Benutzung einfacher Bundesstraßen kostet nun auch extra

Frachtpreise durch Maut-Ausweitung gestiegen: Wer zahlt am Ende die Zeche?

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40-Tonner mit fünf Achsen, das kostet: Christoph Lange ist der Inhaber und Geschäftsführer der Firma Lange Baustoffe Naturstein + Logistik GmbH in Volkmarsen. Er hat 21 moderne Lkw auf der Straße. Seine jährliche Mautrechnung wird sich durch die Einführung der Lkw-Maut auf Bundesstraßen wahrscheinlich auf 240 000 Euro verdoppeln. 

Waldeck-Frankenberg. Mit einer Verdopplung ihrer jährlichen Mautrechnung rechnen Unternehmen der Fracht- und Logistikbranche im Landkreis, so auch der Volkmarser Baustoffhändler Christoph Lange, der bisher für seine Flotte von 21 modernen 40-Tonnern rund 120 000 Euro an Straßenbenutzungsgebühr zahlen musste.

Die Lkw-Maut gilt seit Anfang dieser Woche nicht mehr nur auf Autobahnen und auf vierspurig ausgebauten Bundesstraßen, sondern auch auf einfachen Bundesstraßen wie sie im Landkreis Waldeck-Frankenberg üblich sind. 

Noch ist ungewiss, ob sich eine nennenswerte Zahl von Autobahnmaut-Flüchtlingen durch die gleich hohe Bundesstraßenmaut davon abhalten lässt, auf ihrem Weg von Diemelstadt nach Gießen und Frankfurt quer durch das Waldecker und Frankenberger Land zu fahren. 

Ihre Lkw-Flotte umfasst 85 Fahrzeuge. Ihre Mautrechnung bisher: 800 000 Euro im Jahr. Dirk und Uwe Varlemann sind Geschäftsführer der Spedition Varlemann GmbH, Diemelstadt.   

Als sicher gilt jedoch, dass die zusätzlichen Kosten für Lkw-Frachten letztlich auf die Verbraucher abgewälzt werden. Christian Labrot, Hauptgeschäftsführer des Bundesverband Wirtschaft, Verkehr und Logistik (BWVL) mit Sitz in Bonn, berichtet auf Nachfrage dieser Zeitung, dass einzelne Verbandsmitglieder mit 63 Prozent Mautmehrkosten rechnen. 

Doch die Ausweitung der Lkw-Maut auf Bundesstraßen sei nur der erste Schritt: Zum 1. Januar 2019 werden die Kilometersätze bei der Maut deutlich steigen. Bundesweit rechne „TollCollect“, der vom Bund beauftragte Betreiber des Mautsystems, durch beide Änderungen mit Mehreinnahmen von drei Milliarden Euro. 

Riesensummen werden jedes Jahr fällig

Längst hätten die Mitgliedsunternehmen ihre Frachtkosten neu kalkuliert und an ihre Kunden weitergegeben, so Labrot. Dennoch kann der Bundesverband Wirtschaft, Verkehr und Logistik der Lkw-Maut auch etwas Gutes abgewinnen. Labrot: „Das Geld fließt in den Straßenbau. Das ist auch nötig.“

 „Ein gutes Stück Autobahn gehört uns schon“, scherzt Uwe Varlemann und verweist auf die rund 800 000 Euro Mautgebühr, die die Diemelstädter Spedition Varlemann jedes Jahr an das vom Bund beauftragte Betreiberunternehmen „TollCollect“ für die Benutzung der Autobahnen und autobahnähnlichen Bundesstraßen überweist.

Ab sofort dürften noch ein paar hunderttausend Euro hinzukommen, denn die 85 Varlemann-Lkw rollen auch auf einfachen Bundesstraßen, für die ab Juli erstmals Maut zu entrichten ist.

Logistikbranche brummt

Mit den orange-blauen 40-Tonnern aus Wrexen wird so ziemlich alles transportiert, was der Verbraucher im Supermarkt-Regal findet und noch viel mehr. Kein Wunder also, wenn die Mehrkosten für die Fracht über den Groß- und Einzelhandel an die Verbraucher weitergegeben werden.

„90 Prozent unserer Kunden wussten Bescheid und haben damit gerechnet, dass wir uns wegen der Frachttarife melden würden“, berichtet Varlemann.

Die meisten Kunden der Logistikbranche wüssten auch, dass es Kapazitätsprobleme im Gewerbe gebe. Es fehlten Fahrzeuge und Fahrer.

„Wir finden kaum neues Personal. Wir müssen die Löhne anheben, um attraktive Arbeitgeber bleiben zu können. Deshalb mussten wir bei den jüngsten Preisverhandlungen neben der Mauterhöhung auch noch die Frachtkosten anheben. Das findet natürlich keiner gut, aber die meisten haben Verständnis dafür“, schildert Varlemann seine Erfahrungen.

Wie wird die Maut an die Kunden weitergegeben?

Ähnlich die Situation beim Baustoffhändler Lange in Volkmarsen, der bisher jedes Jahr für seine 21 Lkw auf Bundesautobahnen 120 000 Euro Maut zahlen musste. Künftig werden viele tausend Bundesstraßenkilometer zusätzlich abgerechnet.

Das könnte sich auf weitere 100 000 Euro im Jahr addieren. Diese Kosten mussten neu in die Ware eingepreist werden. Auf den Sack Zement macht das vielleicht weniger als 10 Cent aus, summiert sich aber mit der Masse.

„Wir haben viel gerechnet und unser ganzes Produktportfolio neu kalkuliert“, schildert Geschäftsführer Christoph Lange seine Vorbereitungsphase vor Einführung der neuen Maut auf Bundesstraßen.

Ihm graut schon jetzt vor dem 1. Januar, wenn auch noch der Straßenkilometer kräftig teurer wird. Besonders ungerecht empfindet es der Transportunternehmer, dass bei der Erhöhung der Maut die hochmodernen Euro-6-Motoren nicht bevorzugt würden.

Kaum Rabatt für saubere Lkw

Schließlich hätten er und viele Branchenkollegen viel Geld in die Erneuerung ihrer Lkw-Flotten investiert, müssten nun aber dennoch fast die gleiche Erhöhung hinnehmen wie die Betreiber älterer Lkw-Motoren. So steigt die Maut für Euro-6-Lkw ab fünf Achsen von 13,5 auf 18,7 Cent.

Erstmals mautpflichtig werden die vielen kleinen Betriebe, die bisher mit ihren Lastwagen nur auf Bundes- und Landesstraßen im Kreisgebiet unterwegs waren. Der Twister Bauunternehmer Jörg Marpe zum Beispiel muss in seine Lkw erstmals so genannte Onboard-Units (OBU) einbauen lassen, mit denen „TollCollect“ das Fahrverhalten registriert. 

Wer zahlt die Onboard-Units?

Die Geräte werden zwar vom Betreiber gestellt, die Einbaukosten aber, rund 250 Euro je Lkw, gehen zulasten der Unternehmer. Marpe: „Deshalb sehen wir uns gezwungen, wenn mautpflichtige Straßen genutzt werden, ab dem 1. Juli pro Anlieferung eine Mautpauschale von zusätzlich 4,50 Euro zu den geltenden Frachtkosten zu berechnen.“

 Aber vielleicht profitiert der Bauunternehmer Marpe ja von der neuen Maut, wenn demnächst mehr Bundesstraßen gebaut und repariert werden? Marpe: „Das glaube ich nicht. Aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen.“

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