Waldeck-Frankenberg

SPD fordert Otto Wilkes Rücktritt

- Waldeck-Frankenberg. "Otto Wilke sollte zurücktreten", forderte am Mittwochabend der Unterbezirksvorsitzende der Waldeck-Frankenberger Sozialdemokraten Karl-Heinz Stadtler in einer Pressemitteilung. Nach seiner Auffassung sei die Übernahme politischer Verantwortung und entsprechender Konsequenzen bereits jetzt geboten, auch wenn die juristischen Untersuchungen zum „System Eichenlaub“ noch nicht abgeschlossen seien.

Kreisbeigeordneter und „Dezernent mit Aufwandsentschädigung“ Otto Wilke war nach Stadtlers Auffassung mehr als irgendjemand anderes im politischen Bereich neben dem ehemaligen Landrat Stütze des „Systems Eichenlaub“.

Viel häufiger als der formale Stellvertreter des Landrats sei Wilke von Eichenlaub mit seiner Vertretung in bestimmten Aufgabenbereichen oder bei öffentlichen Anlässen betraut worden. In einigen Themenfeldern wie bei der Pri-vatisierung des Kreiskrankenhauses oder anderen beabsichtigten Entkommunalisierungen, insbesondere auch beim PPP-Modell zur Privatisie-rung der Kreisstraßen, sei Wilke Ideengeber und eifrigster Befürworter gewesen. Otto Wilke und seine FDP hätten in Nibelungentreue zum Landrat gestanden, auch zum Beispiel im Zusammenhang mit der Urlaubsaffäre. Wilke habe zusammen mit anderen die Mehrheiten für den ehemaligen Landrat Eichenlaub organisiert und selbst dann noch zu ihm gestanden, als Eichenlaubs eigene Partei auf vorsichtige Distanz gegangen sei.

Nun berichtet sogar ein namhaftes Mitglied der Koalition, nämlich Heinrich Hofmann, der stellvertretende Vorsitzende der FWG-Fraktion im Kreistag, er sei bei der von Wilke geleiteten Aufsichtsratssitzung des Kreiskrankenhauses, als es um die Vergabe des Medikamentenvertrages ging, von Wilke „durch geballte juristische Kompetenz“ unter Druck gesetzt worden.

Heute behaupte Otto Wilke treuherzig und wortreich, er habe von nichts gewusst und sei an nichts beteiligt gewesen. Karl-Heinz Stadtler: „Das glaubt niemand!“ Angesichts seiner jahrzehntelangen politischen und Verwaltungserfahrung im Hessischen Landtag und im Landkreis Waldeck-Frankenberg, insbesondere als Chef der Revision des Kreises, seiner Tätigkeit als Schatzmeister der FDP und seines besonderen Verhältnisses zum ehemaligen Landrat Helmut Eichenlaub (CDU) sei die Behauptung, von nichts etwas gewusst zu haben, geradezu absurd.

Otto Wilke hätte nach Auffassung Stadtlers seine Ankündigung wahr machen und zusammen mit Landrat Helmut Eichenlaub (CDU) zum Ende des Jahres 2009 in den Ruhestand treten sollen. Er habe dies nicht getan, weil der Wunsch nach Machterhalt schwerer wog als das Vertrauen in einen möglichen Nachfolger im Kreisausschuss. Man spricht darüber, dass der ehemalige Landrat seinem ehrenamtlichen Dezernenten zum Jahresende auch ohne dessen Einwilligung die Entlassungsurkunde überreichen wollte, um seinem Nachfolger einen weniger belasteten Übergang zu ermöglichen. Natürlich wird auch darüber spekuliert, wie Otto Wilke es über Nacht geschafft hat, dies zu verhindern. Ging es darum, dass jemand wie Otto Wilke viel weiß und dies seinem ehemaligen Vorgesetzten auch zu verstehen gegeben hat?

Der SPD-Unterbezirksvorsitzende: „Wir wissen nicht, was genau Otto Wilke weiß, doch unzweifelhaft weiß er viel, auch über die unsäglichen Affären des ehemaligen Landrats. Es wird Zeit, dass er die politische Verantwortung übernimmt und aus dem Kreisausschuss ausscheidet.“ Ob er auch im juristischen Sinne Verantwortung trage und als Dezernent möglicherweise nicht immer nur die Interessen des Landkreises im Auge gehabt habe, werde ebenfalls zu klären sein. Otto Wilkes Ausscheiden würde außerdem die Aufklärung all der Affären des Systems Eichenlaub erleichtern. (r)

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