Versorgung funktioniert "gerade noch so"

Hebammen in Waldeck-Frankenberg: Engpass in der Urlaubszeit, Nachsorge problematisch

Neuer Erdenbürger: Im Landkreis kommen jedes Jahr rund 1200 Babys zur Welt. Doch an Hebammen mangelt es vor allem in der Urlaubszeit.

Waldeck-Frankenberg. Laut Landkreis gibt es keine Betreuungslücke in Waldeck-Frankenberg, doch das sehen die Hebammen anders.

Nur rund 50 Prozent der schwangeren Frauen in Hessen finden eine Hebamme, sagte Dr. Daniela Sommer (SPD) am Montag in der Sitzung des Kreistags. In Waldeck-Frankenberg sei die Situation noch recht gut, der Landkreis müsse die Rahmenbedingungen entsprechend erhalten.

Doch wie die Situation im Kreis tatsächlich ist, darüber gibt es unterschiedliche Aussagen. Laut Landkreis gebe es keine Betreuungsdefizite in den Kreißsälen, auch würden alle Frauen eine Hebamme finden, eine Versorgungslücke gebe es nicht. Darauf stützte auch Sommer ihre Aussagen. 

Allerdings: Laut Marie-Luise Runde, Kreissprecherin der Hebammen in Waldeck-Frankenberg, funktioniere die Betreuung durch Hebammen im Landkreis „gerade noch so“. Und: „In den Urlaubszeiten geht es überhaupt nicht mehr.“ Gerade in Volkmarsen und Frankenberg müssten immer wieder Frauen ohne Nachsorge nach Hause geschickt werden, dort würden dringend Geburtshelferinnen gebraucht.

48 Hebammen in Waldeck-Frankenberg

Die Kreis-Koalition aus SPD und CDU hatte zuvor eine Große Anfrage zur Hebammenversorgung formuliert. Demnach gibt es im Kreis derzeit 48 Hebammen, davon 35 im Nord- und 13 im Südkreis. Allerdings: Während sich Hebammen beim Gesundheitsamt zwar anmelden müssen, erfolge häufig keine Abmeldung, wenn die Tätigkeit aufgegeben wird. 

Insgesamt sechs Kreißsäle und 43 Plätze

In Frankenberg gibt es drei Kreißsäle und 16 Plätze auf der Entbindungsstation, in Korbach zwei Kreißsäle und 18 Plätze sowie in Volkmarsen einen Kreißsaal und neun Betten. Die Plätze, so teilte die Kreisverwaltung mit, reichten nach Auskunft der Krankenhäuser „zum jetzigen Zeitpunkt“ aus.

Einstimmig verabschiedete der Kreistag eine Resolution, dass Land und Bund die Hebammenversorgung auf hohem Niveau auch künftig flächendeckend sicherstellen sollen.

Zahl der Geburten in Waldeck-Frankenberg leicht gesunken

Die Zahl der Geburten im Landkreis Waldeck-Frankenberg ist in den vergangenen Jahren leicht zurückgegangen. 2017 wurden 1190 Kinder gezählt, 2016 waren es noch 1386 und 2015 insgesamt 1251. Im Kreiskrankenhaus in Frankenberg kommen jährlich mehr als 400 Kinder zur Welt, im Krankenhaus in Volkmarsen sind es fast 400. In Korbach seien es gut 370 Mädchen und Jungen – mit steigender Tendenz, so die Auskunft der Kreisverwaltung.

Die Versorgung mit Hebammen ist derzeit auch Thema im hessischen Sozialministerium in Wiesbaden. Weil es aber keine verlässliche Datenbasis gibt, wurde jetzt vom Ministerium in Abstimmung mit dem Hebammenverband ein Gutachten in Auftrag gegeben, das einen Überblick über die aktuelle Situation verschaffen soll. Die Ergebnisse sollen Anfang 2019 vorliegen.

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