Flüssiggas in Kanalisation • Sechs Feuerwehren alarmiert

Gasalarm löst Großeinsatz aus

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Penetranter Gasgeruch liegt in der Luft: Flüssiggas eines unsachgemäß gespülten Gastanks bahnt sich den Weg durch das Kanalnetz.

Edertal-Wellen - Ein offenbar unsachgemäß belüfteter Gastank löste am Donnerstagnachmittag einen Großeinsatz aus. Sechs Feuerwehren, Polizei, Rettungskräfte und Gasspezialisten eilten nach Wellen, wo penetranter Gasgeruch die Bevölkerung aufschreckte.

Bereits in den Morgenstunden bemerken Anwohner im Bonifatiusweg einen eigenartigen Geruch. „Wir haben vor drei Wochen Erdgas bekommen“, berichten Anlieger und mutmaßen zunächst einen Zusammenhang. Den gibt es aber nicht.

Ein Anlieger alarmiert die Leitstelle. Rettungskräfte rücken kurz nach 14 Uhr in den Edertaler Ortsteil aus. Ein Mitarbeiter der Energiegesellschaft Waldeck-Frankenberg (EWF) schließt schnell aus, dass es sich um Erdgas handeln könnte. Mit einem Messgerät gibt er vorsichtig Entwarnung. „Keine Explosionsgefahr“. Die höchste Konzentration stellt er an der Kreuzung zur Friedrichstraße fest. Als Ursache macht er einen alten Flüssiggastank aus, der nicht fachgerecht gespült worden sei. Der Eigentümer wollte seinen alten Gastank gegen einen neuen austauschen. Gegenüber der Bad Wildunger Polizei versicherte der Wellener, dass der Inhalt von dem Gaslieferanten abgepumpt worden sei. Laut Polizei habe er den Rat der Fachleute befolgt und den Tank dann mit Wasser befüllt, das mit dem restlichen Gas in die Kanalisation gelangt ist.

Die dem Flüssiggas beigemischten Zusatzstoffe verströmen den penetranten Geruch, auf den die Wellener im alten Ortskern aufmerksam werden. Das Flüssiggas in der Kanalisation versetzt sechs Feuerwehren in Alarm-Bereitschaft. Wehren aus Wellen, Hemfurth, Bergheim/Giflitz, Anraff und Wega eilen in den Edertaler Ortsteil. Die Einsatzleitung hat Wellens Wehrführer Wilfried Bartscher. Bad Wildungens Stützpunkt-Feuerwehr ist mit Gerätewagen Messtechnik, Gefahrgut- und Löschfahrzeug vor Ort. Zwei Rettungswagen des DRK stehen parat.

Vorsorglich wird der Dorfkern großräumig abgesperrt, Autos dürfen nicht angelassen werden, es herrscht Handy-Verbot.

Brandschutzdezernent Erwin Baumann vom Regierungspräsdium Kassel und Kreisbrandinspektor Gerhard Biederbeck koordinieren gemeinsam mit dem Wildunger Wehrführer Frank Volke die weiteren Maßnahmen. Rat holen sie sich beim Flüssiggas-Sicherheitsdienst. Flüssiggas ist schwerer als Erdgas und sammelt sich an den tiefsten Stellen. Ob im Kanalsystem das Gas-Wasser-Gemisch in bedenklicher Konzentration vorhanden ist, das sollen Messungen zeigen. An der Wellener Pumpstation, von der aus das Abwasser zur Kläranlage nach Bergheim geleitet wird, misst Feuerwehrmann Daniel Lichtblau mit einem Prüfröhrchen. Die Werte sind gering.

Auch das Explosionsgrenzen-Messgerät ist im Einsatz, lässt aber keine Explosionsgefahr im Kanal erkennen, berichtet Udo Paul, Pressesprecher der Bad Wildunger Feuerwehr. - Aufatmen in Wellen.

Das Prüfgerät wird in 15 Kanalschächte in dem gefährdeten Gebiet gehalten - auch hier sind die Werte unbedenklich. Vorsorglich werden Wohnhäuser und Kellerräume im Dorfkern aufgesucht. Und auch dort gibt es keinen Grund zur Besorgnis. Erleichterung in Wellen und bei den Einsatzkräften - ein Gasunfall hätte tragisch enden können. Wer für die Kosten des Einsatzes aufkommen muss, dass steht noch nicht fest.

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