Feuerwehr, THW, Rotes Kreuz und Landkreis proben für Ernstfall

Hunderte Helfer bei Katastrophenschutzübung - VIDEO

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Frankenberg-Rodenbach - Ein landwirtschaftliches Anwesen brennt, wenige Hundert Meter weiter sind ein mit Gefahrgut beladener Transporter und ein Auto zusammengestoßen, Blitzschläge haben den Wald in Flammen gesetzt, mehrere Dutzend Menschen in und um Rodenbach benötigen medizinische Hilfe: Das bei der Katastrophenschutzübung angenommene Szenario war laut Kreisbrandinspektor Biederbick nicht weit hergeholt: „Das kann durchaus so passieren.“

HessenForst hatte ursprünglich eine Waldbrandübung angeregt – eine Katastrophenschutzübung des Landkreises mit fast 600 Beteiligten war schließlich das Ergebnis, das am Sonntagmorgen für den größten Blaulicht-Einsatz in Frankenberg im vergangenen Jahrzehnt sorgte. Nach vierjähriger Pause fand erstmals wieder eine solche Übung in Waldeck-Frankenberg statt.

Während sich rund 60 Notfalldarsteller aus diversen nord- und mittelhessischen DRK-Kreisverbänden im Katastrophenschutzzentrum in der Aue-straße in Verletzte verwandelten, rollten im Minutentakt Einsatzfahrzeuge von Feuerwehren, Rotem Kreuz und Technischem Hilfswerk aus allen Regionen Waldeck-Frankenbergs in der Siegener Straße vor – und warteten auf ihre Alarmierung. Von der Übung waren sie von Bernd Ochse, Kreisbrandmeister Katastrophenschutz, vorab in Kenntnis gesetzt worden, welche Aufgaben sie zu meistern hatten, das wussten sie jedoch nicht.

Allein 390 Einsatzkräfte

Ab kurz nach Neun rückten die Retter nach für nach mit Martinshorn in Richtung Rodenbach aus – trotz Ankündigung in der FZ dachten viele Frankenberger, es sei tatsächlich ein großes Unglück passiert. Allein bei der Heimatzeitung gingen mehrere Anrufe ein. Die angenommene Einsatzlage: Über dem Frankenberger Stadtteil hatte sich ein schweres Herbstgewitter mit Starkregen, Hagelschlag, Sturmböen, Blitz und Donner entladen. Auch das angrenzende Waldgebiet war betroffen.

Insgesamt acht Notrufe gingen binnen anderthalb Stunden in der Leitstelle im KSZ ein: Das Spektrum der Schadenslagen reichte von einem verunglückten Waldarbeiter über ein Feuer in einem landwirtschaftlichen Anwesen bis zu einem Waldbrand. Zudem ereigneten sich zwei Unfälle: einmal war in der Ortslage von Rodenbach ein mit Gefahrgut beladener Transporter mit einem Auto kollidiert, mehrere Menschen wurden kontaminiert. Im Wald waren ein Auto und ein Rückeschlepper zusammengestoßen. Wie bei solchen Großschadenslagen üblich, übernahm eine Technische Einsatzleitung mit Vertretern von Kreis, Forst, THW, Sanitätsdienst und Feuerwehr die Koordination. Auch das Kreisverbindungskommando nahm in der Zentrale Platz.

Schwerstarbeit bei Frost

Mit einer lockeren Übung hatten die folgenden Einsätze dann nichts mehr zu tun. Bei Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt kamen die rund 490 Einsatzkräfte an den verschiedenen Einsatzstellen kräftig ins Schwitzen. Das lag erstens an den fachmännisch geschminkten Mimen, um die sich die Retter kümmern müssten: sie standen unter Schock, hatten Verbrennungen, abgetrennte Gliedmaßen und Vergiftungen. Zweitens an den verschiedenen Szenarien: Im Wald mussten mehrere Kilometer lange Schlauchleitungen verlegt und Löschwassersammelstellen eingerichtet werden, bei den simulierten Bränden gingen die Feuerwehrleute unter Atemschutz vor und bei den Unfällen setzten sie Spezialgerät wie Rettungsschere und Spreizer ein. Das THW fuhr ebenfalls schweres Gerät auf: mit einem Radlader wurden tonnenschwere Steine von Waldwegen und Rettungsgassen geschoben. Und der dritte Grund, warum die Übung kräftezehrend war: Die Retter wurden bei ihrer Arbeit beobachtet, das Vorgehen analysiert.

In zwei bis drei Wochen wird die Übung mit den Einheitsführern besprochen, erläuterte Kreisbrandinspektor Gerhard Biederbick am Abend gegenüber WLZ-FZ. „Wir wollen schließlich einen langfristigen Nutzen aus einer solchen Übung ziehen.“ Sein erstes Fazit fiel bereits positiv aus: „Wir haben viele Erkenntnisse für die weitere Zusammenarbeit gewonnen“, sagte er. Mit der Übung sei er sehr zufrieden, „auch wenn natürlich nicht alles reibungslos funktioniert hat“, doch eine solche Übung sei ja dafür da, Erkenntnisse zu gewinnen. Deutlich sei den Tag über geworden, „dass bei großen Schadenslagen, wie der angenommenen, Ruhe bewahrt werden muss“. Flexibles Handeln, sowohl in der Technischen Einsatzleitung als auch vor Ort, sei erforderlich. Besonders lehrreich sei bei solchen Großübungen, „dass jedem klar wird, wie wichtig die richtige Rückmeldung ist“. Denn ohne eine Meldung an die Zentrale sei kein koordinierter Einsatz möglich.

Wichtig: Ordnung im Raum

Zum größten Problem für die Retter entwickelte sich im Laufe der Einsätze der immer knapper werdende Platz: in Rodenbach und im Wald. Gegenseitig versperrten sich die Fahrzeuge die Wege. Exakt aus diesem Grund wurde der ursprünglich an der Grillhütte geplante Behandlungsplatz für Verletzte auch auf den Parkplatz eines Supermarktes in Frankenberg verlegt. „Alle Einsatzlagen, die angedacht waren, sind abgearbeitet worden. Die Aufgaben wurden gelöst. Insofern ist der Tag als Erfolg zu bezeichnen“, sagte Pressesprecher Christoph Weltecke am Abend.

Eingesetzt waren: Technische Einsatzleitung des Kreises, Kreisverbindungskommando, Informations- und Kommunikationsgruppe des Kreises, Leitender Notarzt, Organisatorischer Leiter Rettungsdienst, Löschzüge aus Allendorf, Bromskirchen, Bad Arolsen, Bad Wildungen, Battenberg, Frankenau, Gemünden, Hatzfeld, Twistetal, Feuerwehren aus Rodenbach und Viermünden, GABC-Zug Waldeck-Frankenberg, Sanitätszüge Korbach-Bad Arolsen und Frankenberg, Betreuungszüge Bad Wildungen, Korbach-Bad Wildungen, Frankenberg, THW Frankenberg und Korbach, Notfallseelsorge, Rettungshundestaffel DRK Korbach-Bad Arolsen. Versorgt wurden die Helfer durch die DRK-Kreisverbände Frankenberg und Bad Wildungen, THW Frankenberg, DRK-Ortsgruppe Volkmarsen.

Von Rouven Raatz

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