Hessischer Bauernverband tagt in Frankenberg

Heinrich Heidel bleibt Vize-Präsident

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Der Präsident des Hessischen Bauernverbands, Friedhelm Schneider, mit Willi Kampmann, Leiter des Brüsseler Büros des Deutschen Bauernverbands, und den Vizepräsidenten Heinrich Heidel und Armin Müller (von rechts).Foto: Mark Adel

Frankenberg - Der Vizepräsident des Bauernverbands, Heinrich Heidel aus Vöhl, ist von den Vertretern des Hessischen Bauernverbands für weitere drei Jahre im Amt bestätigt worden. 152 Delegierte und 30 Gäste anderer Verbände tagten am Mittwoch in der Ederberglandhalle.

Für Heinrich Heidel kommt der Landwirtschaft eine Schlüsselrolle in Europa zu. „Die EU gäbe es nicht ohne Agrarpolitik“, ist er überzeugt. Umgekehrt müssen die Bauern mit Anordnungen und Gesetzen aus Brüssel leben. Für sie sind wesentliche Inhalte in der Ausgestaltung der Agrarpolitik noch offen, wenngleich sich die Agrarminister der Bundesländer auf Eckpunkte zur Umsetzung der Agrarpolitik in Deutschland geeinigt haben.

So soll die Umsetzung der Zahlungen der „ersten Säule“ praxisnah erfolgen. Dazu zählen beispielsweise die Basisprämie und Zuschüsse für die ersten Hektar und Junglandwirte. Eine weitere Forderung ist der Abbau von Bürokratie.

Willi Kampmann, Leiter des Brüsseler Büros des Deutschen Bauernverbands, informierte­ über neue Schwerpunkte der Brüsseler Landwirtschaftspolitik. Kommission, Rat und Parlament haben in der vergangenen Woche die Reform der gemeinsamen Agrarpolitik beschlossen.

Folgen erwarten die Landwirte aber durch die neuen Regierungskoalitionen in Bund und Land. So forciere die SPD das Verbandsklagerecht, das aus Sicht der Bauern die deutsche Tierhaltung „enorm belasten“ könnte. Auch die Regierungsbeteiligung der Grünen in Hessen könnte aus Kampmanns Sicht „zu einer zusätzlichen Belastung für eine moderne, wettbewerbsfähige und zugleich nachhaltige Landwirtschaft“ werden. Schließlich hätten die Grünen „einen die Landwirtschaft pauschal diffamierenden Wahlkampf“ betrieben. „Wir wollen eine Gleichbehandlung aller Landwirte“, betonte Heinrich Heidel, der aber wenig Veränderungen erwartet, auch wenn die Grünen den Agrarminister stellen würden.

Die Agrarmärkte würden auch in Hessen zunehmend von internationalen Trends geprägt und seien zwar weltweit ausgerichtet. „Gleichzeitig verstärkt sich aber auch ein Trend zu mehr regionalen Produkten“, sagte Willi Kampmann. Dieser Trend sei in fast allen EU-Ländern zu beobachten.

Nach mehr als fünf Jahrzehnten des Preisdrucks habe vor fünf bis sechs Jahren eine Trendwende eingesetzt. „Für die nächsten Jahrzehnte werden moderat steigende Agrarpreise erwartet“, erklärte Kampmann. Die Kehrseite sei, dass auch die Kosten auf den Höfen gestiegen seien.

Betriebe wollen investieren

Hessens Bauern sind aber zuversichtlich. Viele Betriebe wollen investieren, wenngleich sie sich durch die Politik in Europa und Deutschland in ihrer Wettbewerbsfähigkeit benachteiligt sehen. Aus Kampmanns Sicht ist die künftige EU-Agrarpolitik weniger transparent und verständlich.

Die Landwirte würden aber von der Einführung einer national einheitlichen Flächenprämie bis 2019 profitieren, sagte Heidel. Sie ersetzt die regional einheitlichen Flächenprämien. Es gibt einen Zuschlag für die ersten 30 Hektar in Höhe von 50 Euro je Hektar und von 30 Euro für die folgenden 16 Hektar. Benachteiligt seien Betriebe mit großen Flächen.

Landwirte mit kleineren Strukturen wie in Hessen und insbesondere in Waldeck-Frankenberg zählten aber zu den Gewinnern, sagte Heidel. Der Kreisbauernverband Frankenberg habe 1030 Mitglieder, davon seien 80 bis 85 Prozent Nebenerwerbslandwirte mit kleinen Flächen. „Es geht darum, die Förderung der Landwirtschaft auch in Zukunft sicherzustellen“, sagte er und verwies auf den Wettbewerb mit anderen Ländern.

Am liebsten wäre es Heinrich Heidel aber, wenn die Landwirte mit ihrer Arbeit so viel Geld verdienen, dass eine Förderung gar nicht notwendig ist. „Lebensmittel haben einen Wert, und das muss wieder in die Köpfe rein“, sagte er.

Für Heinrich Heidel kommt den Bauern in den Dörfern eine besondere Bedeutung zu. Das Miteinander sei gut, zur Erntezeit helfen Freunde und Bekannte. „Dieses Miteinander überträgt sich auf die ganze Gemeinde.“ Die gesellschaftspolitische Bedeutung müsse deshalb auch in der Politik stärkere Anerkennung finden.

Die Delegiertentagung fand nach 1994 und 2008 zum dritten Mal in Frankenberg statt. Rund 180 Teilnehmer reisten aus ganz Hessen an. (da)

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