Vorschlag für Tempo 80 auf weniger als sechs Meter breiten Straßen

Generelles Limit oder Augenmaß??

5,5 Meter ist die K 58 zwischen Lengefeld und Lelbach breit – und wäre damit vom diskutierten Tempolimit betroffen.Fotos: Wilhelm Figge

Waldeck-Frankenberg - Der Vorschlag für ein generelles Tempolimit auf schmaleren Straßen stößt auf ein geteiltes Echo: Neben Unterstützung gibt es auch Forderungen nach dem Beibehalten der Einzelfallentscheidungen - und nach besserer Infrastruktur.

Viele Landstraßen seien nicht für die Höchstgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern gebaut, erklärt Christian Kellner, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Verkehrssicherheitsrats. Beim heute beginnenden Verkehrsgerichtstag in Goslar wolle er deshalb ein Tempolimit von 80 Stundenkilometern auf weniger als sechs Meter breiten Straßen vorschlagen (wir berichteten). Die Ergebnisse der Konferenz sind nicht bindend, die Politik berücksichtigt sie aber häufig.

Zwei Drittel der Kreisstraßen nach Schätzung betroffen

Betroffen wären vor allem Kreisstraßen: Laut Schätzungen von Hessen Mobil sind zwei Drittel der 390 Kilometer freier Strecke im Landkreis schmaler als sechs Meter. Vom Netz der Landesstraßen seien knapp zehn Prozent betroffen. Bundesstraßen sind in der Regel acht Meter breit oder mehr. Laut aktuellen Richtlinien werden auch neue Kreis- und Landesstraßen in sechs Meter Breite gebaut.

Während erste Stimmen von Teilnehmern des Verkehrsgerichtstags zustimmend ausfielen, gibt es auch Kritik: „Sechs Meter sind nicht unbedingt schmal“, erklärt Rolf Crone, Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Waldeck-Frankenberg. Ein generelles 80er-Limit auf solchen Strecken hält er nicht für sinnvoll. Geschwindigkeitsbegrenzungen sollten sich an der Kombination aus Querschnitt, Sichtfeld, Linien- und Kurvenführung orientieren.

Auch Hans-Hennig Pieler, Verkehrsbeirat in dem Verein, wundert sich über den Vorschlag: „Die richtige Devise lautet ‚kontrollieren, beobachten und auswerten‘.“ Die Verkehrsunfallkommission - bestehend aus Mitgliedern von Verkehrsbehörde, Polizei und Hessen Mobil - sollte weiterhin anhand von Ortsbesichtigungen an Unfallstellen Einzelentscheidungen treffen. Darüber hinaus verweist er auf die Pflicht des Kraftfahrers, anhand von Straßenzustand und Wetter das richtige Tempo zu finden. Fahrbahnbreiten knapp unter sechs Meter gelten auch bei Hessen Mobil nicht grundsätzlich als schwierig: „Bei 5,5 Metern ist Begegnungsverkehr unproblematisch“, sagt Pressesprecher Horst Sinemus. Zum Vergleich: Ein VW Golf ist 1,80 Meter breit, ein Euro-Sattelzug ohne Spiegel bis zu 2,55 Meter.

Die Breite der Fahrbahn dient bislang nicht als Kriterium für die Notwendigkeit einer Geschwindigkeitsbegrenzung. Eher maßgebend sei, wenn an Stellen, an denen die Mehrheit der Fahrer das Tempolimit einhält, dennoch häufig geschwindigkeitsbedingte Unfälle auftreten. Wo etwa Kurven, Gefälle und unebene Fahrbahn ein Risiko darstellen, soll laut Verkehrsbehörde Waldeck-Frankenberg die Geschwindigkeit gelten, die 85 Prozent der Fahrer von sich aus einhalten.

Unterstützung von Automobilclubs

Unterstützung findet der Vorschlag bei Automobilvereinen. „Wir haben uns da angeschlossen“, erklärt Andreas Hölzel vom ADAC. Während auf gut ausgebauten Strecken Unfallschwerpunkte beachtet werden sollten, sei dies eine gute Idee für die relativ vielen schmaleren Strecken. Er erinnert daran, das 60 Prozent aller tödlichen Unfälle auf Landstraßen geschehen. „Manchmal ist auch Tempo 80 zu viel“, erklärt Uwe Völker vom Auto Club Europa. Er befürwortet die Idee angesichts von Straßen ohne Markierung sowie von Banketten und Schotterstreifen am Fahrbahnrand, die Sicherheit bloß vortäuschen würden. „Der Vorschlag ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber irgendwann muss die Verkehrsinfrastruktur saniert werden“, sagt er. Die Entfernung von Rüttelstreifen und der dreispurige Ausbau von Straßen auf dem Land würden mehr bringen - für die Kosten verweist er auf eine Ausweitung der Lkw-Maut.

Von Wilhelm Figge

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