Kreisausschuss soll Konzept erstellen

GroKo fordert: Bauernhof-Besuche für alle Kita-Kinder in Waldeck-Frankenberg

Im Stall: Ein kleines Mädchen gibt einem Schaf etwas zu fressen. Die Große Koalition im Kreistag fordert, dass allen Kindergartenkindern im Landkreis ein Besuch in einem landwirtschaftlichen Betrieb ermöglicht werden soll.
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Im Stall: Ein kleines Mädchen gibt einem Schaf etwas zu fressen. Die Große Koalition im Kreistag fordert, dass allen Kindergartenkindern im Landkreis ein Besuch in einem landwirtschaftlichen Betrieb ermöglicht werden soll.

Allen Kindergartenkindern in Waldeck-Frankenberg soll der Besuch eines landwirtschaftlichen Betriebes ermöglicht werden. Dafür setzen sich die Kreistagsfraktionen von SPD und CDU ein.

In der jüngsten Sitzung des Kreistages wurde ein gemeinsamer Antrag der Großen Koalition mehrheitlich beschlossen. Gegenstimmen gab es von den Freien Wählern und der AfD – Grüne und Linke enthielten sich.

Um die Kinder auf die Bauernhöfe in der Region zu bringen, soll ein Bus bereitgestellt werden. Außerdem sollen die landwirtschaftlichen Betriebe bei der pädagogischen Ausgestaltung des Besuchs unterstützt werden. Der Kreisausschuss ist beauftragt worden, ein entsprechendes Konzept zu entwickeln.

„Landwirtschaft prägt unsere Heimat und trägt maßgeblich zur Wirtschaftskraft und Nachhaltigkeit im Kreis bei. Auch in unserer ländlichen Region stellen wir fest, dass sich unsere Kinder immer mehr von der Landwirtschaft entfernen“, heißt es aus den Fraktionen von SPD und CDU zu dem Projekt, das als „Landwirtschaft meets Nachwuchs“ bezeichnet wird. Ziel soll sein, Kindern die Herstellung regionaler Lebensmittel zu vermitteln sowie die Wertschöpfungskette näherzubringen.

Weil eine Aussprache im Kreistag wegen der Corona-Beschränkungen nicht stattfand, äußerte sich die Opposition schriftlich zu dem beschlossenen Konzept. „Wir wissen, dass viele Kita-Leitungen unbürokratisch Besuche von Bauernhöfen, Handwerksbetrieben oder Einrichtungen aller Art organisieren. Da braucht es kein aufwändiges kreisweites Konzept, das mit viel bürokratischem Aufwand erstellt wird. Unsere Kindergärten brauchen auch keine pädagogische Bevormundung“, betonte Kira Hauser, stellvertretende Vorsitzende der Freien Wähler in Waldeck-Frankenberg. Dr. Peter Koswig (Grüne) fragte: „Wie wird das pädagogische Konzept aussehen? Wenn es um Tiere geht – beispielsweise um Hühner – sollen dann niedliche flauschige Küken gezeigt werden oder die ausgemergelten Hühner kurz vor dem Weg zum Schlachthof?“

„Wir sehen hier eine mögliche Doppelung in der Zukunft, was die Angebote im vorschulischen Lernen angeht“, so Hakola Dippel (AfD). Aus seiner Erfahrung als Vater von drei Kindern wisse er, dass das, was von der Großen Koalition gefordert werde, im Grunde schon längst stattfinde. „Meine Kinder waren mit dem Kindergarten sowohl im Wald, auf einem großen Bauernhof, im Krankenhaus und in der damals noch existierenden Ziegelei.“

„Landwirtschaft früh vermitteln“

Dass alle Kindergartenkinder in Waldeck-Frankenberg während ihrer Kita-Zeit einen landwirtschaftlichen Betrieb besuchen sollten, hält Dr. Harald Schaaf von der SPD-Kreistagsfraktion für wichtig.

„Die Zukunft der Landwirtschaft als Instrument des flächenbezogenen Tier- und Umwelt- und Naturschutzes zu definieren sowie als Grundlage einer mittelbaren Erzeugung von Lebensmitteln zu benennen, macht auch im ländlichen Raum einen langen Atem erforderlich“, betont Dr. Harald Schaaf. Das bedeute, dass sich Kinder im Vorschul- und im Schulalter bereits mit einfachen Fragen der artgerechten Tierhaltung, mit dem Erkennen der Nutzpflanzen und mit Fragen der Artenvielfalt befassen sollten.

„Dies schärft insgesamt die Kenntnis über die Notwendigkeit von Landwirtschaft“, sagt der SPD-Kreistagsabgeordnete. Das sei umso wichtiger, weil selbst Erwachsene der Meinung seien, der Strom komme aus der Steckdose und die Lebensmittel aus dem Supermarkt. Die Notwendigkeit einer funktionierenden Landwirtschaft sei den Kindern außerdem sehr früh zu vermitteln.

Ein Lernziel könnte nach Meinung des Sozialdemokraten beispielsweise unter Berücksichtigung folgender Fragen festgelegt werden: Warum gibt eine Kuh überhaupt Milch? „Hier greift die Geschichte von der Milch und dem Kälbchen. Natürlich müssen die Kälber besucht werden. Hier kann auf folgende Kinderfragen geantwortet werden: wie lange dauert es, bis aus einem Kälbchen eine Kuh wird, was passiert eigentlich mit den Bullenkälbern?“, so Schaaf. Außerdem müsse die Verbindung zu den Lebensmitteln hergestellt werden.

Ein Ausflug in den Pflanzenbau dürfe ebenfalls nicht fehlen. „Hier geht es darum, dass die Kinder erkennen lernen, wie landwirtschaftliche Nutzpflanzen und wichtige Wildpflanzen aus unserer ländlichen Kulturlandschaft aussehen. Die Betriebe könnten sich also dazu bereit erklären, einen Pflanzgarten anzulegen und zu pflegen. Dort werden in Kleinparzellen Getreidearten angebaut, den Kindern gezeigt und erklärt, welche Lebens- und Futtermittel hieraus entstehen“, schlägt Harald Schaaf vor. Auch verschiedene Früchte wie Erbsen, Bohnen, Raps, Rüben oder Mais könnten angebaut und gezeigt werden. Es könnte somit vermittelt werden, welche Lebens- und Futtermittel hieraus entstehen.

„Auch bei uns entfernen sich Bürgerinnen und Bürger immer weiter von der Landwirtschaft. Um dem frühzeitig entgegenzuwirken, müssen wir schon bei den Kleinsten ansetzen“, sagt Katrin Walmanns von der CDU-Kreistagsfraktion. In den Schulen gebe es Programme wie „Bauernhof als Klassenzimmer“. „Für Kindergarten-Kinder gibt es so etwas nicht. Hier kann der Landkreis sowohl die Kindergärten als auch die landwirtschaftlichen Betriebe unterstützen. Die meisten unserer Landwirtinnen und Landwirte informieren zudem gerne über ihre Arbeit und öffnen die Höfe. Dies bedeutet aber natürlich auch Vorbereitung und das Einstellen auf die Zielgruppe“, so Katrin Walmanns.

Auf der anderen Seite sei dies auch eine schöne Aktion für die Kindergärten. „Aber auch hier sind die Erzieherinnen und Erzieher dankbar, wenn sie Unterstützung bei der Planung und Durchführung, beispielsweise auch durch die Bereitstellung von Bussen, bekommen“, sagt die CDU-Kreistagsabgeordnete.

„Konventioneller Betrieb oder Biobauernhof?“

Auf dieses Konzept sind wir wirklich gespannt“, sagt Dr. Peter Koswig (Grüne) mit Blick auf die nun folgende Ausarbeitung des Projektes „Landwirtschaft meets Nachwuchs“ im Kreisausschuss. Das Kreistagsmitglied stellt zudem die Frage, welche landwirtschaftlichen Betriebe von den kleinen Kindern besucht werden sollen?

„Eltern werden dabei berechtigter Weise ein gewisses Gefahrenpotenzial sehen. Beispielsweise durch große Maschinen, hochgiftige Pestizide oder multiresistente Keime“, ist sich Dr. Peter Koswig sicher. Er fragt diesbezüglich: „Trägt der einladende Landwirt die Haftung, der Landkreis oder der Kindergarten?“ Außerdem möchte er wissen, ob Eltern mitentscheiden dürften, ob ihre Kinder einen konventionellen Betrieb oder doch lieber einen Biobauernhof besuchen sollen? 

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