Gesundheitspolitik Hauptthema beim Besuch in Korbach und Frankenberg

Grüne Abgeordnete auf Hessen-Tournee

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Die Grünen auf Tournee: die gesundheitspolitische Sprecherin und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Kordula Schulz-Asche mit Jürgen Frömmrich (l.) und Daniel May

Waldeck-Frankenberg - Gummibärchen, Kulis aus recyceltem Kunststoff, Papphocker und ein Erdgas-Opel: Alles ist grün am Informationsstand der Umweltpartei. Die Korbacher Fußgängerzone war gestern die sechste Station auf der Hessen-Tournee der Landtagsfraktion.

Leitlinien vorstellen, zuhören und Ideen aufgreifen: Das sind die Ziele der Kampagne abseits der üblichen Wahlkampfpräsenz. 18 „Konzepte für Hessen“ wollen die Grünen bis zum Ende der Legislaturperiode erarbeiten. Gut die Hälfte liegt in gedruckter Form bereits vor.

„Wir wollen Theorie und Praxis unserer Politik mit dem Wähler abgleichen“, beschreibt Jürgen Frömmrich die grundsätzliche Idee der Hessen-Tournee der Grünen. Der Frankenberger Landtagsabgeordnete steht mit seinem Korbacher Parlamentskollegen Daniel May am Berndorfer Tor Rede und Antwort. Gerade im Gesundheitsbereich verschränke sich Landes- und Kommunalpolitik häufig, erklärt May.

Am Korbacher Stand verweist die gesundheitspolitische Sprecherin und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Kordula Schulz-Asche auf das achtseitige Positionspapier „Gesundheit in Hessen“. Darin noch nicht enthalten ist die Position zur jüngsten Idee der Landesregierung: Alle Krankenhäuser in Hessen sollen künftig unter dem Dach einer gemeinsamen Holding operieren. Davon verspreche sich der Sozialminister Einspareffekte. Dahinter stecke aber auch die Absicht, den Einfluss der kommunalen Betreiber zu beschneiden, konstatiert Kordula Schulz-Asche. Dies sei zwar mitunter durchaus vernünftig. Als problematisch stuft sie allerdings ein, dass in einer solchen Holding Krankenhäuser mit ganz verschiedenen Ausstattungs- und Anforderungsprofilen nach gleichen Kostenmaßstäben beurteilt würden.

Dass diese Initiative der Landesregierung viel Diskussionsstoff bietet, zeigte sich bei der Visite im Frankenberger Kreiskrankenhaus, die dem Besuch in der Kreisstadt vorausging. Im Gespräch mit Geschäftsführer Christian Jostes wird schnell klar, dass die Landespolitikerin und der Krankenhausleiter auf einer Wellenlinie liegen. Beide sind zum Beispiel für eine Bürgerversicherung: „Eine tolle Sache“, sagt Jostes. Gemeinsame Ablehnung kristallisiert sich auch gegenüber der Holding-Initiative der Landesregierung heraus: „Das wäre wie eine Enteignung. Wir werden diesen Weg nicht gehen“, sagt Jostes.

Die Krankenhäuser in Korbach und Frankenberg würden schwarze Zahlen schreiben, anders als viele Häuser im Rhein-Main-Gebiet. Das liege schlicht daran, dass es in Südhessen ein Überangebot gebe, die Häuser würden um Patienten und Mitarbeiter konkurrieren, auch über den Preis: „Die Rahmenbedingungen müssen stimmen - wie ich mein Krankenhaus führe, das weiß ich selbst“, sagt Jostes.

Die gute Situation des Frankenberger Kreiskrankenhauses schiebt er auch auf die faktische Monopolstellung in der Region. Doch der Geschäftsführer hat auch einen Wunsch, den er an die stellvertretende Fraktionschefin Kordula Schulz-Asche heranträgt: eine Ge­riatrie. „Der Bedarf ist auf jeden Fall gegeben“, sagt er. Ein Gesetz von 1992, das jedem Landkreis eine entsprechende Station zuspreche, sei nicht zeitgemäß - nicht im Angesicht des demografischen Wandels und nicht im flächengrößten Landkreis Hessens.(tk/gl)

Eine Konkurrenz zur geriatrischen Abteilung am Korbacher Stadtklinikum sieht Christian Jostes nicht: „Die Frankenberger lassen sich ohnehin nicht nach Korbach einweisen“, erklärt er - lediglich 22 Patienten seien es seit Jahresbeginn gewesen. Das Klinikum in Wehrda sei der Favorit. Schulz-Asche notiert fleißig und gibt ein Versprechen: Sie will das Thema auf der Agenda behalten. Ende 2013 ist Landtagswahl.

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