Waldeck-Frankenberg

Handwerk wirbt um Nachwuchs

- Waldeck-Frankenberg. Das Handwerk im Kreis will wieder so viele Ausbildungsplätze wie im Vorjahr bereitstellen. Doch die Kapf um die jungen Leute wird härter – die Konkurrenz schläft nicht.

Das Handwerk mit seinen knapp 2000 Betrieben, 11  000 Beschäftigten und 1150 Lehrlingen ist im Kreis ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, auch in Krisenzeiten standen die Meister zu ihrer gesellschaftlichen Verantwortung, jungen Leuten eine berufliche Zukunft mit Aufstiegsperspektiven zu bieten. Im vorigen Jahr seien etwa 30 Prozent der Ausbildungsverträge in Waldeck-Frankenberg im Handwerk abgeschlossen worden, berichtet der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Gerhard Brühl. Das seien so viele wie bei den gewerblich-technischen Berufen der Industrie. Doch die Betriebe hätten es immer schwerer, geeigneten Nachwuchs zu finden, erklärt Brühl. Der Ausbildungsmarkt habe sich verschoben, bereits im vorigen Jahr habe es im Handwerk mehr offene Lehrstellen als qualifizierte Bewerber gegeben, nicht alle Plätze seien auch besetzt worden. „Das ist eine neue Erfahrung.“

Insgesamt hätten rund 400 Jugendliche im vorigen Herbst ihre Lehre begonnen, das seien etwa 30 weniger als im Jahr zuvor, informiert Silke Nagel von der Kreishandwerkerschaft.Das Ziel von 400 Lehrverträgen peile das Handwerk auch für diesen Herbst an, berichtet Nagel – und es werde schwer, diese Zielmarke zu erreichen. Drei Gründe macht Brühl für die nachlassende Nachfrage bei Jugendlichen aus:

Der Bevölkerungswandel­ ist auch im Kreis bereits zu spüren. Und dieser Trend werde sich verschärfen, berichtet Brühl. Forscher rechneten bei den Schulabgängern mit rückläufigen Zahlen: Im Kreis solle es bis 2020 etwa 25 Prozent weniger Absolventen geben, hessenweit gar 40 Prozent.

Das Handwerk stehe weiterhin in Konkurrenz zur Industrie, die nicht unbedingt besser bezahlt, aber oftmals ein besseres Ansehen hat.

Auch die weiterführenden Schulen ziehen letztlich Jugendliche vom Ausbildungsmarkt ab, die sich von einem höheren Abschluss bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt versprechen – und mit Abitur oder Fachabi in der Tasche studieren sie lieber als eine Lehre anzutreten. Das heißt: „Der Kampf um die klugen Köpfe hat längst begonnen“, beschreibt Nagel.

Gefällt ein Beruf? Wie ist der Alltag im Betrieb? Bester Weg, um das herauszufinden, sind für Schüler die Praktika, die auch den persönlichen Kontakt zum Meister bringen. In rund 80 Prozent hätten Lehrlinge vor dem Antritt ihrer Lehrstelle ein Praktikum im Betrieb absolviert, betont Brühl. Vorteil: Die Ausbilder achten nicht unbedingt auf die Schulnoten, Chancen haben daher auch Jugendliche mit eher praktischen Fähigkeiten. Und: „Ausbildung im Handwerk ist keine Einbahnstraße“, hebt Brühl hervor. Auch mit dem Meisterbrief „ist nicht Schluss – da geht’s für manche erst los.“ Und auch Meistern steht das Studium offen. Die Kreishandwerkerschaft hat in Korbach einen „Beraterpool“ zum Thema Ausbildung eingerichtet, der unter Telefon 05631/9535-190 erreichbar ist. Weitere Infos gibt es unter www.khkb.de im Internet.(-sg-)

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