Gemeinsame Geschäftsführung für Frankenberg und Korbach · Keine Fusion

Handschlag für die Kliniken

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Mehr Chancen als Risiken: (v.l.) Korbachs Bürgermeister Klaus Friedrich, Landrat Dr. Reinhard Kubat und der Interimsgeschäftsführer des Stadtkrankenhauses, Wolfgang Kluß, reichen sich die Hände für eine künftig enge Kooperation der Kliniken in Frankenberg und Korbach.

Waldeck-Frankenberg - Korbachs Bürgermeister Klaus Friedrich und Landrat Dr. Reinhard Kubat reichten sich gestern die Hände: Stadtkrankenhaus und Kreisklinik sollen künftig unter gemeinsamer Geschäftsführung enger zusammenarbeiten.

In den nächsten Wochen sollen die Verträge dazu ausgearbeitet werden. Überdies fehlt noch die Zustimmung aus Winterberg. Denn der designierte Geschäftsführer beider Kliniken im Landkreis, Christian Jostes, ist in erster Linie auch Geschäftsführer des kirchlichen St.-Franziskus-Hospitals im westfälischen Winterberg.

Gynäkologen würden den geplanten Schulterschluss der beiden kommunalen Krankenhäuser in Waldeck-Frankenberg als wahrlich schwierige Geburt bezeichnen. Schon vor 13 Jahren legte nämlich der Münsteraner Professor Winfried von Eiff ein Gutachten vor, das eindeutige Empfehlungen enthielt: Die kommunalen Krankenhäuser im Landkreis sollten sich zusammenschließen - am besten gleich mit einer Fusion. Damals gab es noch drei kommunale Häuser, doch das Krankenhaus in Bad Arolsen fand angesichts schwelender Debatten alsbald eine Obhut unterm Dach der Kasseler Kliniken.

Chefsessel in Korbach

Eine neue Chance bot sich im Frühjahr 2013, nachdem sich das Korbacher Stadtkrankenhaus von seinem damaligen Geschäftsführer getrennt hatte. Seither liefen neue Gespräche zwischen Bürgermeister Klaus Friedrich und Landrat Dr. Reinhard Kubat. Aber vorerst weiterhin ohne Ergebnis.

In Korbach wuchs der Handlungsdruck, denn die Stelle des Klinikgeschäftsführers ist bis heute nicht neu besetzt. Seit März 2013 führt der längst pensionierte frühere Betriebsleiter Wolfgang Kluß wieder Regie.

Beim Landkreis wiederum wuchs der Druck, als Ende 2013 offenbar wurde, dass die Frankenberger Klinik abermals unter akuter Finanznot leidet. So genehmigte der Kreistag vorm Weihnachtsfest eine öffentliche Finanzspritze von 1,5 Millionen Euro. Das war nicht der erste Zuschuss aus Steuergeldern der Kreiskasse - in die ja auch die Bürger der Hansestadt Korbach kräftig einzahlen.

Finanznot beim Landkreis

Nach etlichen Gesprächen und vielen Bedenken im Aufsichtsrat der Kreisklinik kam am Montag der Durchbruch: Mit fünf Ja-Stimmen und einer Ablehnung votierte der Aufsichtsrat nach WLZ-FZ-Informationen für eine gemeinsame Geschäftsführung. Rund vier Stunden dauerte die Sitzung im Aufsichtsrat der Kreisklinik, die folgende Zustimmung im Korbacher Aufsichtsrat am Montagabend dauerte nur rund eine halbe Stunde.

Am Dienstag legten Friedrich und Kubat in einem Pressegespräch die Gründe dar: „Wir leben nicht auf einer Insel. Kleinere Krankenhäuser werden auf Dauer allein nicht überleben“, verwies Friedrich auf wachsenden Druck: „Gemeinsam sind wir stärker.“

Steigender Kostendruck, höhere Anforderungen an Qualitätsmanagement und Fallzahlen bei Behandlungen, nannte Friedrich. Die engere Zusammenarbeit der drei Kliniken solle Einschnitte bei der medizinischen Versorgung der Menschen im Landkreis somit verhindern. Mehr noch: „Wir möchten sogar ein Mehr an Leistungen erreichen.“ Da waren sich Friedrich und Kubat völlig einig.

Beispiele für eine Kooperation der drei Häuser gibt es bereits: Korbach und Winterberg arbeiten beim Herzkathedermessplatz in Korbach zusammen, das Stadtkrankenhaus wiederum lässt das Operationsbesteck in der Frankenberger Kreisklinik sterilisieren.

Geriatrie für Frankenberg

Durch die gemeinsame Geschäftsführung bieten sich weitere Vorteile - etwa beim Einkauf von Medikamenten und Geräten. Für Frankenberg aber bieten sich ganz konkret neue Chancen in einer geriatrischen Abteilung (Altersheilkunde). Die gibt es auf Genehmigung des Landes bislang nur in Korbach, wie Wolfgang Kluß am Dienstag ausführte. Als Außenstelle will Wiesbaden aber auch in Frankenberg einer Geriatrie zustimmen - die der Kreisklinik wichtige Einnahmen bescheren soll. Voraussetzung dafür ist aber der Schritt zu einer engen Kooperation der beiden Kliniken.

Wie Friedrich unterstreicht Landrat Kubat derweil ausdrücklich: Es gehe um eine gemeinsame Geschäftsführung und Zusammenarbeit. „Es handelt sich aber nicht um eine Fusion“ der beiden Krankenhäuser. Sie seien weiter eigenständig, betont Kubat. Diese Botschaft soll für Vertrauen bei Ärzten und Pflegedienst sorgen.

Überdies strebt die Kreisklinik eine engere Partnerschaft mit der Vitos-Gruppe (Psychiatrie) unterm Dach des Landeswohlfahrtsverbandes an, wie Kubat deutlich machte. Zumal Vitos in direkter Nachbarschaft der Kreisklinik millionenschwer investieren will.

Auch für die Kooperation mit Vitos gebe es ausdrückliche Zustimmung aus dem hessischen Sozialministerium, erklärte Kubat. Anteilskäufe von Vitos an der kreiseigenen Klinik-GmbH seien aber vorerst nicht vorgesehen.

Geplant ist jedoch ein „Geschäftsbesorgungsvertrag“ für Vitos - somit auch Einfluss auf die Geschäftsführung in Frankenberg. Die Stadt Korbach wiederum will für den verdienten Wolfgang Kluß alsbald einen Betriebsleiter einsetzen. Der soll unter Regie des neuen Dreifach-Geschäftsführers Christian Jostes künftig das Tagesgeschäft der Korbacher Klinik lenken.

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