Digitale Anforderungen steigen - viele Ausbildungsplätze unbesetzt

IHK-Umfrage 2018: Ausbildungsreife bleibt unbefriedigend

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44 Prozent der Betriebe haben ihre freien Ausbildungsplätze laut aktueller Umfrage der IHK Kassel/Marburg nicht besetzen können.

Kassel/Marburg. Die IT-Kompetenzen künftiger Auszubildender sind für die Ausbildungsbetriebe von großer Relevanz. Zu diesem Schluss kommt der Präsident der IHK Kassel-Marburg, Jörg Ludwig Jordan, anhand der IHK-Ausbildungsumfrage 2018.

Knapp 100 regionale Betriebe beantworteten im Bezirk der IHK Kassel/Marburg bei der Online-Umfrage einen Fragenkatalog zu 26 Themenblöcken rund um alle Aspekte der betrieblichen Aus- und Weiterbildung.

Immerhin 60 Prozent der Auszubildenden verfügen demnach über das geforderte Basisniveau an „Reflektionsvermögen über digitale Inhalte“. Weitere acht Prozent weisen sogar sehr gute Fähigkeiten auf.

51 Prozent der jungen Menschen zeichnen sich durch sehr gute Kenntnisse im „Umgang mit Social Media“ aus. Die sensiblen Bereiche IT-Sicherheit und Datenschutz dagegen bedürften noch weiterer Schulungen.

Diese umfasst auch die intensiven Bestrebungen der Wirtschaft, die sich beschleunigende Digitalisierung in Aus- und Weiterbildungskonzepte zu integrieren. Aus der Umfrage klar hervor, dass sich auch Auszubildende möglichst frühzeitig auf die Herausforderungen der Digitalisierung („Industrie 4.0“) einstellen sollten.

In 61 Prozent der ausbildenden Betriebe sind abteilungsübergreifende Projekte deshalb bereits an der Tagesordnung, 41 Prozent vermitteln Zusatzqualifikationen etwa für IT-Kenntnisse, 37 Prozent intensivieren die Zusammenarbeit mit den Berufsschulen.

Steigende Anforderungen bedeuten für die ausbildenden Betriebe auch steigenden Einsatz in der Ausbildung. 36 Prozent nutzen daher die Hilfen der Arbeitsagentur und sogar 49 Prozent bieten eigene Nachhilfe an.

Mangel an Motivation und Leistungsbereitschaft

Nach Ausbildungshemmnissen gefragt, antwortete die große Mehrheit (80 Prozent), dass Schulabgänger oft zu unklare Vorstellungen von den Berufsanforderungen hätten und Ausbildungsreife vermissen ließen. Hier haben die Ausbilder mit grundlegenden Problemen zu tun wie Leistungsbereitschaft und Motivation (69 Prozent), Schwächen im Ausdrucksvermögen (67 Prozent) und elementaren Rechenfertigkeiten (61 Prozent).

„Bedenkt man, dass Fähigkeiten wie Disziplin (64 Prozent) und Belastbarkeit (63 Prozent) die Aufgabe der Wissensvermittlung erschweren, ist die Ausbildungsbereitschaft unserer Betriebe beeindruckend konstant“, so Jörg Ludwig Jordan. und verweist auf die Eintragungszahlen neuer Ausbildungsverträge.

44 Prozent der Betriebe haben freie Plätze

Allerdings haben 44 Prozent der Betriebe ihre freien Plätze nicht besetzen können und begründeten dies zu 61 Prozent damit, dass sich nicht genügend geeignete Bewerber vorstellten.

30 Prozent fügten hinzu, dass ausgewählte Bewerber ihre Ausbildungsstelle nicht antraten. „Für die Betriebe ist das eine echte Belastungsprobe, der sie aber offensichtlich proaktiv begegnen“, sagt der IHK-Präsident. 34 Prozent der Betriebe hat Flüchtlingen als Auszubildende eingestellt, die helfen werden, den Fachkräftemangel zu beheben.

Wichtiger Kooperationspartner bleibt die Berufsschule. 84 Prozent sind sehr zufrieden oder zufrieden mit ihrer Schule. 66 Prozent bieten bieten außerdem firmeneigene Seminare an, 59 Prozent setzen auf Selbstlernkonzepte.

Für Jörg Ludwig Jordan sind die Ergebnisse auch eine Bestätigung für die Aktivitäten der IHK: „Verstärkte Berufsorientierung, umfassende Beratung von Studienabbrechern, Werbung für Teilqualifizierungen als Instrument der dringend benötigten betrieblichen Nachqualifizierung – unsere Mitgliedsunternehmen können auf eine Fülle von Dienstleistungen setzen.“ Dazu zählt auch die Aktion #Perfect Match, die am 2. November Betriebe und Schüler zusammenbringt (www.ihk-perfectmatch.de/unternehmen) (IHK)

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