Einmalig in Hessen

Hirn-Schrittmacher für Parkinson-Kranke auf eigener Klinik-Station in Kassel

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Symbolfoto: Hier wird ein Patient mit einem Hirnschrittmacher versorgt.

Kassel/Korbach. In ganz Hessen ist sie die einzige Klinik mit dieser Spezialstation: Die Paracelsus-Elena-Klinik in Harleshausen hat für Patienten mit einer Tiefen Hirnstimulation (THS) eine Spezialstation eingerichtet.

23 Betten stehen nun zur Behandlung von Patienten mit Bewegungsstörungen, insbesondere des Morbus Parkinson, zur Verfügung. Von dieser Behandlungsmethode profitieren auch Patienten des Korbacher Stadtkrankenhauses.

Patienten mit einer THS wird ein sogenannter Hirnschrittmacher implantiert. Dieser soll die motorischen Symptome der Erkrankten, wie Zittern oder Steifheit, durch elektrische Impulse im Gehirn verbessern. 

Die Elena-Klinik wendet diese Methode bereits seit 17 Jahren an. „Weil aber die technische Entwicklung komplizierter geworden ist, haben wir uns dazu entschieden, Patienten konzentriert auf einer Station zu behandeln“, sagt Dr. Friederike Sixel-Döring, Fachärztin für Neurologie und Leitende Oberärztin an der Elena-Klinik. 

Auch kämen immer mehr Patienten aus ganz Deutschland, um sich in der Kasseler Klinik, die ein international hohes Ansehen genießt, behandeln zu lassen. Häufig würden die Patienten in anderen Kliniken nach einem operativen Eingriff allein gelassen, eine Nachbetreuung erfolge nicht, so Sixel-Döring. 

Auf der Spezialstation erfolgen die Voruntersuchung und die Nachsorge. „Der Hirnschrittmacher muss programmiert und angepasst werden“, sagt Sixel-Döring. Speziell ausgebildete Pflegekräfte schulen die Patienten in der Anwendung des Geräts. Die OP selbst wird in der Neurochirurgischen Universitätsklinik Göttingen durchgeführt. Ein Facharzt der Paracelsus-Elena-Klinik begleitet den Eingriff.

Als eine „überaus vorteilhafte Konstellation“, bezeichnet Chefarzt Dr. Arved-Winfried Schneider, Leiter der Medizinischen Klinik am Stadtkrankenhaus Korbach, die Einrichtung der neuen Spezialstation an der Elena-Klinik. So könnten Parkinson-Patienten, die in Korbach in der am Krankenhaus angegliederten Facharztpraxis behandelt werden, die weitere Therapie wohnortnah fortsetzen. Dass das Korbacher Krankenhaus bereits eng mit der Universitätsklinik Göttingen zusammenarbeitet, komme den Patienten darüber hinaus zugute.

Die THS-Spezialstation der Elena-Klinik

Die Spezialstation für Tiefe Hirnstimulation in der Paracelsus-Elena-Klinik ist die einzige in ganz Hessen. Das Behandlungsprogramm umfasst neben der Programmierung eines Hirnschrittmachers auch dessen Anpassung, sowie Schulungen und Beratungen, Neufassung der medikamentösen Therapie, unterstützt durch Physio-Ergotherapie, psychologische Therapie und Logopädie. 

Sieben examinierte Pflegekräfte sind im Umgang mit den Patientenkontrollgeräten sowie den Ladegeräten aller drei auf dem Markt befindlichen THS-Systemen geschult. Drei davon sind speziell ausgebildete Parkinson Nurses, zu deutsch etwa Parkinson Krankenschwestern, die programmieren können. Ärztlicherseits wird die Station geleitet von einer Fachärztin für Neurologie und einer Oberärztin, die sich in der intraoperativen neurologischen Begleitung der Patienten abwechseln. Dazu kommt noch ein Assistenzarzt zur Ausbildung. Investitionen für die Eröffnung der Spezialstation betraf die Qualifikation der Mitarbeiter.

So verläuft die Behandlung

Seit vielen Jahren ist die Tiefe Hirnstimulation (THS) eine etablierte Methode zur Verbesserung der motorischen Symptomen der Krankheit Morbus Parkinson. Fragen und Antworten.

Was ist eine Tiefe Hirnstimulation?

Bei der THS werden zwei Elektroden beidseitig in ein Kerngebiet tief im Gehirn eingesetzt. Diese werden mit einem programmierbaren Impulsgeber verbunden. Dieser sowie das Verbindungskabel werden unter der Haut im Brust- und Halsbereich verlegt.

Durch ständige elektrische Impulse wird das Kerngebiet im Gehirn in seiner Funktion beeinflusst. Auf diese Weise lassen sich Symptome wie etwa Tremor oder Muskelsteifheit lindern. Betroffene gewinnen dadurch an Selbstständigkeit zurück, was wiederum mehr Lebensqualität im Alltag bedeutet.

Für wen eignet sich diese Methode?

Patienten mit Morbus Parkinson können profitieren. Besonders, wenn eine Behandlung mit Medikamenten nicht oder kaum mehr zu einer gewünschten Verbesserung der Symptomkontrolle führt.

Weltweit wurde das Verfahren in den vergangenen 25 Jahren bei circa 100 000 Patienten angewandt, davon die meisten zur Behandlung der Parkinson-Erkrankung. Sorgfältige Voruntersuchungen sind notwendig. Auch gibt es Kriterien, die eine Behandlung ausschließen können, wie Demenz oder ein Alter von über 75 Jahren.

Welche Erwartungen sind realistisch?

„Gesund wird man durch einen Hirnschrittmacher nicht“, sagt Dr. Friederike Sixel-Döring. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen aber, dass die motorische Symptomkontrolle über viele Jahre effektiv bleibt.

Friederike Sixel-Döring: Fachärztin für Neurologie.

Wie geht es nach einer Operation in der Regel weiter?

Der Patient wird in die Paracelsus-Elena-Klinik verlegt. Unter stationären Bedingungen werden Stimulation und Medikation des Geräts eingestellt. Außerdem wird der Patient in der Anwendung des Geräts geschult.

Sind die Wunden verheilt und der Patient stabil, geht er in die ambulante neurologische Betreuung über. „Wir haben einen kurzen Draht zu den Patienten“, sagt Sixel-Döring. So kann die Einstellung des Geräts optimiert und Komplikationen vermieden werden. Drei bis sechs Monate kann die Einstellphase dauern.

Die Krankheit Parkinson

Parkinson ist eine der bekanntesten und häufigsten Erkrankungen des Nervensystems. Die Schüttellähmung ist bisher nicht heilbar, aber auch nicht unmittelbar tödlich. Die Lebenserwartung von Patienten ist gegenüber dem Bevölkerungsdurchschnitt nur geringfügig niedriger. Den Namen hat die Krankheit vom britischen Arzt James Parkinson, der 1817 erstmalig die Symptome ausführlich beschrieben hatte. Die neurologische Erkrankung, die vor allem bestimmte Teile des Gehirns betrifft, schreitet langsam fort. Der Körper baut immer mehr ab, Bewegungsstörungen quälen die Patienten, die mit fortschreitender Krankheit auf den Rollstuhl angewiesen und pflegebedürftig sind.

Männer leiden an Parkinson etwas häufiger als Frauen. Im Schnitt sind Patienten 60 Jahre alt, wenn die Schüttelkrankheit bei ihnen festgestellt wird. Es gibt aber auch Fälle, in denen sie bereits deutlich früher auftritt. Charakteristische Symptome für die Krankheit sind zum Beispiel Zittern, langsame Bewegungen und Sprachstörungen. Das Problem: Es können zehn Jahre vergehen, bis solche Störungen bei Erkrankten auftreten. Betroffene erhalten in der Regel zunächst Medikamente.

Damit wird der Botenstoff Dopamin ersetzt, an dem es Patienten wegen ihrer abgestorbenen Nervenzellen mangelt. Dieser Mangel ist Grund für die Bewegungsstörungen bei Parkinson.

Parkinson erkennen: Schwingt ein Arm beim Gehen weniger mit?

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