Das Lustigste aus Pressemitteilungen, Vereinsnachrichten und Textentwürfen aus dem Jahr 2012

Von Fußpils und abgerissenen Beinen

Waldeck-Frankenberg - „Endlich ist es wieder so weit. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.“ Sie, liebe Leser, ahnen nicht, wie viele eingereichte Texte diese Sätze enthalten. Deshalb streicht die Redaktion sie meistens heraus – ebenso wie vieles unfreiwillig 
Komische. Die schönsten Wortverdreher, Sinnverfälschungen und Tippfehler aus dem vergangenen Jahr haben wir wieder für Sie gesammelt.

Normalerweise ist Ihre Heimatzeitung nach Regionen aufgeteilt. Unsere Buchstaben- und Wortkunstwerke haben wir stattdessen in Kategorien gesteckt – denn sie kamen wieder aus dem gesamten Landkreis. Nur ein Buchstabe ... Dass Vereine bei Festen durch Getränkeverkauf Geld einnehmen, ist kein Geheimnis. Bei einem Schützenverein schien dies aber so gut gelaufen zu sein, dass unser Mitarbeiter im Nachbericht von einem „Kommerzabend“ schrieb. Apropos Getränke: Mit nur einem Tippfehler bekommt das „Brandlöschen“ eine völlig neue Bedeutung: Ein Feuerwehrkamerad schrieb in seinem Text von der „Feierwehr“. Wir bleiben mal bei Getränken. Bier ist ja eins von den beliebteren hierzulande. Aber ob folgendes Gebräu mit dem deutschen Reinheitsgebot vereinbar ist? Und ob die Auswirkungen etwas mit dem Vortragsthema zu tun hatten? „Gut zu Fuß trotz Fuß- und Nagelpils“ war dieser betitelt. Übrigens ging es darin auch um Hautpils. Na denn: Prost! Kein Wunder, dass es laut Nachbericht im Anschluss an diesen Vortrag Bowle gab. Bei der Vorstellung wäre mir auch der Durst auf Pils vergangen. Wenn nun aber doch jemand ein paar Fuß- und Nagelpils zu viel gekippt hat, ist er in einem Ort im Frankenberger Land gut aufgehoben. Dort wurden laut Gemeindevorstand nämlich „zehn neue Pilsleuchten aufgestellt“. Vielleicht doch lieber Gemüse? Einer unserer Autoren irrte sich auf der Tastatur in der Reihe und verursachte so ein „Mörchenhaftes Stadtfest“. Die Frage ist nur: Sollte es „märchenhaft“ oder „möhrchenhaft“ heißen? Die zweite Version wäre wohl eher was fürs Osterfest gewesen. Ausgesprochen unüblich übersetzte jemand das Glaubensbekenntnis aus dem Lateinischen ins Deutsche: „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Eder“. Ob da derselbe im Spiel war, der für Frankenberg den Werbespruch „Das Beste zwischen Himmel und Eder“ erfunden hat? Und für Gläubige ist der Satz inhaltlich gar nicht so falsch. Es ist bekannt, dass Politiker manchmal schwer zu erreichen sind. Aber die Öffnungszeiten eines Wahlkreisbüros sind wirklich eine harte Nuss für die Wähler: immer „am ersten Donnerstag im Montag“. Und das vermutlich nur, wenn Weihnachten auf ein Schaltjahr fällt. Oder so ähnlich. Manche Lieder bekommen einen völlig neuen Sinn, wenn nur ein Buchstabe verändert wird. Zu unseren Favoriten aus den vergangenen Jahren zählt nach wie vor das Lied „Ich steh’ an deiner Grippe hier“. In diesem Jahr kam „Sah ein Knab’ ein Rösslein steh’n“ hinzu. Das hätte dem Jungen bestimmt noch besser gefallen als die Blume, die Goethe für ihn vorgesehen hatte. Schön formuliert: Besonders große Mühe hatte sich eine Dame bei einem Reisebericht gegeben. Sie geriet ins Schwärmen: Da war die Rede von „glitzernden Pisten vor den weißen Gipfeln der imposanten Bergwelt“, einer „Skiarena, die auf ihre Eroberung wartete“, und von „grandiosen Panoramen“. Ob das darüber hinwegtröstet, wenn schmerzhaft klingendes „Eistockschießen“ angeboten wird? Ich glaube nicht. Nie die Hoffnung aufgeben, wenn es heißt, es gebe keine Karten mehr: „Für das ausverkaufte Spiel sind noch Restkarten zu haben“ – mit diesem Versprechen hoffte ein Fußballfanclub, noch Mitfahrer zum Heimspiel der Lieblingsmannschaft anzulocken. Ob die sich auf dem Schwarzmarkt Karten besorgen mussten, wurde nicht kommuniziert. Da machen auch Sportmuffel gerne mit: Bei einem Volkslauf scheinen die Läufer nicht lange unterwegs gewesen zu sein, schließlich hieß es: „Start und Ziel ist um 15 Uhr am Sportplatz“. Die Streckenbeschreibung dürfte kein Problem gewesen sein. Wir sind überzeugt, dass der Autor der folgenden Zeilen diese völlig ernst gemeint hat, die er zusätzlich zur Programmfolge einer Karnevalsfeier geschickt hatte: „Mit der Bitte an die Weitergabe an den Mitarbeiter, den das Schicksal dazu verdammt hat, (...) den Karneval in (...) aufzusuchen und darüber zu berichten.“ Der ein oder andere Karnevalsmuffel fühlte eine spontane Welle der Zuneigung und Dankbarkeit, und selbst die Jecken in der Redaktion mussten schmunzeln. Anders gemeint als gesagt: In einem anderen eingereichten Text hieß es: „Auch bedankte sich der Chor bei dem Ehemann, ohne dessen Hinterhalt dies die ganzen Jahre nicht möglich gewesen wäre“. Wir vermuten, dass der Ehemann nicht hinterhältig war, sondern seiner Frau Halt gab. Das dürfte ein anstrengendes Spiel gewesen sein: So vermeldete ein Fußballverein: „Wieder mal ohne die komplette Mannschaft musste der Trainer (...) nach Gießen reisen, wo das Spiel (...) stattfand.“ Dafür war das Endergebnis von 10:0 für die Gegner doch wirklich noch harmlos! Wie war das noch mit diesem Raum-Zeit-Kontinuum-Dings? Damit scheint sich der Autor einer Ankündigung auszukennen, denn laut dieser erfolgte die Grundsteinlegung für eine der ältesten gotischen Kirchen im Jahre 2015 – also in der Zukunft. Wenn nur ein Bestandteil fehlt, können Worte völlig neue Bedeutungen erhalten. Schmerzhaft – und physikalisch schwer nachvollziehbar – klingt „ein doppelter Abriss des linken Oberschenkels“. Gemeint war ein doppelter Muskelabriss im linken Oberschenkel. Der Betroffene hatte wie alle anderen nämlich auch nur einen davon. Jetzt im Ernst? Und noch etwas Medizinisches ... Dem zuständigen Kardiologen dürfte es eiskalt den Rücken heruntergelaufen sein, als er las, wozu sich die „Selbsthilfe Herz-Kreislauf nach Operation“ traf. Die Damen und Herren hatten sich nämlich nicht etwa zum Rehasport, Kardio-Training oder Gesundheitsvortrag verabredet, sondern zum Schlachte-Essen. Ja, nach einem Herzinfarkt oder Kreislaufkollaps hält so ein deftiges Mahl Leib und Seele zusammen... Rechtschreib- und Tippfehler passieren. Aber dass ausgerechnet eine Schule einen Anmeldebogen verschickte, in dem sich vier massive Tipp- und ein Rechtschreibfehler befanden, fanden wir doch ziemlich bemerkenswert. Von Fehlern können sich aber auch die Mitarbeiter der Waldeckischen Landeszeitung /Frankenberger Zeitung gewiss nicht freisprechen. Deshalb: Entschuldigung für alle Tippfehler, Missverständnisse und Zahlendreher. Ganz im Ernst.

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