Das ABC des Fehlerteufels: Die schönsten Stilblüten aus den Pressemitteilungen 2011

Von Huppeln und Sonntagmorden

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- Waldeck-Frankenberg (apa) Tausende Pressemitteilungen, Einladungen, Artikelentwürfe und Anfragen gehen jedes Jahr in den Redaktionen ein. Manchmal bringen sie uns zum Lachen, ohne dass der Autor dies beabsichtigt hat. Wie immer teilen wir am Ende des Jahres die schönsten Stilblüten mit Ihnen, liebe Leser.

Alle Jahre wieder gibt es den Fall: Man meint ein Wort und schreibt ein anderes. So war in einem Bericht die Rede von einer „fast unübersehbaren Vielfalt kleiner Gaumenfreuden“. Gemeint war wahrscheinlich eine fast unüberschaubare Menge. War sie fast unübersehbar, hat man sie dann doch übersehen, und das wäre schade... oder? Buchstaben sind eine faszinierende Sache. Man vertauscht nur einen einzigen davon in einer ganzen Reihe und schon kommen völlig neue Aspekte hervor: So zum Beispiel beim „Sonntagmorden“, das auch noch im Zusammenhang mit einem Festgottesdienst stattfand.

Christa ist krank, Hans-Jürgen im Urlaub und Brigitte in Reha – und deshalb nicht auf dem Bild zu sehen. Manchmal teilen Vereine der Öffentlichkeit sogar mit, warum bestimmte Personen beim Fototermin gefehlt haben. Discoabende und große Feten werden von den heimischen Polizeistationen gern als Anlass genutzt, um die Partygäste anschließend auf Alkohol und Drogen zu überprüfen. Die Polizei in Kassel übertrieb es jedoch mit den Proben: „Neun Fahrzeugführer wurden wegen Drogen- oder Alkoholkonsums einer Blutentnahme entnommen“. Uaaah. Wie groß ist da wohl die Blutprobe gewesen? War die von einem Elefanten? Das müssen ja einige Hektoliter gewesen sein, wenn neun Leute Platz darin hatten... Und mussten die, die nichts getrunken hatten, etwa darin bleiben?

Einen merkwürdigen Geruch dürften Sportler verströmen, die beim Turngau Oberlahn-Eder erwähnt werden: Mist­reiter gibt es da. Dabei ist es doch nicht zu viel verlangt, ein Pferd vor dem Turnier ordentlich zu putzen... Flayer und Fleyer: in einer einzigen Ankündigung benutzte ein Verein gleich beide Schreibweisen, nur die richtige – Flyer – fehlte. Hätten sie doch einfach Brohschühre geschrieben. Oder Broschühre? Nee, Broschüre... oder Faltblatt!

Gar nicht so lange her ist es, dass wir auf unserer Verbraucherseite den Tipp gaben: „Brennende Kerzen im Auge behalten“. Bitte nicht wörtlich nehmen, das tut nämlich weh. Es reicht völlig, auf die Kerzen achtzugeben. Haben Sie in der warmen Jahreszeit vielleicht Bedarf für Teile von einem halben Arm? Dieses Jahr gab es jedenfalls „Sommer-1/2-Arm-Teile“ in einem heimischen Modehaus. Und raten Sie mal: Sogar zum halben Preis! Ihr Potenzial zur Gewalt wussten die Landfrauen bisher gut zu verbergen. Jetzt ist es doch herausgekommen: Ein Verein hatte zum Waffenbacken eingeladen. Das erinnert an alte Gefängnisgeschichten, in denen Feilen in Apfelkuchen versteckt wurden. Na, guten Hunger. Wenn man bedenkt, dass die Landfrauen mit den Waffen einer Frau kämpfen, dann ergibt es allerdings doch irgendwie wieder Sinn. Jede Menge Bereiche und Orte gibt es im Behördendeutsch – in einer Haushaltsrede kamen in einem Satz gleich jeweils zwei davon vor: „Im Ortsbereich können wir nicht gleichzeitig im Bereich zweier innerörtlicher Straßen bauen.“ Genauso gut hätte der Verwaltungschef schreiben können: „Eine Baustelle im Dorf reicht.“ Kannibalismus in Waldeck-Frankenberg? Liest man folgende Sätze über Soraya-Schafe, scheint dies irgendwo noch üblich zu sein: Schmackhaftes, kurzfaseriges Fleisch hätten sie, das eher an Wild denn an Schaffleisch erinnern würde. Gegrillt, mit seinen Züchterkollegen genossen, hätte es ebenfalls vorzüglich geschmeckt. Leiter einer bestimmten Turnabteilung zu sein, hat üblicherweise wenig mit Gartenarbeit zu tun. Anders sieht das bei einem Bergheimer Verein aus: Da gibt es sogar einen Spaten­leiter.Manchmal wirft eine einzige Mitteilung gleich mehrere neue Fragen auf, so wie diese hier: „Aufgrund von Ausbesserungsarbeiten an Geschwindigkeitsbegrenzungshindernissen (Huppel) ist die Straße bis Samstag stellenweise voll gesperrt.“ Frage 1: Wer denkt sich Worte wie „Geschwindigkeitsbegrenzungshindernisse“ aus? Frage 2: Ist die Straße nun stellenweise oder voll gesperrt oder an einigen Stellen voll gesperrt? Frage 3: Schreibt man Huppel mit Doppel-P oder mit Doppel-B? Frage 4: Ist Hubbel (oder Huppel) ein Wort, das man in der Zeitung benutzen darf? Ich finde es allemal besser als „Geschwindigkeitsbegrenzungshindernisse“. Da weiß wenigstens jeder, was gemeint ist.

Neue Berufe haben wir in diesem Jahr auch kennengelernt: In einem Text ist die Rede von einer „praktischen Sychotherapoetin“. Ohne Alkohol im Blut ins Auto steigen – so ist es richtig. Dass aber neuerdings nicht nur Getränke ohne „Schuss“ verkauft werden, sondern sogar welche, die dagegen sind, das ist neu. Bei einem Markt im Frankenberger Land wurden in diesem Jahr „antialkoholische Getränke“ angeboten. Phrasen dreschen, das können die Deutschen. Immer wieder kommen teils inflationär gebrauchte Redewendungen in Texten vor. Ein Autor hat es etwas zu gut gemeint: „Die farbenfrohe Palette der vielen Fleischrinderrassen bot für jeden Geschmack das Richtige“. Oder gab es etwa von jeder Rasse auf der Schau ein Steak zum Probieren?

Mehr lesen Sie in der WLZ-FZ vom Samstag, 31. Dezember

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