Anforderungen steigen – Mehr Quereinsteiger - Ruf nach mehr Geld und besseren Aufstiegsmöglichkeiten 

Gewerkschaft schlägt Alarm: Es fehlt an Grundschullehrern

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Waldeck-Frankenberg – An den Grundschulen gibt es deutschlandweit zu wenig Lehrerinnen und Lehrer, dieser Trend wird sich weiter verschärfen: Davor warnt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) schon seit längerem und bezieht sich auf eine Studie der Bertelsmann-Stiftung.

Die GEW kritisiert, dass die Kultusministerkonferenz der Länder zu sehr von einem spürbaren Rückgang der Schülerzahlen in der Primarstufe ausgegangen sei. Dieser habe sich aber nicht bestätigt. Der Bedarf an Grundschullehrkräften würde bis 2025 auf 11 000 steigen. „Das ist besonders alarmierend, da schon jetzt ein eklatanter Mangel besteht“, schreibt die Gewerkschaft.

Die Kultusministerkonferenz hat zudem selbst festgestellt, dass der Anteil von Quereinsteigern an den Neueinstellungen an Schulen innerhalb von zehn Jahren von drei auf 13 Prozent gestiegen ist – vor allem an Grundschulen zeige sich dieses Bild.

Unsere Zeitung hat daraufhin bei den Grundschulen in Waldeck-Frankenberg nachgefragt. Cornelia Schönbrodt, Schulleiterin an der Ortenbergschule in Frankenberg, sagte: „In den letzten Jahren sind viele junge Menschen, die ihr Grundschullehramtsstudium abgeschlossen haben, in andere Bundesländer gegangen, weil es in Hessen oft nur Lehraufträge und keine festen Stellen gab.“ Es habe also Versäumnisse gegeben. „Fakt ist auch, dass die Anforderungen an die Grundschullehrer stiegen – zum Beispiel durch die absolut sinnvolle, aber auch zeitintensive inklusive Beschulung. Daher muss auch über eine höhere Besoldung für Grundschullehrerinnen und -lehrer nachgedacht werden“, so Schönbrodt.

Das sieht Dörte Grell, Schulleiterin an der Grundschule Edertal ähnlich: „Montags, mittwochs und donnerstags befinden sich 80 Kinder im Ganztagsbetrieb. Es müssen Mittagsbetreuung, Betreuung der Langzeithausaufgaben, warmes Mittagessen und AG-Angebote mit hohem Personalaufwand organisiert werden.“ Schulleiter Jörg Thiele von der Humboldt-Schule in Korbach sagt, dass Grundschullehrer genauso viel leisten, wie Lehrer an weiterführenden Schulen. Eine Angleichung der Besoldung sei daher sinnvoll, um Anreize zu schaffen. Außerdem müsste es mehr Aufstiegsmöglichkeiten für Grundschullehrer bei der Beförderung auf Funktionsstellen geben. 

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