Griechen hoffen auf Kompromisslösung bei Verhandlungen mit den Gläubigern

„Frau Merkel lässt uns nicht im Stich“

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Ratlose Gesichter vor Geldautomaten: „Die Berichte der Familie machen mir große Sorge“, sagt der Korbacher Dimitros Papageorgiou.

Waldeck-Frankenberg - Die Nachrichten überschlagen sich, die Lage spitzt sich zu: Sollte Griechenland aus der Euro-Zone ausscheiden? Wie stehen die Chancen für eine Einigung zwischen Gläubigern und griechischer Regierung? Und was fühlen Griechen fern der Heimat? WLZ-FZ haben im Landkreis nachgefragt.

Wenn Emmanuel Chirakakis in diesen Tagen mit seinen Verwandten in Griechenland telefoniert, dann bleibt er besorgt zurück. Seit 54 Jahren lebt der gebürtige Grieche inzwischen in Deutschland, aber die Entwicklungen in seinem Heimatland verfolgt er aufmerksam. „Die Geldautomaten geben jetzt nur noch 60 Euro an jeden Kunden ab“, sagt er, „einmal tanken und Lebensmittel kaufen und das Geld ist weg. Wie soll man so denn leben?“ Die Situation spitze sich immer weiter zu: „Meine Mutter bekommt 400 Euro Rente“, sagt er, „und es wird immer weiter gekürzt. Das trifft rund 80 Prozent der Bevölkerung.“ Bei den Reichen, den Milliardären müsse die Regierung ansetzen.

„Gute Solidarität der Europäischen Union“

Doch trotz der verfahrenen Situation glaubt der Korbacher noch an eine Lösung: „Die Solidarität der Europäischen Union ist gut“, lobt er, „aber man darf auch nicht erwarten, dass die neue griechische Regierung in fünf Monaten das gerade rückt, was die alte Regierung in vielen Jahren verbrochen hat.“ Griechenland müsse unbedingt in der Euro-Zone bleiben, ist Chirakakis sicher und betont: „Ich glaube an eine Einigung im letzten Moment.“

An die glaubt auch Dimitros Papageorgiou aus Korbach. „Frau Merkel lässt uns nicht im Stich“, ist er sich sicher, „auch wenn die Gläubiger sich zurückziehen, auf Frau Merkel können wir zählen.“ Er glaubt, dass das griechische Volk mit „Ja“ für Europa stimmen wird. „Wenn die Menschen in Griechenland sich Gedanken machen, werden sie sehen, dass es nur gemeinsam geht“, sagt Papageorgiou.

Wer die Verantwortung trage für das Scheitern der Gespräche? „Schuld will ich da nicht vergeben“, sagt er. Die Ursachen für die Misere allerdings müssten Euro-Partner und Griechenland gemeinsam suchen: „Die griechische Regierung hat mit gepumptem Geld hohe Löhne bezahlt, viel Geld in das Militär gesteckt und Provisionen kassiert“, beklagt er, „aber die Euro-Partner haben immer weiter Kredite gegeben.“ Tsipras wolle nun retten, was zu retten ist. „Mir wäre es am liebten, wenn Griechenland wieder einen König bekäme“, sagt Papageorgiou, „damals hat niemand gewagt, einfach in die Staatskasse zu greifen.“

„Wir sollten die gemeinsameWährung behalten“

Unterdessen macht sich Nikolaos Papadopoulus aus Rosenthal Sorgen um die Verwandten in Griechenland: „Die einfachen Leute gehen kaputt, wenn sie kein Geld mehr bekommen“, sagt der Gastronom, dem das Restaurant „Zeus“ gehört. Seit fünf Jahren würden seine Geschwister und seine Mutter in Griechenland den Gürtel enger schnallen. „Aber irgendwann ist Schluss. Man kann doch nicht aufhören zu essen“, sagt er. Und wie könnte eine Lösung aussehen? „Das ist eine Frage für Experten“, sagt er. Die ganze Wahrheit kenne die Bevölkerung ja nicht, sie müsse sich auf die Berichte in den Medien verlassen. „Mein Vater hätte gesagt: Wir haben den Ersten Weltkrieg überlebt und den Zweiten. Lasst uns alleine von Null anfangen. Das schaffen wir.“ Aber das sei heute eben keine Lösung. „Es muss ein Kompromiss gefunden werden“, appelliert Nikolaos Papadopoulus, „die Sparmaßnahmen müssen allerdings überdacht werden. Sie treffen nur die Armen.“ Er kenne viele Griechen, die gut ausgebildet seien und darüber nachdächten, das Land zu verlassen. Papadopoulus fragt: „Könnte das am Ende ein Politikum sein, um Fachkräfte für andere Länder zu gewinnen?“

Auch Landsmann Konstantinos Kokkonis (45) verfolgt die Nachrichten aus seiner Heimat mit großer Sorge. Schließlich leben dort noch seine Eltern und sein Bruder. Der exportiert mit seiner Firma Futtermittel und ist von einem funktionierenden Außenhandel mit funktionierenden Banken und sicherer Währung angewiesen.

Konstantinos selbst ist mit 20 Jahren nach Deutschland gekommen und betreibt heute in Bad Arolsen das griechische Restaurant O‘Mythos. Er hat inzwischen die meiste Zeit seines Lebens in Deutschland verbracht und fühlt sich als Europäer. Er wünscht sich, dass seine Heimat respektiertes Mitglied der Europäischen Union bleibt und die gemeinsame Währung, den Euro behält.

Der Bad Arolser Gastwirt weiß, dass nun bei vielen einfachen Menschen in seiner Heimat das Geld zum Leben knapp wird. Deshalb hat er sich schon 2013 an einer Aktion beteiligt, bei der griechische Restaurants ihre Tageseinnahmen einer kirchlichen Hilfsorganisation überwiesen haben, damit die Lebensmittel an Bedürftige ausgeben konnte.

Von Theresa Demski und Elmar Schulten

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