Jobcenter Waldeck-Frankenberg verzeichnet seit 2015 rund 1500 Integrationen

Flüchtlinge in Arbeit gebracht: Erste Bilanz kann sich sehen lassen

Flüchtlinge in Arbeit gebracht: Otto Richter, Leiter des Jobcenters in Waldeck-Frankenberg (rechts), zieht eine positive Bilanz. Zu sehen ist auch Pressesprecherin Julia Rusch.
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Flüchtlinge in Arbeit gebracht: Otto Richter, Leiter des Jobcenters in Waldeck-Frankenberg (rechts), zieht eine positive Bilanz. Zu sehen ist auch Pressesprecherin Julia Rusch.

Waldeck-Frankenberg – „Wir schaffen das“, hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel 2015 auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise gesagt. „Die Worte sind Realität geworden – Deutsche und die Geflüchteten haben es gemeinsam geschafft“, urteilt der Leiter des Waldeck-Frankenberger Jobcenters, Otto Richte. Nach fünf Jahren zieht er ein positives Fazit: 50 Prozent der Flüchtlinge seien schon in Arbeit gebracht.

Im Kreis habe es mehr als ein Jahr gedauert, bis das Jobcenter die Flüchtlinge übernommen habe, sagt Pressesprecherin Julia Rusch. Erst musste das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die vielen Asylanträge bearbeiten – die aus Waldeck-Frankenberg seien landesweit mit als letzte an der Reihe gewesen. Die anerkannten Flüchtlinge kamen in die Grundsicherung – ab Dezember 2016 gingen die Zahlen beim Jobcenter steil nach oben. Der Höchststand war im Februar 2018 mit 1481 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten erreicht.

„Wir hatten uns darauf vorbereitet und mehr Personal eingestellt“, berichtet Richter. Zunächst sei wichtig gewesen, den neuen Kunden die Finanzierung sicherzustellen, damit sie Geld zum Leben und Wohnen hatten. Gerade für die Leistungsabteilung sei das eine Zeit der erhöhten Belastung gewesen.

Dann sei es an die Integrationsarbeit gegangen. Und da gelte: „Die Sprache ist der Schlüssel zum Erfolg“ – ohne Deutschkenntnisse bekämen Flüchtlinge keinen Zugang zum Arbeitsmarkt und zur Gesellschaft. Nach anderthalb Jahren des Spracherwerbs sei vielen die Eingliederung in den Arbeitsmarkt gut gelungen: Der Bestand an Leistungsempfängern habe sich stetig abgebaut, rund 1500 Integrationen sind erfasst.

Ein Glücksfall sei gewesen, dass die Flüchtlinge in einer Zeit mit guter Konjunkturlage gekommen seien. Davon hätten alle Jobsuchenden profiziert – es habe „keinen Verdrängungseffekt“ gegenüber Deutschen gegeben, im Gegenteil: Flüchtlinge seien wichtig, um Lücken zu füllen, betont Richter. Sie seien hoch motiviert gewesen, „sie wollen Geld verdienen.“

Viele hätten bereits ihren Platz im Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft gefunden. „Aber der Weg ist steinig. Und er ist noch nicht abgeschlossen.“

Frauen fördern und Rollenmuster aufbrechen

Noch Nachholbedarf besteht bei der Vermittlung von geflüchteten Frauen in Arbeit. Manche haben Kinder zu Hause, andere leben die traditionelle Rollenverteilung, nach der die Frau zu Hause bleibt. „Aber wir sind dran“, betont Otto Richter. Das Jobcenter unterstütze und fördere sie, sagt Julia Rusch. Wichtig bei der Eingliederung seien die Kinder, die schnell Deutsch lernten. Rusch rief Flüchtlinge auf, sich in Elternbeiräten zu engagieren und so Kontakte zu knüpfen. 

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