Zahl der Asylbewerber steigt 2014 weiter an · Neue Gemeinschaftsunterkünfte werden eingerichtet

576 Flüchtlinge leben im Landkreis

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Sie sind dem seit fast drei Jahren andauernden Bürgerkrieg entronnen: Syrische Flüchtlinge bei ihrer Ankunft auf dem Flughafen Kassel-Calden.

Waldeck-Frankenberg - Sie haben ihre Heimat Syrien, Afghanistan oder Äthiopien verlassen, sind dem Bürgerkrieg, politischer oder religiöser Verfolgung entkommen: In Waldeck-Frankenberg werden zurzeit rund 576 Flüchtlinge betreut.

Weil die Kreisverwaltung damit rechnet, dass die Zahl der zugewiesenen Flüchtlinge in diesem Jahr weiter ansteigt, wurde bereits im vergangenen November die Suche nach zusätzlichen Unterkunftsmöglichkeiten intensiviert. Ein entsprechender Aufruf („Interessenbekundungsverfahren“) hat nach Angaben des Fachdienstes Soziale Angelegenheiten dazu geführt, dass sich binnen vier Wochen 15 Interessenten meldeten.

Derzeit werde geprüft, welche der Objekte sich für eine Gemeinschaftsunterkunft eignen. Davon gibt es momentan sieben im Landkreis. Dabei handelt es sich meist um ursprünglich als Gaststätten und Pensionen genutzte Gebäude, vereinzelt auch ehemalige Privathäuser. In diesen vorhandenen Unterkünften stehen insgesamt 273 Plätze zur Verfügung. Aktuell sind 250 Flüchtlinge dort untergebracht, erklärt Fachdienstleiterin Marion Bayan.

An Ausstattung, Zustand und Lage werden zahlreiche Anforderungen gestellt. Küchen, Toiletten, Duschen, Wasch- und Trockenräume müssen vorhanden sein. Die Mindestausstattung beim Mobiliar umfasst unter anderem Herde, Spülen und Kühlschränke, Kochgeschirr, Bettwäsche und Handtücher. Überdies sollten die Räume unterschiedlich groß sein, um sie sowohl als Einzel- wie auch als Familienzimmer nutzen zu können. Um sich mit einem der insgesamt fünf Asylbetreuer regelmäßig treffen zu können, die im Auftrag des Fachdienstes kreisweit im Einsatz sind, ist zudem ein mit Teeküche, Radio und Fernseher bestückter Gemeinschaftsraum einzurichten.

Höhere Aufnahmequote

Der Betreiber hat schließlich auch dafür zu sorgen, dass ein Telefonanschluss mit gebührenfreiem Notruf vorhanden ist und dass gemeinschaftlich genutzte Räume gereinigt werden. Bei der Standortwahl orientiert sich der Fachdienst nach eigenen Angaben in erster Linie am Gebot der Sozialverträglichkeit im Ort. Das bedeutet, die Kapazität der Unterkunft müsse in einem angemessenen Verhältnis zur Einwohnerzahl stehen.

Das Land Hessen rechnet auf der Basis von Prognosen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge mit 900 Asylsuchenden, die in diesem Jahr pro Monat zugewiesen werden (siehe Hintergrund). Davon entfallen wiederum vier Prozent auf den Landkreis Waldeck-Frankenberg. Das würde einer Jahresaufnahmequote von 432 Flüchtlingen entsprechen. 2013 lag diese Quote noch deutlich niedriger, bei 309 Personen. Tatsächlich aufgenommen wurden im vergangenen Jahr 324 Asylsuchende. 2012 gab es eine ähnliche Situation: 240 aufgenommene Flüchtlinge bei einer Quote von 188 Personen.

Der Landkreis bekommt die ausgezahlten Leistungen nur zum Teil ersetzt. Das Land beteiligt sich monatlich pauschal mit 407 Euro pro Asylberechtigten. Die Pauschale wurde allerdings seit Jahren nicht mehr angehoben, die tatsächlichen Kosten sind mittlerweile weitaus höher.

Hintergrund

Die Zuteilung zu einer sogenannten Erstaufnahme-Einrichtung (die hessische befindet sich in Gießen) hängt zum einen von deren aktuellen Kapazitäten ab. Daneben spielt auch eine Rolle, in welcher Außenstelle des Bundesamtes das Heimatland des Asylsuchenden bearbeitet wird, denn nicht jede Außenstelle bearbeitet jedes Herkunftsland. Zudem bestehen Aufnahmequoten für die einzelnen Bundesländer. Diese legen fest, welchen Anteil der Asylbewerber jedes Bundesland aufnehmen muss, und werden nach dem sogenannten „Königsteiner Schlüssel“ festgesetzt. Er wird für jedes Jahr entsprechend der Steuereinnahmen und der Bevölkerungszahl der Länder berechnet. Nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge liegt die Quote für Hessen in diesem Jahr bei 7,3 Prozent aller in Deutschland ankommenden Flüchtlinge. Das entspricht etwa 900 Personen monatlich.(r/tk)

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