Gutes Kinderspielzeug: Darauf kommt es an 

Der Fantasie beim Spielen einfach freien Lauf lassen 

Spielanleitung? Brauchen Kinder nicht, wenn sie die Möglichkeit haben, auszuprobieren und Kreativität zu entwickeln. (Fotos: pr/greenstories - grimms)

Wenn Digitales und Elektronisches die kindliche Welt des Spielens dominieren, bleiben elementare Fähigkeiten auf der Strecke. Wortschatz und Sprachkompetenz gehören dazu, aber auch vieles andere.

Kinder werden heute in eine digitale Welt geboren und lernen über Displays zu wischen, noch bevor sie ganze Sätze sprechen. Und manche Knirpse wundern sich, wenn das Wischen bei Bilderbüchern nicht funktioniert. 

Gemeinsames Spiel mit ungeteilter Aufmerksamkeit ist daher nicht nur von elementarer, sondern auch von zunehmender Wichtigkeit. Denn dabei entwickeln sich neben Sprache und Motorik auch Fantasie, Kreativität und vieles mehr.

„Dabei kann auch mal ein Tablet im Spiel sein, auf dem man sich gezielt und gemeinsam etwas ansieht“, sagt Brigitte Müller, Leiterin der pädagogischen Frühförderung des Lebenshilfewerks Waldeck-Frankenberg. „Wenn auf Knopfdruck Musik ertönt, sollten wir das nicht verteufeln. In Maßen kann es sinnvoll sein.“ Aber: „Kinder brauchen nicht von allem alles“, betont die Expertin.

Zuviel kann überfordern

Spielen sei harte Arbeit, denn Kleinkinder entwickeln dabei Vorstellungskraft, lernen Begrifflichkeiten zu erkennen und entdecken Räumlichkeiten. Sie entwickeln Lösungen und kleine Handlungsschritte – zunächst nur auf sich selbst bezogen, mit zunehmendem Alter auch in Interaktion mit anderen. Dabei erwerben sie auch soziale Kompetenz und lernen, Konflikte auszutragen.

Eltern fördern diese Entwicklung nicht mit immer neuen Anreizen und tagesfüllendem Programm, sondern zuallererst mit ungeteilter Aufmerksamkeit und einem ausgewogenen Angebot. „Zuviel Spielzeug kann auch überfordern“, sagt Brigitte Müller. Zeit zum Experimentieren und für viele Wiederholungen nennt sie als wichtigen Faktor.

Denver Mielke ist Vater eines Sohnes und eröffnete vor anderthalb Jahren mit seiner Frau Inna das Geschäft „Greenstories“ in Korbach. Der Verkauf von Spielzeug fußt hier auf klaren Überzeugungen. „Kreativität entwickelt sich erst“, sagt Denver Mielke. Und: „Grundsätzlich kaufen wir immer zuviel.“

Ein Ninja-Schwert bleibt ein Ninja-Schwert

Kreativität wächst nicht in einer vorgefertigten Welt, wo eine Feuerwehr immer eine Feuerwehr ist. „Ein Ninja-Schwert ist heute ein Ninja-Schwert und wird es morgen auch noch sein. Ein simpler Holzstock kann heute ein Laserschwert, morgen ein Zollstock und übermorgen ein Zauberstab sein.“

Eine Puppe zum Beispiel werde dann zum besten Freund, wenn sie gute wie schlechte Stimmung spiegeln kann. Kinder, die traurig sind, wünschten sich eher kein strahlendes Lächeln. Darum seien Puppen, deren Gesichter nur angedeutet sind, die besten Wegbegleiter. Sie sollten nicht viel „können“, sondern der Fantasie Raum geben. Das werde umso schwerer, je mehr festgelegt ist.

Altersgerecht – alles hat seine Zeit

„Wir Erwachsenen machen die Türen auf für Kreativität und Fantasie“, sagt Denver Mielke. „Wenn Kinder zuerst ein ferngesteuertes Auto bekommen, werden sie ein Holzauto nicht mehr attraktiv finden.“ Wobei beides durchaus seine Berechtigung habe – jeweils zur richtigen Zeit.

Er plädiert für einige wenige „Herzensgeschenke“, für altersgerechtes und reduziertes Kaufen und Schenken. Dafür eigne sich besonders variables Spielzeug, das mit neuen Entwicklungsschritten immer neue Entdeckungen zulässt – wie zum Beispiel „Grimms Bogen“.

Grimms Bogen aus Holz ist ein Klassiker, von Generationen heißt geliebt.

Auch Langeweile zulassen

„Kreativ sein heißt, sich Zeit nehmen, um auf Ideen zu kommen.“ Dafür brauche es auch Langeweile, was für Denver Mielke so viel bedeutet wie eine lange Weile Zeit haben. „Wo gibt es das noch, dass ein Kind nichts macht?“, fragt er. „Wir Eltern werden immer mehr zu Entertainern und setzen uns unter Druck, statt Langeweile zuzulassen und ihr Raum zu geben.“

Darum spricht er sich auch dagegen aus, Spielzeug zu mieten. Weil Kinder sich dann nicht dauerhaft mit etwas auseinandersetzen, sondern Neues fordern, sobald etwas den ersten Reiz verloren hat.

Als die drei wichtigsten Merkmale für gutes Spielzeug aus seiner Sicht nennt er: „Schadstofffreiheit, dass es so wenig wie möglich vorgibt und dass es altersgerecht ist.“

Ein Klassiker: Grimms Bogen

Ein klassisches Beispiel ist – einfaches, abstraktes Design, viel Spielraum für Fantasie, keine alters- und geschlechtsspezifische Vorgaben. Die Kleinsten sortieren oder legen aneinander, während die Älteren auf anspruchsvolle Weise stapeln, Kugelbahnen bauen, Figuren legen und Fantasiewelten entstehen lassen. Dann wird der Holzbogen mal zur Brücke, mal zur Wippe, zum Himmelbett oder zur Höhle. Das fördert die verschiedensten Fähigkeiten – von denen einige heute nicht mehr selbstverständlich sind. So zeigt die Erfahrung, dass Kinder, die nicht mit einfachen Holzbauklötzen spielen, später nicht in der Lage sind, mehr als sechs Klötze aufeinander zu stapeln.

In Waldkindergärten, in denen ausschließlich die Natur das „Spielzeug“ der Kinder liefert, lässt sich übrigens eines besonders gut beobachten: wie wichtig und ausgeprägt das Miteinander-Sprechen, das Kommunizieren wird, wenn so gut wie nichts vorgegeben ist.

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