Bundespolitiker besucht Nationalpark Kellerwald-Edersee

Grünen-Fraktionschef Toni Hofreiter spricht in Herzhausen über Massentierhaltung

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Gast aus Berlin: Der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag Anton Hofreiter (links) war mit dem Nationalpark-Leiter Manfred Bauer im Nationalpark Kellerwald unterwegs und ließ sich das Nationalparkzentrum in Herzhausen zeigen, bevor er beim Frühjahrsempfang der Grünen Waldeck-Frankenberg sprach.

Vöhl – Massentierhaltung war das Thema, das Anton Hofreiter, Vorsitzender der Bundestagsfraktion, beim Frühjahrsempfang der Waldeck-Frankenberger Grünen in den Fokus rückte.

Im gut besuchten Nationalparkzentrum begrüßte Caroline Tönges, Vorsitzende der Grünen im Landkreis, den Bundespolitiker. Dieser kritisierte die industrielle Landwirtschaft, die seiner Ansicht nach direkt die Klimakrise und das drohende Artensterben beeinflusst.

Probleme seien mangelnder Tierschutz, ein zu hoher Nitratanteil im Grundwasser aufgrund von Gülle und Kunstdünger sowie Antibiotika. Außerdem importiere die deutsche Fleischindustrie große Mengen Futter zum Beispiel aus Südamerika, wo Regenwälder dafür zerstört und Menschen teils gewaltsam umgesiedelt würden.

Die Grünen fordern Veränderungen: Erstens müssten die Bürger genauer über die Herkunft von Essen informiert werden. Dazu zähle eine „klare, saubere Kennzeichnung“ aller tierischen Produkte. Hofreiter bezeichnete die Kennzeichnung von Eiern anhand von vier Ziffern, die Aufschluss über die Art der Tierhaltung gebe, für vorbildlich. Je präziser, desto eher seien Verbraucher bereit, mehr Geld für hochwertige Produkte auszugeben.

Zweitens fordert Hofreiter, dass EU-Subventionen anders verteilt werden. Bislang richte sich die Höhe der Fördergelder nach der Größe des landwirtschaftlichen Betriebes. Stattdessen sollte berücksichtigt werden, ob sich der Landwirt etwa für Arten- und Tierschutz einsetzt.

Tiere artgerecht halten

Als weitere Stellschraube sieht Anton Hofreiter die Gesetzeslage an. Er vermisst eine Verordnung zur Putenhaltung. Außerdem müsse verboten werden, gentechnisch verändertes Soja zu importieren. Zudem müsse das Kartellrecht Ausnahmen erlauben, um Bauern mehr Einfluss auf die Preise zu geben, so dass die Macht nicht alleine bei wenigen großen Einzelhandelsketten liege. Daneben müssten die technischen Vorschriften für das Lebensmittelhandwerk angepasst werden, damit kleinere Betriebe nicht benachteiligt seien. Des Weiteren sprach der Fraktionschef von „Ausbeutung der Arbeitskräfte in der Fleischindustrie“. Große Mastbetriebe und Schlachthöfe arbeiteten mit Subunternehmern, die ihre Mitarbeiter zu schlecht bezahlten. Die Grünen wollen, dass das Personal beim Zoll aufgestockt wird, „um Schwarzarbeit besser zu kontrollieren“.

Damit all solche Regeln wirken und nicht zum Beispiel über Produkte aus dem Ausland, die aus schlechterer Tierhaltung stammen, umgangen werden, müsse es strenge Mindeststandards bei Handelsverträgen geben.

Eine Bäuerin aus dem Waldecker Land äußerte sich anschließend über „zu viele Gesetze und Verordnungen“, die konventionelle Landwirte kaum erfüllen könnten. Sie fühle sich von den Grünen im Stich gelassen. Hofreiter dagegen gab die Schuld an übermäßiger Bürokratie den anderen, in Berlin und Brüssel regierenden Parteien.

Besuch des Nationalparks Kellerwald-Edersee

"Wir Menschen sind in der Lange, unsere Lebensgrundlagen zu erhalten“, sagte Anton Hofreiter beim Besuch des Nationalparks Kellerwald-Edersee. Hier werde deutlich, dass man „mit klugen Projekten dem Artensterben entgegenwirken“ könne. Neben dem vordringlichen Schutz der Agrarflächen sind ihm die Naturschutzgebiete eine Herzensangelegenheit. „Nur in den Nationalparks gibt es echte, wilde Natur.“ Im Kellerwald seien ihm die Urwaldreste besonders positiv aufgefallen. Denn diese zeugten davon, dass der Buchenwald hier seit mehreren Jahrtausenden bestehen. 

„Hier wird klasse Arbeit geleistet“, sagte der Grünen-Fraktionschef, der in dieser Woche mehrere Nationalparks in Deutschland besucht. Er war angetan von der Auswahl und der Beschilderung der Wege, dem barrierefreien Zugang zum Hagenstein, der „Begeisterung der Mitarbeiter“ und dem Zustand des Waldes. „Hier zeigt sich, dass in kurzer Zeit eine sensationelle Verjüngung stattfinden kann“, erklärte der studierte Biologe. 

Er befürworte grundsätzlich die geplante Erweiterung des Nationalparks Kellerwald-Edersee. „Die Details müssen aber die Menschen vor Ort klären.“ In ganz Deutschland, auch in seinem Heimatbundesland Bayern, gebe es noch einige Standorte, die aus seiner Sicht als Nationalparks infrage kämen. Hofreiter fordert mehr finanzielle Unterstützung vom Bund für Schutzgebiete

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