Opfer leiden unter verbaler Aggression und Misshandlungen

Gewalt in der Pflege immer noch Tabuthema

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Gewalt in der Pflege: Gut 50 Vertreter vor allem von Krankenhäusern und aus der stationären Pflege haben bei einem Fachtag über das „Tabuthema“ gesprochen. 

Waldeck-Frankenberg. Wie verbreitet das Problem von Gewalt zwischen Pflegern und ihren Betreuten ist, lässt sich kaum abschätzen. Konkrete Zahlen mit Fällen in Waldeck-Frankenberg gibt es zwar nicht. Dennoch stieß das Thema auf reges Interesse: Gut 50 Vertreter vor allem von Krankenhäusern und aus der stationären Pflege haben bei einem Fachtag über das „Tabuthema“ gesprochen. 

Laut Weltgesundheitsorganisation sind vier bis sechs Prozent aller älteren Pflegebedürftigen von Gewalt betroffen – dabei gehe es um körperliche und psychische Formen, Vernachlässigung, Ausbeutung und sexuelle Misshandlung, sagte Referentin Anja Gerlach, Pflegewissenschaftlerin an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster. „Die Datenlage führt tendenziell zu einer Unterschätzung der Gewalterlebnisse“, warnte sie. 

Pflegende, die 2006 für eine Studie interviewt wurden, berichteten zu 40 Prozent von mindestens einem Fall problematischen Verhaltens gegenüber Patienten pro Jahr – vor allem Vernachlässigung, verbaler Aggression, physischer Misshandlung sowie Freiheitseinschränkung. Verantwortlich seien Zeitdruck und der Konflikt zwischen Ökonomie und Menschlichkeit, so Gerlach. Unter den pflegenden Angehörigen berichteten 2012 48 Prozent, psychische Misshandlung angewendet zu haben, 19 Prozent körperliche Gewalt. 

„Diese Menschen waren extrem an ihren Grenzen und kümmerten sich alleine um Menschen mit der höchsten Pflegestufe“, berichtete Gerlach. Oft flamme in solchen Fällen das Thema häusliche Gewalt wieder auf – häufig in Form einer Umkehr, bei der das frühere Opfer in der pflegenden Position ist. Auf der anderen Seite berichteten in einer Studie (2009) 63 Prozent der befragten Beschäftigten in der stationären Pflege, in dem Jahr Gewalt erfahren zu haben, in der ambulanten Pflege waren es 40 Prozent.

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