Gerät in Wohnung alarmiert die Leitstelle

Immer mehr Senioren in Waldeck-Frankenberg haben einen Hausnotruf

+
Die Basisstation mit Notfalltaste und Tagestaste (links) und einen Handsender zeigt hier Thomas Drössler, der beim DRK-Kreisverband in Frankenberg für den Hausnotruf zuständig ist.

Waldeck-Frankenberg. In Waldeck-Frankenberg nutzen immer mehr Menschen, vor allem alleinstehende Senioren, ein Hausnotruf-System, um bei einem Notfall in der eigenen Wohnung schnell Hilfe zu bekommen.

Zum Jahresende 2018 waren bei der Rettungsleitstelle des Landkreises in Korbach, wo die Hausnotrufe eingehen, 770 Anschlüsse dafür registriert. 2017 waren es 729, 2016 erst 663. Anbieter sind laut Landkreis die DRK-Kreisverbände Frankenberg, Bad Wildungen und Korbach/Bad Arolsen sowie der ALBE-Pflegedienst.

Im vergangenen Jahr sind bei der Leitstelle in Korbach 4087 Hausnotrufe eingegangen – das waren 16 Prozent aller Notrufe im Landkreis. „In nur zwei Prozent der Hausnotrufe muss auch der Rettungsdienst alarmiert werden“, teilte der Landkreis mit. Heißt: Wenn der Patient in Not ist und Nachbarn oder Angehörige nicht helfen können oder nicht erreichbar sind, wird ein Rettungswagen zu der Adresse geschickt.

Eine Zehn-Minuten-Hilfsfrist wie bei üblichen Notrufen über die 112 gilt bei Hausnotrufen aber nicht. „Diese Frist können wir mit fremden Bezugspersonen auch gar nicht einhalten“, sagt Thomas Drössler vom DRK in Frankenberg.

Wenn der Rettungsdienst vor Ort die Tür eines Hauses oder einer Wohnung aufbrechen muss, weil drinnen ein Hilfsbedürftiger vermutet wird, dann ruft die Leitstelle immer auch die Polizei hinzu. „Ist Gefahr im Verzug, zum Beispiel wenn es in der Wohnung brennt oder wenn die Person erkennbar verletzt ist, wird die Tür allerdings auch schon mal geöffnet, ohne auf die Polizei zu warten“, sagt der Landkreis.

Auch Ursula Halla in Frankenberg nutzt einen Hausnotruf, seit sie 2015 einen Schlaganfall hatte. „Ich habe sechs Stunden in der Wohnung gelegen, bis man mich gefunden hat“, erzählt die 86-jährige. „Danach hat meine Tochter gesagt: Du kriegst jetzt auch so ein Ding.“ 

So ein „Ding“ steht jetzt in ihrem Flur auf dem Schränkchen: eine Hausnotruf-Anlage. „Die muss ich morgens und abends drücken. Ich hab mir überall Zettel hingehängt, damit ich es nicht vergesse“, sagt Ursula Halla. Denn wenn sie nicht regelmäßig die Tagestaste aktiviert, geht die Leitstelle des Rettungsdienstes in Korbach, bei der sie mit ihrem Hausnotruf mit Namen, Adresse und Telefonnummer registriert ist, davon aus, dass ihr etwas zugestoßen ist. „Das Rote Kreuz war schon zwei Mal bei mir und ich war putzmunter – ich hatte vergessen, die Taste zu drücken“, erzählt Ursula Halla. Sie ist froh, dass sie noch keinen echten Notfall hatte, seitdem sie den Hausnotruf hat. 

Im Flur ihrer Wohnung in Frankenberg zeigt Ursula Halla die Station ihres Hausnotrufs und den Handsender, den sie am Handgelenk tragen kann.

Ursula Halla lebt allein, ihr Mann ist vor 15 Jahren gestorben. Als ihre Tochter darauf bestand, dass sie den Hausnotruf bekommt, habe sie erst geschimpft, erzählt sie. „Das ist ganz typisch“, sagt Thomas Drössler, der sich beim DRK-Kreisverband Frankenberg um die Kunden mit Hausnotruf kümmert „Ganz oft wollen die Kinder ein Stück zusätzliche Sicherheit für ihre Eltern. Die Senioren wollen das meist gar nicht, haben aber Verständnis, sobald sie selbst in einer Notlage waren.“ 

Auch Ursula Halla hat sich an das Gerät gewöhnt, der Handsender, der etwa die Reichweite eines schnurlosen Telefons hat, liegt nachts selbstverständlich neben ihrem Bett. Und auch viele ihrer Freundinnen hätten mittlerweile einen Hausnotruf. „Das ist in den letzten Jahren wesentlich mehr geworden“, sagt sie. 

Allein der DRK-Kreisverband Frankenberg hat aktuell 336 Kunden mit Hausnotruf, im vergangenen Jahr habe er 71 neue Geräte installiert, sagt Thomas Drössler. Der älteste Teilnehmer ist 98, der jüngste 50. „Die meisten sind alleinstehend.“ 

Als Bezugspersonen, die im Notfall angerufen werden, wenn jemand nach einem Hausnotruf nicht von der Leitstelle erreicht wird, hat Ursula Halla ihre Tochter in Frankenberg angegeben und die Nachbarin, die im Mietshaus über ihr wohnt. „Wir achten darauf, dass bei den Bezugspersonen die Nähe gegeben ist, nicht die Beziehung. Es nützt ja nichts, wenn die Kinder 60 Kilometer weit weg wohnen“, sagt Drössler. 

„Meine Nachbarin hat einen Schlüssel für meine Wohnung“, sagt Ursula Halla. „Und die, die schon lange hier wohnen, achten aufeinander. Die merken, wenn meine Jalousie morgens nicht oben ist. Ich bin schon sicher hier.“

So funktioniert der Hausnotruf

Thomas Drössler vom DRK in Frankenberg erklärt, wie der Hausnotruf funktioniert: 

In einem Notfall löst der Patient über das Standgerät, das an die Telefondose angeschlossen ist, oder über einen Handsender den Notruf aus. Das Gerät wählt die Leitstelle an, die über das Gerät den Sprachkontakt mit dem Opfer sucht. Wird niemand erreicht, ruft die Leitstelle in der Wohnung an. Meldet sich auch dort niemand, werden die Bezugspersonen angerufen, die der Kunde bei der Registrierung angegeben hat – in der Regel Nachbarn oder Angehörige. „Je mehr, umso sicherer die Rettungskette“, sagt Drössler. Sind auch sie nicht erreichbar, wird der Rettungsdienst rausgeschickt. 

Eine weitere Funktion des Gerätes ist die Tagestaste. Diese muss vom Teilnehmer zwei Mal täglich gedrückt werden. Wird das vergessen, geht nach 24 Stunden ein „Passivalarm“ an die Leitstelle, die dann wie oben beschrieben aktiv wird.

Wie wird der Hausnotruf finanziert? 

„Pauschale oder Pro-Fall-Kosten entstehen dem Nutzer des Hausnotrufs durch seinen Telefonanschluss“, teilte Kreis-Sprecherin Petra Frömel mit. „Rückrufe durch die Leitstelle werden dem Anbieter des Hausnotrufs nicht separat in Rechnung gestellt, sondern sind durch den Vertrag zwischen Anbieter und Nutzer gedeckt.“ Wie viel die Kunden für die Inanspruchnahme des Hausnotrufs bezahlen, ist jeweils durch die Verträge mit dem Anbieter – also zum Beispiel dem DRK – geregelt. 

Beim DRK-Kreisverband in Frankenberg zahlt der Kunde 23 Euro im Monat für den Hausnotruf, sagt Thomas Drössler, der dort für die Hausnotrufe zuständig ist. „Wenn man einen Pflegegrad hat, übernimmt das die Pflegekasse.“ Der Kreisverband zahle an die Leitstelle pro Gerät im Monat 4 Euro „Leitstellengebühr“. 

Das DRK in Frankenberg informiert Neukunden in einem Beratungsgespräch über die Details und erklärt, wie der Hausnotruf funktioniert. Drössler und sein Kollege stellen die Geräte in der Wohnung auf, weisen die Kunden in die Technik und den Ablauf ein und zeigen einen Probealarm. Auch den Antrag für die Pflegekasse machen sie fertig. Und sie kommen vorbei, um die Geräte zu warten: „Wegen der Digitalisierung bei der Telekom mussten wir kürzlich 200 Geräte umprogrammieren“, erzählt Drössler. Und ganz wichtig sei, dass die angegebenen Bezugspersonen, die im Notfall angerufen werden, dem DRK mitteilen, wenn sie eine neue Handy- oder Telefonnummer haben. 

Wird ein Patient schließlich vom Rettungsdienst transportiert, zahlen in der Regel die Krankenkassen, teilt der Landkreis mit. Fehleinsätze werden nicht abgerechnet. Auch Feuerwehreinsätze seien kostenfrei, wenn es sich um die Rettung von Menschenleben handelt. „Das ist in der Regel dann der Fall, wenn ein Bedarf zur Türöffnung durch die Feuerwehr besteht“, sagt Petra Frömel. „Einsätze ohne den Hintergrund der Lebensrettung können die Gemeinden dem Hilfeersuchenden in Rechnung stellen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare