Neue Ziele für die Erforschung der einzigartigen Korbacher Fossilienspalte

Am Grab des Urwelt-Dackels

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In der Korbacher Spalte gingen Wolfgang Stinnesbeck (l.) von der Uni Heidelberg und Professor Eberhard „Dino“ Frey vom Staatlichen Naturkundemuseum Karlsruhe auf Spurensuche, was die Welt vor 250 Millionen Jahren bewegte.

Waldeck-Frankenberg - Wissenschaftler möchten weitere Geheimnisse der 250 Millionen Jahre alten Tierwelt in Korbach lüften. Geplant ist ein Projekt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt werden soll.

„Dino“ hat einen weiteren namhaften Wissenschaftler ans Fenster zur Urwelt gelockt. Diese Woche rückte Professor Eberhard Frey (Spitzname „Dino“) mit seinem Kollegen Professor Wolfgang Stinnesbeck zur Erkundungstour in der Korbacher Spalte an. Beide standen für einen Fernsehbeitrag in der Sendung „Planetopia“ (Sat.1) in der Hansestadt vor der Kamera (wir berichteten).

Stinnesbeck lehrt am Institut für Geowissenschaften der Universität Heidelberg. Den gelernten Zoologen Frey (60) aus Karlsruhe und den Geologen Stinnesbeck (58) verbindet ein vor allem steinreiches Forschungsfeld: die Paläontologie. Im Blick steht die Erforschung Jahrmillionen alter Tierwelten, ob gigantische Dinosaurier oder kleine Vorläufer der Säugetiere.

Ganz besondere Urahnen der Säugetiere sind in der Korbacher Spalte zu finden - zumindest die versteinerten Reste. Die Kluft im Steinbruch Richtung Dorfitter birgt Knochen und Zähne skurriler Tierformen. Dazu zählt der „Hundezähner“ Procynosuchus, der „Korbacher Dackel“, der sonst nur aus dem südlichen Afrika bekannt sind.

Vorteil in Korbach: Die versteinerten Reste lagern in kalkigen Meeresschichten der Permzeit, und diese Meeressedimente sind zeitlich viel besser einzuordnen als die kontinentalen Ablagerungen in Afrika.

Die Funde in Korbach lassen also auch Rückschlüsse auf die gleichen Tiere aus Afrika zu: Sie müssen vor rund 250 Millionen Jahren gelebt haben. Dies beziffert ebenso den Wechsel vom Erdaltertum ins Erdmittelalter (Perm-Trias-Grenze). Außerdem hingen die Landmassen Europas und Afrikas damals auf dem Riesenkontinent Pangäa zusammen.

Der urzeitliche Epochenwechsel ist deshalb besonders spannend, weil damals ein Großteil der Tierwelt ausgestorben ist, sowohl im Meer als auch auf dem Land. Am Ende der Permzeit stieg zugleich die Temperatur auf der Erde rapide an.

Aber warum genau? Darin sind sich die Wissenschaftler uneins. Forscher wie Frey und Stinnesbeck verweisen auf gigantischen Vulkanismus, dessen Basaltablagerungen bis heute in Sibirien erfassbar sind. Andere hegen die gleiche Theorie wie beim Aussterben der Dinosaurier rund 190 Millionen Jahre später in der Kreidezeit: Kometeneinschlag auf der Erde.

In jedem Fall vergifteten offenbar Gase und Asche die Luft, steigerten zugleich den Treibhauseffekt in der Atmosphäre. Das veränderte die Lebensbedingungen dramatisch.

Wie alt genau die in Europa einzigartige Korbacher Spalte ist, unter welchen Bedingungen die Tiere lebten, wie sie sich ernährten - das möchten Stinnesbeck und Frey näher erkunden. Im Visier haben sie ein Projekt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert werden soll.

Stinnesbeck soll sich als Geologe dabei vor allem um den Mikrokosmos im Gestein kümmern: beispielsweise um Isotope, also (meist radioaktive) Abwandlungen chemischer Elemente. Die Struktur in den kleinsten Teilchen ist vielsagend, kann Hinweise auf Umweltbedingungen geben bis hin zur Nahrung.

Frey und Stinnesbeck werden also wieder nach Korbach zur weltweit herausragenden Fundstelle kommen. Kurzfristig haben sie ein anderes Ziel im Auge: fossile Dinosaurier im chilenischen Patagonien.

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