Innungs-Obermeister appellieren an Politik und Öffentlichkeit

Fleischer und Bäcker in Corona-Zeiten: „Wollen wahrgenommen werden“

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Im ständigen Kundenkontakt: Wie Kassierer in Supermärkten haben auch Mitarbeiter von Bäckereien und Fleischereien, wie hier bei Köhler-Renner in Bad Arolsen, täglich unzählige Kundenkontakte. 

„In so vielen Fleischerfachgeschäften und Bäckereien haben sich die Mitarbeiter in den letzten Wochen den Hintern abgearbeitet“, sagt Hans-Georg Schneider, Obermeister der Fleischer-Innung. Und während Mitarbeitern von Supermärkten öffentlich gedankt wird, fragt sich Schneider: „Werden wir überhaupt noch wahrgenommen?“

In einem Brief wenden sich Bäcker- und Fleischer-Innung im Landkreis sowie die Kreishandwerkerschaft jetzt an die Bundes- und Landespolitiker und den Landrat. Die Bäcker und Fleischer sorgen mit dafür, so heißt es darin, dass die Menschen in Waldeck-Frankenberg alles haben, was sie zum Leben brauchen. Man würde hart dafür arbeiten, dass „die Menschen jeden Tag gute Lebensmittel haben“.

Die Unternehmer „ärgert es deswegen sehr, dass in Politik und Öffentlichkeit meist nur von den Supermärkten und Discountern die Rede ist, wenn es um die Sicherung der Versorgung geht,“ schreiben sie. „Die Nahversorgung wird doch seit eh und je auch durch uns sichergestellt. Da redet derzeit niemand drüber“, sagt Schneider.

"Beitrag zur Eindämmung des Virus"

Dabei gebe es zudem besonders kurze Transportwege, denn Zutaten und Produkte würden aus der Region kommen. „Das ist sicherer, als wenn ein Lkw-Fahrer Fleisch aus Polen bringt,“ betont Schneider. Die kurzen Strecken seien schon „zu normalen Zeiten ein großer Vorteil, aber gerade jetzt leistet das einen zusätzlichen Beitrag zur Eindämmung der Verbreitung des Virus“, schreiben die Innungs-Obermeister und Gerhard Brühl, Haupt-Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, in dem Brief.

„Die Menschen müssen wachgerüttelt werden“, sagt Michael Bienhaus, Obermeister der Waldeck-Frankenberger Bäcker-Innung. Natürlich würden auch Supermärkte die Nahversorgung sichern. Doch vor allem seien das auch heimische Handwerksbetriebe wie Bäckereien und Metzgereien. Die ein oder anderen Kunden hätten schon festgestellt, dass man froh sein könne, dass es Bäcker und Fleischer auf dem Land noch gebe. „Hoffentlich erinnern sie sich daran auch in den guten Zeiten“, sagt Bienhaus.

Dank auch an Bäcker- und Fleischerhandwerk

Durch den Appell an die Politiker sollten sich all „diese Tatsachen auch in Verlautbarungen der Politikerinnen und Politiker und in der öffentlichen Berichterstattung wiederfinden“, steht in dem Brief. „Wir wollen wieder mehr wahrgenommen werden als Nahversorger. Wir wollen nicht in Vergessenheit geraten“, betont Hans-Georg Schneider. Dies, so schreiben sie, wäre auch ein Beitrag zur Wertschätzung der Mitarbeiter, „die sich mindestens ebenso einsetzen wie die häufig (zurecht) gewürdigte Supermarkt-Kassiererinnen.“

„Das Corona-Virus kennt keine Nationalitäten und keine Wirtschaftszweige und macht keine Unterschiede zwischen den Unternehmen“, sagt Gerhard Brühl, Haupt-Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft in Korbach. „Alle werden wir von den Auswirkungen tangiert. Wenn wir uns bei also bei den Mitarbeitern bedanken wollen, die jeden Tag an der Theke oder dahinter in der Produktion die Versorgung mit regionalen Produkten und deren Verkauf sicherstellen, dann sind dies auch die Mitarbeiter im Fleischerfachgeschäft und im Bäckerhandwerk“, so Brühl.

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