Musiktipp

Gegen Kälte

„Der Wahrheit die Ehre“ ist sein bestes Album seit 20 Jahren. Heinz Rudolph Kunze selbst sieht das so. Gemessen am griffigen Pop-Rock und den pfiffigen Zeitgeist-Texten hat er Recht.

In unserer „kranken“ Zeit mit Fluten aus Hass-Postings, vernachlässigter Bildung und gefährdeter Demokratie taucht der alte Mahner auf. Bissig, pointiert und zielsicher nimmt Brille die Unmenschlichkeit in der heutigen Gesellschaft aufs Korn. Die Feinde des Bunten und der Demokratie nennt er im gleichnamigen Song „pervers“. „Du bist auch das was du erträumst und nicht nur das was du bist“ wirbt der Ex-Lehrer, Germanist, Literat und Dichter Partei für Toleranz. Gegen Macht, Lüge und Gleichgültigkeit zu kämpfen, dafür brennt der Singer-Songwriter und wird dabei politisch. „Mit welchem Recht“ verurteilt er die Ausgrenzung von hungernden Flüchtlingen. Die zornigen Panikmacher in sozialen Netzwerken besingt Kunze in "Der Prediger". 

Am hitverdächtigsten ist „Die Zeit ist reif“ – ein glühender Appell mit Ohrwurm-Refrain für ein „Riesiges Erwachen“, sich nie mehr mit alten Gespenstern einzulassen. „Es darf nie mehr so wie früher sein“, singt der Dylan-Fan und warnt im finalen „Die Dunkelheit hat nicht das letzte Wort“ gar vor dem „Flächenbrand des Bösen“ und singt vom „Lebensrecht der Freiheit“. Auch das Spiel mit Worten, Gegensätzen und vertrakten Drehungen hat er drauf, improvisiert, gibt Rätsel auf, um im nächsten Song wieder auf provokant direkte Angriffslust umzuschalten. Er zeigt Haltung und Gefühle, diesmal ohne Schlager-Pannen. Pop-Hits wie „Wenn Du ohne Liebe bist“ berühren. Wesentlich von Neu-Produzent Udo Rinklin beeinflusst, sprühen die oft gitarrenlastigen Songs nur so vor Ideen. Also: Futter für den Geist und Klänge für die Seele. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare