Edersee-Region gut besucht

Tourismus: Gästezahlen in Waldeck-Frankenberg erholen sich leicht

Den Blick auf den Edersee genossen auch im Pandemie-Sommer viele Gäste.
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Den Blick auf den Edersee genossen auch im Pandemie-Sommer viele Gäste.

Waldeck-Frankenberg hat zuletzt im Vergleich zum Rest Hessens in der Corona-Pandemie vergleichsweise viele Übernachtungsgäste angezogen – unterm Strich bleiben aber nicht wettzumachende Verluste.

  • Der Landkreis Waldeck-Frankenberg ist in Hessen am wenigsten vom Rückgang der Übernachtungszahlen betroffen.
  • Trotzdem fehlen seit Jahresbeginn in Waldeck-Frankenberg 677.000 Übernachtungen.
  • Die Gäste in Willingen, Bad Wildungen und am Edersee bleiben länger als in den Vorjahren.

Waldeck-Frankenberg – Mit einem Minus von acht Prozent im August ist er laut statistischem Landesamt am wenigsten betroffen – landesweit lagen die Verluste in dem Monat bei mehr als einem Drittel. Seit Jahresbeginn haben sich die Übernachtungszahlen im Land derweil fast halbiert, und auch wenn Waldeck-Frankenberg sein Niveau so gut hält wie fast kein anderer Kreis, bedeutet ein Minus von 29,4 Prozent, dass 677 000 Übernachtungen fehlen.

„Wir werden die Lücke, die wir wegen des Lockdowns hatten, nicht aufholen können“, gibt Klaus Dieter Brandstetter zu bedenken, der Geschäftsführer des Touristik-Service Waldeck-Ederbergland. Ein weiterer Punkt, der zu beachten sei: Die Belegung sei sehr von der Art des Betriebs anhängig, wodurch verschiedene Orte unterschiedlich gut davon kommen. Wo es viele Ferienwohnungen, kleine Gasthöfe und Campingplätze gebe, seien Übernachtungen gefragt, größere Hotels litten.

Die meisten Kommunen im Kreis haben geringere Verluste als der Landesdurchschnitt, einige erleben sogar Steigerungen zum Vorjahr: „Auch im August konnten wir uns am Edersee entgegen dem allgemeinen Negativtrend in Hessen bei den Übernachtungen weiterhin positiv entwickeln“, teilt Claus Günther von der Edersee Touristic mit: „Abermals haben wir vom Reisedruck innerhalb Deutschland als Region abseits von Nord- und Ostsee sowie der Alpen profitieren können.“ Die Statistik erfasst Betriebe ab zehn Betten inklusive der Campingplätze. Hinzu kommen noch die vielen Übernachtungen in den ebenfalls sehr gefragten privaten Ferienwohnungen und Ferienhäusern, erklärt Claus Günther.

Einen Einblick gibt da in Willingen die Kurtaxe, welche in den meisten Uplandorten anfällt, erklärt Tourismus-Manager Norbert Lopatta: Auch wenn die statistisch erfassten Übernachtungszahlen im August noch 16 Prozent unter dem Vorjahr lagen, kam mehr Kurtaxe zusammen – zwar hatte die Gemeinde auch die Sätze erhöht, aber dennoch sei es ein gutes Zeichen, dass die Verluste geringer seien als gemeldet.

Waldeck-Frankenberg im August auf einem Niveau mit Frankfurt

Die stärksten Rückgänge im Land musste mit minus 62 Prozent Frankfurt hinnehmen, was 350 000 Übernachtungen im August bedeutete – Waldeck-Frankenberg lag mit 336 000 knapp dahinter. Zuwächse unter den Kommunen mit mehr als 10 000 Übernachtungen im Monat verzeichneten im August Edertal (27,5 Prozent), Vöhl (12,2), Waldeck (11,3) und Bad Arolsen (6,5), Bad Wildungen, Willingen und Diemelsee liegen noch je 14,7, 16 und 18,1 Prozent unter dem Vorjahr.

Aussichten des Tourismus in Waldeck-Frankenberg schwer abzuschätzen

Wie es nach zuletzt relativ guten Zahlen im Waldeck-Frankenberger Tourismus weitergeht, hängt von vielen Faktoren ab, weiß Klaus Dieter Brandstetter vom Touristik Service Waldeck-Ederbergland: vor allem von der Entwicklung der Infektionslage und der Reaktion der Länder darauf. So hält er es auch nach dem weitgehenden Ende der Beherbergungsverbote für möglich, dass neue Reisebeschränkungen aus Risikogebieten folgen könnten.

Auf zwei Entwicklungen macht der Willinger Tourismus-Manager Norbert Lopatta aufmerksam: Die Zahl der Gäste-Ankünfte geht stärker zurück als die der Übernachtungen. Fast im ganzen Kreis bleiben die Menschen also länger als gewohnt, 4,3 Tage sind es statt 3,8 im Vorjahreszeitraum. Bad Wildungen hebt diesen Durchschnitt üblicherweise mit zweistelligen Werten, dieses Jahr bis August blieben Gäste 12,1 statt 10,3 Tage. Die Dauer steigt aber auch in Willingen von 2,7 auf 2,9 Tage, in Vöhl sogar von 3 auf 3,5.

Lopatta beobachtet zudem, dass Buchungen wesentlich spontaner erfolgen: „Wir werden nur für die wenigsten neuer Ort für den Haupturlaub, aber viele kommen zwischendurch.“ Mit dem Ende des hessischen Beherbergungsverbots geht er davon aus, dass eine stabile Entwicklung grundsätzlich möglich ist – aber Infektionsgeschehen und Wetter können es immer kurzfristig ändern.

Klaus Dieter Brandstetter erklärt, dass die Großstädte härter getroffen sind und eine Erholung bei Geschäfts- und Auslandsreisen laut Studien noch Jahre entfernt liegt. Eine Erholung im Bereich des Tourismus werde derweil früher prognostiziert: Zwar hängt das sehr vom Zeitpunkt ab, zu dem ein Impfstoff verfügbar ist, aber Mitte bis Ende des nächsten Jahres könnte wieder Normalität einkehren.

Übernachtungszahlen in Waldeck-Frankenberg

Übernachtungen August (+/- zu 2019)Übernachtunen seit Januar
Bad Arolsen 19.014 (+6,5%) 72.467 (-27,1%)
Bad Wildungen 112.762 (-14,7%) 721.497 (-24,8%)
Battenberg2451 (-6,1%)10.981 /-26,8%)
Bromskirchen442 (+3%.)2469 (+0,2%)
Burgwald164 (k.A.)869 (k.A.)
Diemelsee11.565 (-18,1%)45.145 (-27,8%)
Diemelstadt1665 (-24%)8806 (-33,5%)
Edertal19.662 (+27,5%)61.577 (-0,1%)
Frankenau2246 (-42,8%)7150 (-52,7%)
Frankenberg2831 (-8,5%)16.527 (-32,2%)
Gemünden287 (-21,2%)1301 (-40,8%)
Korbach4199 (-34,5%)20.137 (-47,2%)
Lichtenfels2500 (+11,3%)8177 (-33,4%)
Twistetal699 (-2,6%)2818 (-33,8%)
Vöhl46.296 (+12,2%)142.768 (-16,4%)
Waldeck23.300 (+11,3%)75.762 (-19,4%)
Willingen84.640 (-16%)428.892 (-41,2%)
Waldeck-Frankenberg336.095 (-8%)1.631.480 (-29,4%)

(Quelle: Stastitisches Landesamt. Weitere Kommunen nicht erfasst)

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