Kritik und Blick nach vorn

Hoteliers in Waldeck-Frankenberg berichten über Krise der Branche

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Die Corona-Maßnahmen lassen Hotels im Kreis brach liegen. Im Bild Göbel’s Landhotel, Stammhaus der in Willingen ansässigen Gruppe, in besseren Zeiten.

Wie sehr belastet die Corona-Krise Hotels im Landkreis? Stellungennahmen reichen von harscher Kritik bis zu Optimismus.

„Die Aussagen unserer Politik sind für uns ernüchternd und katastrophal“, sagt Gert Göbel, Hotelier und geschäftsführender Gesellschafter der Göbel Hotelgruppe. In einer Stellungnahme berichtet er von der Ungewissheit, wie lange der Shutdown für die Hotels und Restaurants noch andauern wird: „Will die Politik unsere Branche mit 2,4 Millionen Mitarbeitern tatsächlich sehenden Auges in den Ruin treiben?“

Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel von Öffnungs-Diskussions-Orgien spreche, sei das ein völlig falsches Signal: „Mit einer Orgie wird ein zügelloses ausschweifendes Fest beschrieben. Die Forderung, unsere Betriebe wieder zu öffnen, hat nichts mit Maßlosigkeit zu tun. Wir Hoteliers und Gastronomen bangen um unsere Existenz, und unsere Mitarbeiter bangen um ihre Jobs.“

Die drastischen Maßnahmen des Verbots werden irreparable Schäden hinterlassen, seien weder gerechtfertigt noch verhältnismäßig. Denn für Hotels und Restaurants könnten sehr gute hygienische Maßnahmen eingerichtet werden. Die Betriebe der Göbel-Hotelgruppe liegen in überwiegend ländlichen Regionen mit viel Natur: „Wir haben so viel Platz, dass jeder Gelegenheit hat, sich aus dem Weg zu gehen.“ Jeder Einzelne in der Gesellschaft gehe sehr verantwortungsbewusst damit um, sich selbst und andere nicht zu gefährden, sei er überzeugt.

Die Branche sei bereit, restriktive Maßnahmen zur Sicherheit der Gäste und Mitarbeiter umzusetzen: etwa Tische auseinanderrücken, Abstandsflächen schaffen, Desinfektionsspender aufstellen, Sicherheitsmaßnahmen im Service und an der Rezeption umzusetzen. „Denn wir sind uns alle bewusst, dass der Gesundheitsschutz oberste Priorität hat.“

Hotelier Gert Göbel bezieht Stellung zur den Corona-Maßnahmen.

Seiner Meinung nach verstießen die Maßnahmen gegen das Grundrecht auf Gewerbefreiheit und freies Unternehmertum. Hinzu komme, dass seitens der Politik keinerlei Perspektive auf eine Wiedereröffnung in Aussicht gestellt werde.

Die Gruppe habe bislang nicht einen Euro Schadenersatz bekommen und trug die Gehälter vom März, obwohl die Betriebe zum 18. März schließen mussten: „Das Kurzarbeitergeld für unsere über 700 Mitarbeiter müssen wir vorfinanzieren.“ Angeboten werden bloß Kredite.

Das Wichtigste: „Unsere Mitarbeiter, die genau wie wir sorgenvoll auf ihren Kontostand blicken.“ Das Kurzarbeitergeld führe in der Niedriglohnbranche zu Existenzängsten, zumal Sonn- und Feiertagszuschläge sowie das Trinkgeld wegfallen.

Der Tourismus leiste einen wichtigen Beitrag zur Krisenbewältigung: konjunkturell und als Ausdruck von Freiheit und Wohlstand. „Geben Sie uns die Chance, unserer Leidenschaft und Berufung, den Menschen die schönsten Tage im Jahr zu bereiten, wieder nachzukommen“, appelliert er an die Politik. Zu lange Einschränkungen führten zu einer „nie dagewesenen Schuldenlawine, die Hass und Streit übrig lasse.“

Hotel Freund in Oberorke sieht Chancen in Corona-Krise

„Wir sehen die Krise ganz klar auch als Chance“, sagt Rosalinde Freund, Geschäftsführerin des Hotels Freund. „Wir haben von Anfang an den Kopf nicht in den Sand gesteckt, sondern Ideen mit unserem Team entwickelt, wie wir mit der Situation umgehen können.“ Finanziell gebe es aktuell keine Engpässe und man habe die Zusage der Bank, jederzeit finanzielle Unterstützung zu erhalten. 

„Die Entscheidungen, die die Bundesregierung bisher in der Krise getroffen hat, sehen wir als richtig und verantwortungsvoll an.“ Der Geschäftsführerin komme es derzeit vor allem „auf die transparente Kommunikation zwischen unseren Mitarbeitern und Gästen an“. 

Hotel Freund in Oberorke.

Die Hygienestandards seien stets sehr hoch gewesen, jetzt würden sie weiter ausgebaut und an das entwickelte Hygienekonzept und behördliche Vorgaben angepasst. „Hygiene und Sicherheit stehen ganz weit oben auf unserer Skala, allein um auch unseren Gästen einen sicheren und erholsamen Urlaub zu garantieren, sobald wir unseren Betrieb wieder aufnehmen dürfen.“ 

Bisher gebe es die Möglichkeit, kostenlos zu stornieren und umzubuchen. Bis Ende Juli könnten Gäste beispielsweise noch 48 Stunden vor Anreise kostenfrei canceln. Wichtig sei dem Team gerade jetzt der regelmäßige Kontakt zu den Gästen. „Wir versenden Newsletter mit Neuigkeiten und stehen mit vielen Gästen auch via Telefon und SMS in Kontakt.“ 

Alle seien sehr aktiv und würden viele neue Ideen entwickeln, so Rosalinde Freund. „Mein Mann und ich sind extrem stolz auf unsere Mitarbeiter und wir wissen, dass wir diese schwere Krise gemeinsam durchstehen und am Ende einige neue positive Erkenntnisse gewonnen haben.“

Hotelbetriebsgesellschaft Battenberg bereitet sich vor

Alle Mitarbeiter seien derzeit in Kurzarbeit, sagt Gerhard Pohl, Geschäftsführer der Hotelbetriebsgesellschaft Battenberg (HBB), zu der unter anderem „Die Sonne“ und das Landgut Walkemühle in Frankenberg gehören. Konkrete Zahlen wollte er nicht nennen, doch der Umsatzausfall in allen Häusern sei „natürlich beträchtlich“, so Pohl. 

Das Hotel "Die Sonne Frankenberg" liegt mitten in der Altstadt, gleich neben dem historischen Rathaus. 

Das Kurzarbeitergeld stocke man „in den unteren Gehaltskategorien freiwillig auf“. Ein Austausch mit den Mitarbeitern finde über die Mitarbeiter-App und Video-Konferenzen statt. „Uns ist es sehr wichtig, dass wir den Kontakt zu unseren Mitarbeitern nicht vernachlässigen und dass wir alle gemeinsam bereits an einer Strategie für eine Wiedereröffnung arbeiten.“ 

Ein Hygienekonzept sei bereits in Arbeit und ein „eingeschränktes Angebot“ für Gäste sei in Vorbereitung. Neben einer Maskenpflicht könne eine Öffnung möglich sein bei Desinfektionsmaßnahmen, Abstandsregelung und zur Entzerrung im Restaurant zwei Belegungszeiten. Man halte sich an die Empfehlungen der Regierung, denn „der Schutz unserer Mitarbeiter und Gäste hat für uns oberste Priorität“. red/ren

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