Hans-Heiner Bergmann schreibt für Naturfreunde

Das große Buch der Vogelfedern

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Professor Hans-Heiner Bergmann mit seinem neuen Buch über Vogelfedern und der Feder eines Weißstorches. Foto: Elmar Schulten

Waldeck-Frankenberg - Hans-Heiner Bergmann ist als Vogelkundler bekannt und hat bisher hauptsächlich Bücher zum Verhalten und zu den Stimmen der Vögel verfasst. Er hat aber schon als Schüler damit begonnen, Vogelfedern zu sammeln und hat dieses Steckenpferd bis heute beibehalten.

Bergmann besitzt jetzt eine Sammlung von etwa 200 000 Federn. Aus diesem Reichtum entstand ein neues Buch, das erstmals die wichtigsten Federn von etwa 300 heimischen Vogelarten vorführt, farbig und plastisch auf fotografischen Tafeln dargestellt - beinahe zum Anfassen. Vogelfedern für jedermann, so könnte das Buch auch heißen.

Die meisten Vögel haben einige Tausend Federn, die ihren Körper bedecken. Kleine Vögel haben schon viele, besonders an Kopf und Hals. Bei einem Schwan mit seinem besonders langen Hals kommen aber mehr als zwanzigtausend Federn zusammen. Und keine ist wie die andere. Von jeder Vogelart wurden für dieses Buch einige charakteristische ausgewählt und im Bild dargestellt. Das sind meist vier typische Flügelfedern sowie die innerste und die äußerste Schwanzfeder. Hinzu kommen einige aussagekräftige Deckfedern des Körpergefieders. Die Originalfedern wurden mit einem qualitätvollen Scanner beim Verlag digital erfasst, plastisch und in Farbe.

Wenn ein Sperber einen Vogel erbeutet und gerupft hat, bleibt ein Haufen Federn übrig, den man eine Rupfung nennt. Bei solch einem Fund sind sicher die richtigen Federn dabei, um den gerupften Vogel zu bestimmen. Die Federn kleiner Vögel sind im Maßstab von nahezu 1 : 1 abgebildet, große wie die von Schwänen, Gänsen, Geiern und Kranichen mussten stärker verkleinert werden, damit sie ins Buch passten. Jede Federtafel trägt einen entsprechenden Maßstab. Bei manchen Arten sind Männchen und Weibchen oder auch Junge und Alte so verschieden, dass sie jeweils auf eigenen Tafeln dargestellt werden mussten.

Der Text des Buches liefert weitere Beschreibungen und stellt die Verbindung der einzelnen Federn zum Kleid des ganzen Vogels her. Das ist wichtig: Wer viele Federn gesammelt und bestimmt hat, der weiß noch längst nicht, wo sie am Vogel sitzen und was sie zu seinem Federkleid beitragen.

Das Umgekehrte gilt aber auch: Wer alle Vögel kennt, der ist noch keineswegs in der Lage, seine einzelnen Federn zu erkennen. Federkleid und Feder, das sind einfach zwei verschiedene Aspekte des Vogels.

Im Buch erfährt man auch, wann und wo Vogelfedern zu finden sind und wie man sie behandelt. Eines muss man auch wissen: Gefundene Vogelfedern sind ein Rechtsgut. Man darf sie nicht ohne weiteres in Besitz nehmen, es sei denn, man verfügt über eine Ausnahmegenehmigung der Naturschutzbehörde. Natürlich darf man sie jederzeit anschauen und bestimmen und auch fotografieren. Hans-Heiner Bergmann hat schon als 15-jähriger Schüler in Bad Wildungen unter Anleitung des damaligen Biologielehrers Eduard Schoof damit begonnen, Vogelfedern zu sammeln. Die ersten Funde waren noch ganz einfach in ein altes Schulheft eingeklebt.

Als Student hat er dann systematischer gesammelt, so dass von jedem einzelnen Vogelfund etwa 50 verschiedene Federn auf ein Papierblatt oder einen Karton aufgeklebt wurden. Man muss die Sammlungsblätter geordnet und gegen Motten und andere Schädlinge gesichert aufheben. Heute umfasst die Sammlung Federn von weit über 3000 einzelnen Vögeln, das sind nahezu 200000 Einzelfedern. Die Funde gehen nicht allein auf das Konto des Habichts oder des Sperbers. Viele Vögel sterben auch als Verkehrsopfer auf den Straßen, andere fliegen gegen die für sie unsichtbaren Fensterscheiben oder verhungern oder sterben an Krankheiten oder Gift.

Das Buch hat mehr als 600 Seiten und ist gewiss nicht ein Leichtgewicht für die Benutzung im Gelände. Es ist eher als Handbuch am Schreibtisch gedacht - zu allererst für die Federn, die man im eigenen Garten findet.

Bergmann, H.-H.: Die Federn der Vögel Mitteleuropas. 632 Seiten. Aula-Verlag, Wiebelsheim 2015. Ab sofort im Buchhandel. Preis 49,95 Euro.

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