Herbst ist die gefährlichste Jahreszeit

Gefahr für Wildunfälle in Waldeck-Frankenberg wächst

Zahl der Wildunfälle in Niedersachsen gesunken.
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Ein Verkehrsschild warnt vor Wildwechsel an einer Landstraße: Wenn es Richtung Herbst geht, dann steigt die Gefahr, dass es Unfälle zwischen Wildtieren und Fahrzeugen gibt.

Die Tage werden kürzer und das Wetter trübe: Mit dem Herbst wächst die Gefahr für Wildunfälle, warnt die Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg. 

Waldeck-Frankenberg –„Grundsätzlich ist festzustellen, dass die Zahl der Wildunfälle in den Monaten September bis November ansteigt“, hält Pressesprecher Dirk Richter fest. Das lässt sich an den Zahlen des Vorjahres erkennen: Die Herbstmonate stellten neben dem Mai drei der vier Höchstwerte, mit der Spitze von 136 erfassten Wildunfällen im Oktober.

Im Winter und Frühjahr sank ihre Zahl, die Gefahr blieb aber: Der niedrigste Wert lag immer noch bei 82 Vorfällen im März. Dabei handele es sich nur um die bei der Polizei angezeigten Fälle: Es sei davon auszugehen, dass einige Wildunfälle nicht bei der Polizei, sondern bei den zuständigen Jagdausübungsberechtigten oder überhaupt nicht gemeldet werden. Bei den meisten der Wildunfälle blieben die Verkehrsteilnehmer unverletzt, lediglich bei sieben von 1307 kamen Personen zu Schaden.

Wildunfälle: Räumliche Schwerpunkte lassen sich nicht feststellen

Räumliche Schwerpunkte ließen sich nicht feststellen, doch Polizeihauptkommissar Volker König hat als Leiter des Regionalen Verkehrsdienstes eine Anmerkung: „Aufgrund der ländlich geprägten Region ist der prozentuale Anteil der Wildunfälle im Landkreis im Vergleich zu allen Verkehrsunfällen deutlich höher als in anderen Regionen Hessens. Alle waldreichen Strecken im Landkreis sind gleichermaßen betroffen.“ Zum Vergleich: Im Landkreis Waldeck-Frankenberg ereigneten sich 2,69 Prozent (2019: 2,62 Prozent) aller in Hessen polizeilich registrierten Verkehrsunfälle im Allgemeinen. Bei den Wildunfällen sei der prozentuale Anteil wesentlich höher und betrage 6,84 Prozent (2019: 7,34 Prozent).

Grundsätzlich kann festgestellt werden, dass die Anzahl der Wildunfälle die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle maßgeblich negativ beeinflusst, erklärt Richter. So bedeuten die im Jahr 2020 registrierten 1307 Wildunfälle einen Anteil von 39,54 Prozent an der Gesamtzahl der Verkehrsunfälle – 2019 waren es noch 38,66 Prozent. Während die Zahl der Verkehrsunfälle ohne Wildbeteiligung tendenziell über Jahre hinweg zurückgehe, steige die der Wildunfälle kontinuierlich an.

Wildunfälle: Ausnahme gab es im Jahr 2020

Eine Ausnahme vom Anstieg der Menge an Wildunfällen zeigte sich im Jahr 2020. Die 1307 registrierten Wildunfälle bedeuteten im Vergleich zu den 1514 vom Vorjahr einen Rückgang um 13,68 Prozent. Der Rückgang der Wildunfälle im Jahr 2020 geht allerdings mit dem der Gesamtunfallzahlen von 3916 auf 3304 einher. Dieses Minus von 15,63 Prozent hängt mit den pandemiebedingten Beschränkungen zusammen, hält die Polizei fest.

Die erste Regel, um Wildunfälle zu vermeiden: Es müsse immer und überall mit Wildwechsel gerechnet werden, hält die Polizei fest – einer der Gründe dafür, die Geschwindigkeitsbeschränkungen einzuhalten und defensiv zu fahren. Besondere Aufmerksamkeit müsse in der Dämmerung und der Nacht aufgebracht werden. Auch dort, wo die vor Wildwechsel warnenden Verkehrszeichen stehen, sei besondere Vorsicht geboten.

Wildunfälle: Verletzte Tiere nicht anfassen

Wenn plötzlich Wild auftaucht, gelte es, kontrolliert zu bremsen und nicht unbeherrscht auszuweichen. Abblenden und Hupen können dabei helfen, das Tier zum Ausweichen zu bringen. Auch wenn es von der Straße verschwinde: Mit Nachzüglern müsse gerechnet werden. Wenn eine Kollision mit dem Wild nicht mehr zu vermeiden ist, rät die Polizei: Besser ein kontrollierter Aufprall als ein unkontrolliertes Ausweichmanöver, daher Fahrspur halten und so stark wie möglich abbremsen.

Nach einem Wildunfall gelte es zuerst, die Ruhe zu bewahren. Das Fahrzeug muss aus dem Gefahrenbereich gebracht und die Unfallstelle nach beiden Seiten abgesichert werden: Das bedeutet Warnblinker anschalten, Warndreiecke aufstellen und sich selbst eine Warnweste anziehen, um anderen Verkehrsteilnehmern aufzufallen. Bei Personenschaden ist erste Hilfe zu leisten und über die 112 der Rettungsdienst zu verständigen.

Verletzte Tiere sollten wegen eigener Verletzungsgefahr nicht angefasst werden. Totes Wild kann von der Fahrbahn geräumt werden, dafür müssen wegen Infektionsgefahr aber Handschuhe getragen werden. Und: Über den Notruf 110 die Polizei verständigen.

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