Waldeck-Frankenberg

Horst im Griff und Schalk im Nacken

- Korbach (den). Kennen Sie das? Zwei Wochen lang haben Sie tapfer Sport getrieben und plötzlich schläft das Abnehmprogramm mir nichts, dir nichts wieder ein. Es gibt einen Schuldigen: Horst.

Horst ist ein Schweinehund. Während der Hund ja als bester Freund des Menschen bekannt ist, ist die Situation beim Schweinehund auf den ersten Blick genau anders herum. Horst ist faul. Bei allem, was bequem, angenehm und sofort erreichbar ist, ist er dabei. Und er funkt dazwischen, wenn es gilt, schwierige Projekte anzupacken. Sei es nun das Fitnessprogramm im Winter oder die ordentliche Buchführung im Betrieb. „Dabei will er doch nur euer Bestes“, verteidigt Ralph Goldschmidt „seinen“ Horst. Am Montagabend hielt der Dozent aus Köln in der Stadthalle einen Vortrag zum Thema „Der innere Schweinehund... Und wie Sie ihn in den Griff bekommen“. Nach anderthalb Stunden dürfte so mancher der Besucher zum Stift gegriffen und sich einige Projekte für die (private wie berufliche) Zukunft notiert haben. Horsts Problem sei schlicht, dass er nicht langfristig planen und in die Zukunft gucken könne, meint Goldschmidt. „Warum soll ich in vier Stunden 40 Kilometer laufen, wenn ich in derselben Zeit auch auf die Kanaren fliegen kann?“, fragt er rhetorisch. Es ist geschickt, dass er dieses unbefriedigende Gefühl nach einem Fehlversuch beim Abnehmen, Ordnunghalten oder Aussprechen mit dem Partner, dieses Scheitern personalisiert. Der innere Schweinehund bekommt ein Gesicht und einen Namen. Die Veranstaltung, zu der die Unternehmerfrauen, Junghandwerker, Kasseler Bank und Kreishandwerkerschaft eingeladen hatten, war gut besucht. Eloquent und locker präsentierte Goldschmidt seinen Weg zu mehr „Leistungskraft und ­Lebensglück“. Entertainerqualitäten sind ihm dabei nicht abzusprechen – und Geschäftssinn. Mit seiner Anti-Schweinehund-Strategie füllt er nicht nur die Säle, sondern auch seine Kasse. In diesem Jahr erschien „Die Fezak-Formel“ mit Anleitungen zum Glücklichsein. Der Kölner zelebriert sich als Winzersohn und Weinfan. Er ist Dozent an der Kölner Universität und der International Business School in der Schweiz. Nicht nur der Schweinehund ist sein Thema, weitere Seminare drehen sich um „Mit weniger Mitarbeitern mehr erreichen“ oder „Unter Druck souverän handeln“. Solch eine entspannte Stimmung, so viel Gelächter erlebt die Stadthalle sogar bei Komödienaufführungen nicht immer. Goldschmidt schafft es mit einfachen Mitteln, die starre Wand zwischen Redner und Publikum einzureißen. Doch neben der Show hat er auch handfeste Tipps für die Handwerker aus der Region mitgebracht. Denn Horst arbeitet mit allerhand Tricks. Die Projekte, von denen man weiß, dass sie wichtig, dringend oder schlicht richtig sind, erscheinen in einer schwachen Sekunde als unmöglich, als Herkulesvorhaben. „Aber ich kann mich doch nicht dauerhaft bescheißen“, findet der Redner und Motivator. Was tun? Goldschmidt hat die „Fezak-Formel“ erfunden: Jeder Buchstabe des Begriffes steht für einen Abschnitt im Umgang mit dem inneren Schweinehund. Nachdem man Horst als „F“reund erkannt habe, gehe es darum, sich für ein Vorhaben zu „E“ntscheiden. Das „Z“ielszenario helfe dabei, den Zweck des Unterfangens klarzustellen. Und schließlich kommt nach der Vorbereitung der Start, das „A“nfangen – „möglichst innerhalb von 24 Stunden“, ist Goldschmidts Erfahrung. Um durchhalten zu können und nicht ins alte Muster zurückzufallen, bedürfe es zu guter Letzt der nötigen „K“onsequenz.Wundern Sie sich also nicht, wenn die Rechnungen von den heimischen Betrieben demnächst noch zügiger kommen – oder Banker in ihrer Freizeit nur noch mit Mountainbikes unterwegs sind. Seit Montag weht in Waldeck-Frankenberger Unternehmen ein anderer Wind. Ob Goldschmidts Vortrag auch langfristig wirkt, wird sich aber erst nach dem nächsten Bauvorhaben zeigen.

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