Kandidat wegen Wählertäuschung und Volksverhetzung angeklagt

Verdacht auf Urkunden-Fälschung: Prozess gegen Pillardy vertagt

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Ex-Bürgermeisterkandidat Henricus Pillardy gab gestern vor dem Korbacher Amtsgericht noch ein TV-Interview, bevor er das Gebäude betrat, um sich selber zu verteidigen.

Volkmarsen/Korbach. Henricus Pillardy, gescheiterter Kandidat für die Bürgermeisterwahl in Volkmarsen, soll zumindest einen Teil seiner 91 Unterstützungsunterschriften mit Betrug erschlichen haben. Vor dem Korbacher Amtsgericht musste er sich Dienstag rechtfertigen.

Der zweite Tatvorwurf der Volksverhetzung bezog sich auf Pillardys pauschal beleidigende Veröffentlichungen auf Facebook. Dort hatte der aus Ehringen stammende 22-Jährige wenige Tage nach den sexuellen Übergriffen in der Kölner Silvesternacht abfällige Äußerungen über Menschen mit schwarzer Hautfarbe gemacht und behauptet, aufreizend gekleidete Frauen seien selber schuld, wenn sie vergewaltigt werden. 

Im Verlauf der Hauptverhandlung wurde jedoch deutlich, dass diese volksverhetzenden Aussagen wahrscheinlich ironisch gemeint waren und nicht die Meinung des Angeklagten wiedergaben. Das räumte sogar Richter Jan Oliva, innerlich deutlich sichtbar mit sich ringend, ein.

Nicht vom Tisch sind hingegen die Vorwürfe, Unterschriften für die Wahl unter Vorspiegelung falscher Tatsachen erlangt zu haben. Darauf deuteten gestern die Aussagen von vier der 14 geladenen Zeugen hin. 

Was Richter und Staatsanwalt stutzig machte, war die Tatsache, dass die Zeugen zwar ihre Unterschrift wiedererkannten, nicht jedoch das amtliche Formular, auf dem sie geleistet wurden. So reifte der Verdacht, dass der Angeklagte womöglich die Unterschriften von einem anderen Blatt auf das Dokument übertragen haben könnte. 

Um das zu klären, wurde die Verhandlung unterbrochen, acht noch nicht vernommene Zeugen wieder entlassen und ein Fortsetzungstermin für den 1. Dezember angesetzt. Bis dahin sollen die Originaldokumente aus dem Volkmarser Rathaus angefordert werden.

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