Arbeit mit Holz, Spiele, Grillabende - und die Frage, was einen Mann ausmacht

Grenzen austesten, Fähigkeiten ausbauen: Camp für Jungs am Edersee

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Handarbeit: Lukas (15, links) aus Korbach und Ole (12) aus Burgwald.

Waldeck-Frankenberg. Für Mädchen gibt es jede Menge besondere Angebote, die Jungs werden darüber manches Mal vergessen, findet Andreas Greif vom Fachdienst Jugend des Landkreises. Am Wochenende ging es beim Camp in Harbshausen dagegen ausschließlich um Jungs – und die Frage, was einen Mann ausmacht.

„Das ist schwerer als gedacht“, sagt der zwölfjährige Julian aus Korbach, während er Äste zusammen nagelt und Löcher bohrt. Zusammen mit Adrian, ebenfalls zwölf Jahre alt und aus der Kreisstadt, baut er eine Bank für zwei aus Holz. Beide haben das nie zuvor gemacht und beide sind überrascht, was sie auf die Beine gestellt haben.

Und genau solche Erfahrungen sind es, die die Jungs im Camp am Edersee machen sollen. „Es geht darum, die Erwartungen an sich selbst zu reflektieren und den Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu erkennen“, sagt Jonas Skroblin, der als einer von drei hauptamtlichen Betreuern dabei ist.

Lernen aus Fehlern

33 Jungs aus dem gesamten Landkreis, zwischen zehn und 15 Jahren alt, lernen bei Spielen im Wald, beim Klettern im Niedrigseilgarten und vor allem bei der Arbeit mit Holz, ihre Grenzen auszutesten, sich gegenseitig zu unterstützen, kreativ zu sein. Im Vordergrund steht die Arbeit mit Erle, Birke & Co. In einem Zelt hat Michael Heuberger, Erzieher aus Bayern, historische Geräte aufgebaut, mit denen die Jugendlichen Schwerter, Löffel oder Becher herstellen können. „Ich zeige den Jungen, wie sie die Werkzeuge nutzen, die Ideen sollen sie aber selbst haben“, sagt Heuberger. Vorgaben gibt es nicht. „Die Jungs sollen sich selbst einschätzen.“ Learning by doing lautet die Devise und: aus Fehlern lernen. Das gehöre zum Erwachsenwerden.

Stuhl selbst machen: Michael Heuberger mit Josias (12).

Zwischendurch gibt es immer wieder Gespräche mit den Betreuern, von denen die meisten ehrenamtlich dabei sind. Am Lagerfeuer in der Gruppe, aber auch einzeln, nebenbei in der Werkstatt. „Wie fühlst du dich? Was läuft gut und was nicht? Welche Eigenschaften brauchst du für deine Arbeit?“ Diese Fragen mit einer Frau zu besprechen, ist schwierig. Entsprechend sind am Wochenende nur männliche Betreuer dabei. Sie alle haben einen sozialpädagogischen Hintergrund, arbeiten in den Jugendhäusern im Landkreis oder besuchen das Fröbelseminar.

Und was braucht es nun für die Arbeit mit Holz? „Mehr als Material und Hammer“, sagt Michael Heuberger. Ganz am Anfang haben die Jungs überlegt, was für Eigenschaften wichtig sind. Fantasie, Ausdauer, Geduld, Köpfchen: Viel haben sie zusammengetragen. Damit sie es nicht wieder vergessen, haben sie die Wörter auf Holzplättchen geschrieben und an Woody genagelt, eine lebensgroße Figur.

Dass es mitunter viel Geduld braucht, um ein Schwert zu erschaffen, hat auch Lukas (15) aus Korbach schnell herausgefunden. Immer wieder hat er am Schnitzbock gesessen und neue Exemplare gefertigt. „Je mehr Übung man hat, desto besser wird es“, sagt er. Damit haben die Jungs eines der Ziele des Camps erreicht: „Sie sollen mit besseren Fähigkeiten gehen, als sie gekommen sind“, sagt Andreas Greif.

Stühle, Bänke, Schwerter, Speere, Besteck: Was auch immer die Jungs angefertigt haben, haben sie in einer kleinen Ausstellung ihren Eltern gezeigt. Denn die Arbeit, so Greif, soll auch wertgeschätzt werden.

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