Kreisbrandmeister Katastrophenschutz Bernd Ochse über die Großübung

„Feuerwehrleute an Grenzen gebracht“

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Waldeck-Frankenberg - Wie reibungslos funktioniert die Zusammenarbeit der einzelnen Züge mit der Technischen Einsatzleitung? Erkenntnisse auf diese Frage sollte die Katastrophenschutzübung am Sonntag in Rodenbach bringen. Und nach Ansicht von Übungsleiter Bernd Ochse hat sie dies auch getan. Deutlich wurde, dass die Arbeit von Funk- und Einsatzzentrale optimiert werden muss.

Acht Szenarien, 600 Mitwirkende: Die Katastrophenschutzübung im Frankenberger Stadtteil Rodenbach hat am Sonntag die Leistungsfähigkeit der Waldeck-Frankenberger Retter und Helfer unter Beweis gestellt. Im Interview mit WLZ-FZ-Redakteur Rouven Raatz zieht der verantwortliche Kreisbrandmeister Katastrophenschutz, Bernd Ochse aus Niederorke, eine Bilanz.

Als Kreisbrandmeister Katastrophenschutz hatten Sie die Leitung der Großübung. Wie fällt Ihre erste Bilanz aus?

Ich ziehe eine sehr positive Bilanz, die Aufgaben sind größtenteils sehr gut abgearbeitet worden. Es sind viele neue Erkenntnisse gesammelt worden.

Inwiefern neue Erkenntnisse?

Es gab beispielsweise einige Probleme im Funkverkehr. Das lag an den Übungskanälen, die zur Verfügung standen. Und diese Probleme sind behoben worden. Auch bei der Zusammenarbeit zwischen den Zügen und der Einsatzleitung gab es einige Probleme. Auch die werden wir in Zukunft beheben. Das Erkennen dieser Probleme war aber auch der Übungshintergrund: Wir wollten die Zusammenarbeit mit der Technischen Einsatzleitung üben, weil man das in diesem Maße bei fast keinem Einsatz hat. In der Regel wird mit der Leitstelle und den Stadtbrandinspektoren zusammengearbeitet. Wie wir das am Sonntag gemacht haben, das ist eine für den Katastrophenschutz typische Struktur.

Während der Übung war von Problemen mit der Rückmeldung zu hören. Erklären Sie das bitte für einen Laien?

Wenn wir beide jetzt miteinander sprechen und ich eine Rückfrage habe, dann klären wir das in einer Minute. Bei der Übung am Sonntag war das anders. Ein Befehl wird auf einen Zettel geschrieben, der geht in die Funkzentrale und wird von dort weitergefunkt. Die Rückmeldung, die von der Einsatzstelle kommt, wird auch auf einen Zettel geschrieben und von einem Boten in die Technische Einsatzleitung getragen. Wenn es dazu eine Rückfrage gibt, muss die wieder niedergeschrieben und von einem Boten in die Funkzentrale gebracht werden. So eine Rückfrage dauert zehn Minuten. Diese Zusammenarbeit muss in Zukunft sauberer laufen.

Haben sich die Szenarien so dargestellt, wie Sie sie zuvor in der Theorie geplant hatten?

Es gab ein paar Probleme im Bereich Rodenbach. Dort mussten wir als Technische Einsatzleitung umplanen. Das hat auch im Rahmen der Sache sehr gut geklappt. Wir haben den ursprünglich an der Grillhütte geplanten Behandlungsplatz für bis zu 25 Verletzte auf den Rewe-Parkplatz nach Frankenberg verlegt. Die Entscheidung war richtig. Auch mit den sonstigen Entscheidungen bin ich sehr zufrieden.

Rund 60 Mimen haben verletzte Personen gespielt - zum Teil unglaublich realistisch. Wie wichtig sind solche Darsteller für eine Übung?

Es gibt Einheiten, etwa Bad Wildungen, die haben reichlich Erfahrung im Üben mit Mimen. Das liegt daran, dass sie die Notfalldarsteller vor Ort haben. Für einen Feuerwehrmann ist es bei einer Übung immer viel besser, wenn es Mimen gibt. Bei unserem ersten Szenario mit der Feuerwehr Rodenbach hatte ein Darsteller eine Halsschlagaderverletzung. Das muss sehr, sehr professionell rübergekommen sein, habe ich gehört. Und auch bei anderen Szenarien haben die Mimen sehr gut gespielt und damit die Feuerwehrleute an ihre Grenzen gebracht.

Ist es das Ziel einer Übung, die Grenzen auszuloten?

Nein, am Sonntag hatten wir eigentlich ein anderes Ziel: die Zusammenarbeit mit der Technischen Einsatzleitung. Aber man muss auch den Feuerwehrleuten etwas bieten. Ich war schon bei Übungen, wo die Feuerwehreinheiten drei, vier, fünf Stunden rumgestanden haben und dann ohne Arbeit wieder nach Hause fahren durften. Und damit motiviere ich keinen Feuerwehrmann. Wenn ich ihm ein paar Mimen und Arbeit anbiete, dann hat er einen Tag gehabt, nach dem er sagen kann, dass er etwas gemacht hat. Und das ist auch wichtig.

Wie war das erste Echo der Feuerwehrleute?

Ich habe bislang nur mit einzelnen Feuerwehrleuten gesprochen. Das große Feedback folgt in der Sitzung mit den Einheitsführern. Die Einheitsführer müssen ja auch erst einmal das Feedback ihrer Leute erhalten. Erste E-Mail-Rückmeldungen waren einerseits sehr gut, andere haben Bedenken geäußert, dass die Übung zu groß gewesen ist. Wenn ich aber an die Windhose in Altenlotheim im Jahr 2011 denke: Wenn an diesem Tag zufälligerweise noch ein Dorffest gewesen wäre, dann hätte es dort auch 50 Verletzte geben können. Vor solchen Schadenslagen kann man sich nicht freisprechen, deshalb kann man eine solche Übung auch so darstellen.

Aber zum Glück sind Katastrophen ja eher die Ausnahme.

Erst vergangene Woche gab es einen Katastrophenalarm wegen Gefahrgut, allerdings nicht im Landkreis. Am Rhein gab es dieses Jahr Katastrophenlagen, als Säure und Lauge in einem Tank vermischt wurden. Hier bei uns im Landkreis haben wir das Glück, dass wir vergleichsweise wenig Industrie und Verkehrsballungsräume haben, so dass die Katastrophenfälle sehr selten sind. Aber wir hatten Kyrill, von der Eder könnte ein Hochwasser kommen, dann hätten wir Katastrophenlagen. Und ein Unwetter kann es jeden Tag geben.

Ab wann ist ein Unglück eigentlich eine Katastrophe?

Wenn der Landkreis, also Kreisbrandinspektor Gerhard Biederbick, Katastrophenalarm ausruft.

Wie hoch war der organisatorische und finanzielle Aufwand dieser Übung?

Wenn man eine solche Übung plant, mit mindestens vier Fachdiensten - und bei uns waren es Brandschutz, Sanitätsdienst, Betreuung, Information und Kommunikation, Gefahrenabwehr ABC - und wenn die Übung sechs Stunden dauert, werden die Kosten vom Regierungspräsidium übernommen.

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