„Haus der kleinen Forscher“ in Waldeck-Frankenberg · Auftakt in Korbach

Forscherdrang im Kindergarten wecken

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Mädchen und Jungen im Kindergarten Birkenbringhausen haben einen leeren Luftballon auf eine Flasche gestülpt und die Flasche in heißes Wasser gestellt – die Luft dehnt sich aus und füllt den Ballon.Foto: Kutsch

Waldeck-Frankenberg - „Die Welt ist spannend und wirft jeden Tag neue Fragen auf“: Diesen Entdeckergeist will die Initiative „Haus der kleinen Forscher“ fördern. Der Grundstein für diese frühkindliche Bildungsinitiative wurde gestern in Korbach gelegt.

Rund 80 Erzieherinnen aus Kindergärten in Waldeck-Frankenberg nahmen an der gestrigen Auftaktveranstaltung im Bürgerhaus teil. Ihre Aufgabe besteht darin, Mädchen und Jungen im Alter von drei bis sechs Jahren für Naturwissenschaft und Technik zu begeistern, den Kindergarten also in ein „Haus der kleinen Forscher“ zu verwandeln, wie Rosemarie Tyllack, Referentin der Stiftung (siehe Hintergrund), bei der Vorstellung des pädagogischen Konzepts betonte.

Denn aus Neugier und Begeisterung, aus Spaß und Interesse an Experimenten mit alltäglichen Materialien wie Trinkhalmen, Pipetten, Trichtern, Knete und Luftballons entwickele sich rasch Lernbereitschaft, Feinmotorik und auch Sprachkompetenz.

Bundesweit wird nach diesem Konzept bereits in 22?000 Kindergärten das Interesse an naturwissenschaftlichen und technischen Phänomenen geweckt. In Waldeck-Frankenberg gehörte die Tagesstätte in Birkenbringhausen zu den ersten, die sich am Projekt der Stiftung beteiligten.

Künftig sollen auch Grundschulklassen „Häuser kleiner Forscher“ werden, kündigte Projektleiterin Kerstin von Heemskerck an. „Ohne Leistungsdruck“ Lokaler Partner der Stiftung ist die Industrie- und Handelskammer Kassel (IHK).

Unterstützung kommt von den Wirtschaftsjunioren, dem Wirtschaftsförderungsverein und dem Landkreis Waldeck-Frankenberg. In Räumen des Kreishauses finden auch die Fortbildungen für die Erzieherinnen und Erzieher statt. 64 Anmeldungen aus 37 Kindergärten führten dazu, dass „die ersten Workshops im September und Oktober bereits ausgebucht sind“, berichteten Dr. Peter Sacher, Leiter des IHK-Servicezentrums Waldeck-Frankenberg, und Koordinatorin Anja Jesinghausen.

Aufgrund der großen Nachfrage werden im November noch zwei weitere Workshops stattfinden. Und in die Wartelisten für Fortbildungen im kommenden Jahr hatten sich gestern bereits viele Erzieherinnen eingetragen. Landrat Dr. Reinhard Kubat wies auf die besondere Bedeutung frühkindlichen Lernens hin.

Das „Haus der kleinen Forscher“ sei daher eine „ausgesprochen willkommene Bereicherung unserer Bildungslandschaft“. „Wissen auf spielerische Art zu vermitteln, ohne Frontalunterricht und ohne Leistungsdruck“, führte Christoph Hesse, Vorstandsmitglied der Wirtschaftsjunioren Waldeck-Frankenberg, als großen Pluspunkt des „Kleine Forscher“-Konzeptes an.

Ein weiteres Grußwort sprach Dirk Klawe vom Wirtschaftsförderungsverein. Ein Schraubglas mit Körnern und Mineralwasser füllen und zusammen mit einer Lupe durch die Reihen gehen lassen:

Sabine Baier-Nicolay, Wirtschaftsmathematikerin aus Marburg, stellte sich als Trainerin des lokalen Netzwerks vor und zeigte, welche Experimente kleine Forscher im Kindergarten, aber auch Erwachsene schnell zum Staunen bringen. Dahinter steckt die begründete Vermutung: „Wer als Kind die Welt erfasst, wird auch als Erwachsener nie aufhören, sie begreifen zu wollen.“

Weitere Informationen im Internet: www.haus-der-kleinen-forscher.de

Hintergrund

Die gemeinnützige Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ will die alltägliche Begegnung mit Naturwissenschaften, Mathematik und Technik in allen Kindergärten und Grundschulen in Deutschland verankern. Damit setzt sie sich für bessere Bildungschancen von Mädchen und Jungen ein. Pädagogische Fachkräfte werden dabei unterstützt, den Forschergeist von Mädchen und Jungen im Kindergarten- und Grundschulalter qualifiziert zu begleiten.

Die Stiftung bietet diesen Fachkräften mit kontinuierlichen Fortbildungen in starken lokalen Netzwerken, mit vielfältigen Materialien und Anregungen praxisnahe Unterstützung. Eltern und weitere Bildungspartner werden dabei einbezogen. ?Das „Haus der kleinen Forscher“ soll vor allem Begeisterung für naturwissenschaftliche Phänomene und technische Fragestellungen wecken und somit langfristig zur Nachwuchssicherung der entsprechenden Berufsfelder beitragen. Zugleich stellt das „Haus der kleinen Forscher“ die gewonnenen Erfahrungen anderen Akteuren im Ausland zur Verfügung. Das „Haus der kleinen Forscher“ ist nach Angaben der Stiftung die größte Frühbildungsinitiative Deutschlands.

Die Idee entstand 2006 aus dem Projekt „McKinsey bildet“. Gemeinsam mit der Helmholtz-Gemeinschaft, der Siemens Stiftung und der Dietmar Hopp Stiftung gründete McKinsey & Company das „Haus der kleinen Forscher“. Um die Herausforderung ihrer deutschlandweiten Bildungsinitiative zu meistern, arbeitet die Stiftung eng mit mehr als 200 lokalen Partnern im ganzen Bundesgebiet zusammen.(r/tk)

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