunden jederzeit melden können, wenn sie beispielsweise Fragen hinsichtlich einer möglichen Verbesserung ihrer Datenübertragungsraten haben.

Viele wollen mehr Geschwindigkeit

Nicht nur Home-Office, sondern auch der Wunsch, mit Familie und Freunden trotz geltender Kontaktverbote in Verbindung zu bleiben, hat in vielen Haushalten auch das Bedürfnis nach schnelleren Surfgeschwindigkeiten verstärkt. „Wir verzeichnen einen regelrechten Run auf Breitband-Upgrades“, berichtet Netcom-Pressesprecherin Heidi Hamdad. Allerdings habe die Zahl der Vertrags-Neuabschlüsse hierbei nicht mithalten können, was das Unternehmen auf die in der vergangenen Woche noch geschlossenen Geschäfte und Shops der jeweiligen Netcom-Handelspartner zurückführe. Da habe die persönliche Beratung gefehlt. „Unterm Strich sind wir in Anbetracht der schwierigen Umstände aber auch mit der Zahl der Neuabschlüsse zufrieden“, so Hamdad. 

Da in der Corona-Krise viele Unternehmen in Waldeck-Frankenberg unter erschwerten Bedingungen wirtschaften, habe die Netcom Kassel ihren gesamten Prozess verkürzt und damit beschleunigt. Unternehmen und Institutionen mit vielen Arbeitsplätzen oder aus systemrelevanten Bereichen könnten ihre Aufträge mittlerweile einfach per E-Mail schicken. Die Anschaltung sei oftmals schon am nächsten Tag möglich.

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