WLZ/FZ-Redewendung vom 4. September 2010

„Am Hungertuch nagen“

- (resa) Trotz der Bildhaftigkeit dieser Redewendung führt sie den Hörer gedanklich in die falsche Richtung.

Eigentlich nämlich sprach man früher vom „Hungertuch nähen“. Das große, schon um das Jahr 1000 nachweisbare Hungertuch wurde während der Fastenzeit in den meisten Kirchen am Eingang des Chores angebracht. Es sollte den Altar verhüllen und zur Buße mahnen. Das Hungertuch bestand aus mehreren Teilen und bevor es seinen Platz in der Kirche bekam, nähten die Frauen es zusammen – es wurde am Hungertuch genäht. Als man den Sinn der Worte nicht mehr verstand, wurde nach Krüger-Lorenzen aus „nähen“ dann „nagen“. Dieses Bild konnten sich die Menschen im Zusammenhang mit „Hunger“ leichter vorstellen. Nagt heute einer am Hungertuch, kämpft er mit der Armut.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare