Gartenvorbereitung im Frühling

Wild und lebendig im Naturgarten

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Eine Hummel beim Frühstück auf einer Hortensie.

Krokusse, Primeln, Narzissen, Märzenbecher, Winterlinge, Maiglöckchen – die ersten Frühblüher trotzen den Wetter- kapriolen. Hobbygärtner planen die ersten Gartenarbeiten und haben Frühlingslust auf Neues. Tipp: Mehr Natur zulassen!

Mit einem Naturgarten schafft man im eigenen Umfeld ein Stück Natur, das sich ökologisch im Gleichgewicht befindet. „Man muss dazu nicht gleich den ganzen Garten umgraben“, sagt Andreas Krasel, Gärtner im Bio-Garten Flechtdorf und betont: „Schon mit kleinen Elementen und wenig Arbeit kann man „echte“ Natur in den Garten zurückholen. „Man kann zum Beispiel einen alten Baumstumpf stehen lassen und mit einer Kletterrose bepflanzen. Das sieht schön aus, und im alten Holz finden viele Tiere neuen Lebensraum. Schon eine kleine Ecke im Rasen, mit Wildblumen eingesät, bringt nicht nur einen hübschen bunten Fleck im Garten. Auch Singvögel mögen die Vielfalt der angelockten Insekten“. so der Experte.

Stille Wasserflächen haben im Garten eine beruhigende Ausstrahlung.

Mit kleinen, aber wirkungsvollen Schritten könne man die Zeit überbrücken, die ein über Jahre herkömmlich gepflegter Garten braucht, um zu einem echten Naturerlebnis zu werden.

Der Weg zum Ökogarten funktioniert auch ohne die ganz große Aktion. Nach und nach können Sträucher, Stauden und Hecken ausgetauscht werden.

Heimische Pflanzenvielfalt

Der Gärtner orientiert sich bei der Auswahl an den Vorbildern der Natur. Es soll aussehen, als sei alles natürlich gewachsen. Mit einheimischen Pflanzen gelingt das am besten. Sie sind an das Klima gewohnt, langlebig und benötigen kaum Pflege.

„Den Begriff ‚einheimisch’ wird man in Zukunft wohl etwas weiter fassen müssen“, meint Melli Müller von der Werkstatt für Gartengestaltung in Frankenberg. „Die Sommer in den vergangenen zwei Jahren haben gezeigt, dass einige Pflanzen mit der Hitze und Trockenheit nicht klarkommen. Die zunehmenden Starkregenereignisse und Stürme machen ihnen das Leben nicht leichter. Wenn es so bleibt, müssen wir bei der Pflanzenauswahl auch diese Wetterextreme mehr im Auge haben.

Ein Naturgarten lebt auch durch seine Gestaltung mit Wegen, Mauern, Terrasse oder versteckten Sitzplätzen.

Grundsätzlich aber sollten die Blumen, Stauden und Gehölze züchterisch nicht verändert sein und vom frühen Frühjahr bis in den späten Herbst blühen, sodass sie vielen Insekten und Vögeln ein großes Nahrungsangebot bieten. Und da liegen die einheimischen Pflanzen ganz weit vorn. Die Beeren des einheimischen Wacholders zum Beispiel werden von mehr als 40 Vogelarten genutzt, die des chinesischen nur von der Alpenkrähe. Ähnliches gilt für den roten bzw. weißen Hartriegel.“

Lebendige Struktur

Ein Naturgarten aber lebt nicht nur von der Pflanzen- und Tierwelt. Er lebt auch durch seine Gestaltung mit Wegen, Mauern, Terrassen, versteckten Sitzplätzen und – im besten Fall – durch Wasser. Trockenmauern sind ein optisches Highlight. Sie bieten je Standort vielen unterschiedlichen Tieren Nist-, Brut- und Schlafplätze.

Andreas Krasel, Gärtner im Bio-Garten Flechtdorf (rechts) mit einem Auszubildenden bei der Arbeit.

Wege geben dem ‚wilden’ Garten Struktur, Terrassen und Sitzplätze machen ihn zum grünen Wohnzimmer, und stille Wasserflächen haben im Garten eine beruhigende Ausstrahlung, während das angenehme Plätschern von bewegtem Wasser belebend wirkt. Vögel, Bienen, Schmetterlinge, Igel, Eichhörnchen und Eidechsen nutzen an heißen Tagen solche Angebote gerne.

Melli Müller, Werkstatt für Gartengestaltung in Frankenberg fröhlich bei der Arbeit.

„Man darf aber auch das Regenwasser nicht vergessen“, erinnert Melli Müller und sagt: „Man kann damit große Mengen Trink- und Gießwasser sparen. Es ist außerdem frei von Kalk und hat einen geringeren Härtegrad als das Leitungswasser. Natur und Nachhaltigkeit gehören eben zusammen.“ Ideal für den Wege- und Terrassenbau sind bereits vorhandene Materialen. Feldsteine, die vielleicht im Grundstück zu finden sind oder als Sockelsteine eingebaut waren, alte Pflastersteine und natürlich Holz. Diese Materialen fügen sich nahtlos in die Natur ein und unterstreichen die Vielfalt des Naturgartens. „Wie bei den Pflanzen muss man sich auch hier von 100 Prozent Ordnung ein bisschen verabschieden“, sagt Andreas Krasel. „Aber Ordnung ist ja auch nur das halbe Leben und mindestens die andere Hälfte kann dem Naturgarten gehören.“ /Barbara Liese

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