Hotels und Gaststätten müssen schließen

Gastgeber in Waldeck-Frankenberg reagieren unterschiedlich auf „Lockdown light“

Das Restaurant bleibt erst mal leer: Während Urs Zabel vom Goldflair die Schließung der Hotels für überzogen hält, hat er auch Verständnis für den Lockdown.
+
Das Restaurant bleibt erst mal leer: Während Urs Zabel vom Goldflair die Schließung der Hotels für überzogen hält, hat er auch Verständnis für den Lockdown.

Die Reaktionen auf den „Lockdown light“ unter den Waldeck-Frankenberger Gastgebern fallen differenziert aus: Es gibt Überraschung und Kritik, aber auch Verständnis.

  • Hotels und Gaststätten in Waldeck-Frankenberg liegen wegen des Lockdowns ab 2. November brach.
  • Es gibt Kritik an den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie - aber das Bild ist differenziert.
  • Dass entfallende Umsätze größtenteils erstattet werden sollen, glättet die Wogen.

Waldeck-Frankenberg – In hunderten Übernachtungsbetrieben, Restaurants und Gaststätten im Landkreis ruht der Betrieb ab Montag wegen des von Bund und Ländern beschlossenen „Lockdown light“. Doch schon zuvor ist es ruhig geworden: „Ich rechne auf keinen Fall mehr mit einem letzten Ansturm am Wochenende“, sagt Andreas Brauer vom „Platzhirsch“ in Bad Arolsen: Die Menschen seien wieder sensibilisiert.

Er unterstützt die von der Kanzlerin angestoßene Maßnahme zur Eindämmung der Corona-Pandemie: „Die Leute verstehen es nicht, wenn sie nicht selbst betroffen sind. Den Deutschen geht es nur ums Feiern und um den Fußball.“ Mit steigendem Alkoholpegel verschwänden die Regeln aus dem Kopf, Bilder von Feiern in Großstädten ließen ihn verständnislos zurück. Auch wenn das in der Region besser laufe, seien flächendeckende Maßnahmen gefragt – sonst ballten sich die Gäste aus den Großstädten hier.

Die Göbel-Hotelgruppe hat sechs Monate lang zum Schutz von Gästen und Mitarbeitern investiert: „Da hat es uns mehr als überrascht, dass gerade die Gastronomie und Hotellerie – für touristische Urlaubsaufenthalte – ab Montag geschlossen werden.“ Das Risiko einer Infektion sei nirgends auszuschließen, aber in den Hotelbetrieben und Restaurants sehr gering.

Die Corona-Maßnahmen lassen Hotels im Kreis brach liegen. Im Bild Göbel’s Landhotel, Stammhaus der in Willingen ansässigen Gruppe, in besseren Zeiten.

„Uns stellt sich damit die Frage, ob die Maßnahmen der Bundesregierung in diesem Ausmaß gerechtfertigt sind“, so die Mitteilung. Entlassen werde niemand, aber die Mitarbeiter gehen wieder in Kurzarbeit – nachdem im Sommer und Herbst wegen des verstärkten Deutschland-Tourismus noch händeringend gesucht worden sei.

Lockdown nach Hygiene-Konzepten für viele ungerecht

Traurig und betroffen ist Hartmut Ranze, Seniorchef der Dodenauer Biker-Pension Arnold: Nicht nur wurde die gerade für viel Geld renoviert, er findet es auch ungerecht, dass die Gastronomie erneut hart getroffen werde. „Keine Berufssparte hat bisher größere Opfer gebracht.“ Er und seine Berufskollegen hätten sich an die Abstands- und Hygienevorschriften gehalten und nicht zur Verbreitung des Virus beigetragen.

„Die Beherbergungsbetriebe werden wieder bei den Hammelbeinen gepackt“, sagt Friedrich Göbel, Inhaber des Sporthotels Göbel in Willingen: Dabei seien nur 0,4 Prozent der Infektionen auf den Bereich zurückzuführen. Alle investierten in Hygiene, jetzt sei alles fertig und der Betrieb müsse wieder ruhen.

„Der erneute Lockdown ist ein harter Einschnitt für unsere Betriebe und die gesamte Branche“, erklärt Gerhard Pohl, Geschäftsführer der Hotelbetriebsgesellschaft Battenberg, die „Sonne“, Walkemühle und Alt-Battenberg betreibt. „Wir haben bis zuletzt gehofft, dass zumindest der Hotelbetrieb für private Reisen, Geschäftsreisen finden fast keine statt, weiter gestattet ist, da wir uns vorbildlich bei der Einhaltung der Hygienemaßnahmen verhalten.“

Das Hotel "Die Sonne Frankenberg" liegt mitten in der Altstadt, gleich neben dem historischen Rathaus. 

„Einerseits halte ich die Maßnahme, Hotels zu schließen, für überzogen“, sagt Urs Zabel von Hotel Goldflair und Restaurant Goldstuben in Korbach angesichts des mangelnden Kontakts zwischen Gästen. Anderseits werde kaum ein Urlauber kommen, wenn alle Freizeitaktivitäten untersagt sind. Die Gäste hätten auf die gestiegenen Infektionszahlen regiert. Er kann dem Plan, zeitweise herunterzufahren, etwas abgewinnen: „Einfach zusehen und abwarten, bis alle Intensivbetten belegt sind, ist wohl kein gangbarer Weg.“

Gastgeber in Waldeck-Frankenberg vertrauen auf Zusage für Lockdown-Hilfe

Angesichts der Situation müssen Gastgeber auf die von der Regierung zugesagten Hilfen vertrauen, sagt Friedrich Göbel: „Ich hoffe, dass sie uns nicht hängenlassen.“ Auch die Kollegen hoffen, dass die Hilfen wie zugesagt kommen – wie hoch der Prozentsatz am Ende sein wird, müsse sich zeigen, sagt Urs Zabel. Andreas Brauer findet, dass die Hilfen im ersten Lockdown gut funktioniert haben: „Es kann keiner sagen, dass der Staat uns hängen lässt.“

Betriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern sollen 70 Prozent des Umsatzes erhalten, erläutert Marion Arens von der Göbel-Hotelgruppe: „Es ist auf jeden Fall ein Entgegenkommen seitens der Regierung, dennoch kein Vergleich zu den Einnahmen, auf die wir verzichten müssen.“ Die Buchungslage sei stark geblieben, nun müsse vielen abgesagt werden.

Ein frühes Ende des Lockdowns bezweifeln viele Gastgeber

Dass die Schließung sich auf den November beschränkt, glauben die wenigsten: „Ich habe meinen Mitarbeitern schon gesagt, dass ich nicht damit rechne, dass wir im Dezember wieder öffnen“, sagt Urs Zabel. Dass es beim „Lockdown light“ bleibt, bezweifelt Hartmut Ranze: Auf die Gastronomie kämen harte Zeiten zu.

Auch Gerhard Pohl weiß, dass alle Vorbereitungen auf das Weihnachtsgeschäft davon abhängen, wie sich die Infektionszahlen entwickeln. Prognosen will die Göbel-Hotelgruppe nicht abgeben – aber das Jahresende sei ein wichtiges Geschäft, das schon coronakonform geplant wurde. Auch ein guter Winter sei nach den vergangenen Jahren wichtig.

Mit Glück gebe es im Frühjahr einen Impfstoff, hofft Andreas Brauer. Aber er geht davon aus, dass es über zwei, drei Jahre zu Ausbrüchen komme – und damit zu Einschränkungen.

Tourismus-Hochburg Willingen hofft, Lockdown zu verschmerzen

Den Willinger Tourismus haben die Maßnahmen überrascht, heißt es in einer Pressemeldung der Gemeinde. „Touristisches Reisen ist untersagt, das können wir nicht sonderlich schönreden“, bestätigt Tourismusdirektor Norbert Lopatta. Doch die Situation sei deutlich anders als im Frühjahr. Der November sei weniger frequentiert. Die Angebote der Sommersaison standen vor dem Ende und die wichtige Zeit für den Wintertourismus beginnt erst Mitte Dezember.

Die letzten Winter in Willingen waren wechselhaft - aber die Hoffnung auf eine gute Saison bleibt.

Aktuell hoffen Restaurants und Gastgeber auf die in Aussicht gestellte Entschädigung. „Sollten die im Raum stehenden 75 Prozent wirklich kommen, wäre das eine große Hilfe“, so Lopatta. „Das wäre dann zu verschmerzen“, ist sich auch Arndt Brüne sicher, Vorsitzender des Vereins „Aktives Willingen“. Ganz Europa stehe vor diesen Problemen: „Wichtig ist, dass das Virus bekämpft wird. Das ist eine gesellschaftliche Aufgabe und wir werden unseren Teil dazu beitragen.“ Wie es weiter gehe, könne niemand sagen – aber der Sommer habe gezeigt, dass es wieder aufwärts gehen kann. red

Dehoga Hessen übt Kritik am „Lockdown light“

Kritisch zum neuerlichen Lockdown äußert sich der Dehoga Hessen: „Wir finden das völlig unverhältnismäßig“, erklärt Kerstin Junghans, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Landesgeschäftsstelle auf Anfrage unserer Zeitung. Nach wie vor liegen keine belastbaren Zahlen vor, dass Beherbergungsbetriebe ein Problem seien, erläutert sie.

Der Plan, im November herunterzufahren, um entspannt Weihnachten feiern zu können, sei keine Strategie mit Perspektive. „Ich habe das Gefühl, das ist eine Maßnahme, nur um sagen zu können, dass man überhaupt etwas tut.“ Die Zahlen gingen höchstens temporär runter – und die Frage, ob bei einem neuerlichen Anstieg dann wieder ein Lockdown drohe, verunsichere alle Beteiligten. Viele Unternehmen kämen gerade erst wieder auf die Beine, auch im Dezember müssten sie ihre Geschäfte erst wieder aufbauen – stabiler Betrieb sei so nicht möglich.

„Zugutehalten muss man der Regierung, dass es gleichzeitig finanzielle Hilfestellung gibt“, erklärt Kerstin Junghans – auch, wenn viele Frage blieben, etwa wie der erstattete Umsatz mit Hilfen verrechnet wird. Der Dehoga hoffe auf unbürokratische Hilfe. (wf/dau/jpa/off)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare