Kreative Lösungen wirken auch in Korbach dem Vandalismus entgegen

Illegale Farbschmierereien an Fassaden und Schildern werden bestraft

Legale Graffiti-Kunst in Korbach: Um sich ausleben zu können, steht der Korbacher Skatepark, mit Rampen und speziell angebrachten Holzplatten für Sprayer des Jugendhauses zur Verfügung.
+
Legale Graffiti-Kunst in Korbach: Um sich ausleben zu können, steht der Korbacher Skatepark, mit Rampen und speziell angebrachten Holzplatten für Sprayer des Jugendhauses zur Verfügung.

Graffiti-Straftaten sind im Landkreis Waldeck-Frankenberg keine Ausnahme, das machen Vorfälle kurz vor Weihnachten deutlich. Kreative Lösungen wirken dem Vandalismus entgegen.

Waldeck-Frankenberg –  Im Dezember wurden Straßenschilder in Korbach beschmiert und die Fassade des Marstalls in Bad Arolsen verunstaltet. 25 Fälle von Schmierereien dieser Art hat die Polizei Waldeck-Frankenberg allein im Jahr 2019 in der Kriminalstatistik festgehalten. Im Jahr 2017 waren es sogar 50 Fälle.

Dabei sei jedoch von einer höheren Dunkelziffer auszugehen, da einige Graffiti-Taten nicht angezeigt würden, berichtet Polizei-Pressesprecher Dirk Richter. „Die meisten, häufig jugendlichen Sprayer, sind sich über die rechtlichen und finanziellen Konsequenzen ihres ,Hobbys’ oft nicht im Klaren“, teilt er mit. Wer illegal Graffiti sprüht, begeht nämlich nicht nur eine Straftat. Außer Sachbeschädigung, bestehe auch die Möglichkeit, dass Hausfriedensbruch angeklagt werde. Auf die Verantwortlichen könnten dann zivilrechtliche Folgen zukommen, zum Beispiel eine Geldstrafe von mehreren tausend Euro, bis hin zur Freiheitsstrafe.

Illegale Graffiti: Vor allem private Haushalte betroffen

Jedoch kann nicht immer ein Täter ermittelt werden. „Dann bleiben die Geschädigten in der Regel auf ihren Kosten sitzen“, sagt Richter und fügt hinzu, dass vor allem private Haushalte von solchen Schmierereien betroffen seien. „Wir empfehlen in diesen Fällen, die illegalen Graffiti so schnell wie möglich zu beseitigen, da eine vollgeschmierte Wand erfahrungsgemäß Nachahmer anzieht“, erläutert er. Zerstört oder beschädigt ein Sprayer hingegen Gegenstände, welche zum öffentlichen Nutzen oder zur Verschönerung öffentlicher Wege, Plätze oder Anlagen dienen, könnte es bei der Bestrafung, laut des Hauptkommissars, einen gravierenden Unterschied geben. Dann stehe aufgrund von gemeinschädlicher Sachbeschädigung eine deutliche höhere Freiheitsstrafe im Raum. Anfang Dezember kam es in Korbach sogar zu einem noch gravierenderen Ausmaß. Ein unbekannter Täter schmierte ein Hakenkreuz an die Wand eines Lebensmittelladens. Durch diese Art von „Botschaften“ werden weitere Straftatbestände erfüllt, die der Beleidigung, Bedrohung aber auch Volksverhetzung.

EWF lässt Trafostationen von Künstlern bemalen

Ist die Hauswand beschmiert, folgt oftmals das Überstreichen. Das bleibt auch der Energie Waldeck-Frankenberg (EWF) nicht erspart. Neben Graffiti an Trafo-Stationen gebe es auch Probleme mit Aufklebern an Verteilerschränken, die ebenfalls mit viel Aufwand entfernt werden müssten, teilt Pressesprecher Axel Voigt mit. „Die EWF trägt dafür Sorge, dass die Anlagen einwandfrei funktionieren“, betont er und appelliert an die Übeltäter: „Jedem muss klar sein, dass Transformatoren und Verteilerschränke technische Betriebsmittel sind, die dazu dienen, die Energieversorgung sicherzustellen.“

Um diesem Vandalismus entgegenzuwirken werde die Oberfläche speziell behandelt, so dass Graffiti nicht gut zu sehen seien. Deshalb setze man in der Regel auf dunkle Grundfarben, erklärt er. Dort, wo es sich anbietet, beauftragt die EWF aber auch Künstler, die in Absprache mit dem Unternehmen eine Station bemalen. Das passiere an stark belebten Orten, wie zum Beispiel in der Korbacher Innenstadt nahe des Bahnhofs. Voigt sagt: „Durch diese Maßnahme sollen andere davon abgehalten werden, das Kunstwerk zu übermalen.“

Korbacher Jugendhaus bietet Graffiti-Workshops an

In den 80er-Jahren kam die amerikanische Hip-Hop-Kultur nach Deutschland und mit ihr auch die Graffiti-Kunst. „Vor allem Jugendhäuser waren und sind prädestinierte Orte, um dieser Ausdrucksweise eine legale Plattform zu geben“, berichtet Diplom-Sozialarbeiter Björn Schollmann. So auch in Korbach, das Interesse bei den Jugendlichen sei groß. „AGs und Workshops werden gut angenommen“, sagt er, „für die Teilnehmer ist es eine fantastische Möglichkeit, durch den Anleiter neue Techniken zu erlernen und dadurch auf künstlerischer Ebene zu wachsen.“

Den jungen Menschen wird vermittelt, dass das Sprühen ausschließlich auf dafür zugelassenen Flächen erlaubt ist. Außerdem sei der Erfahrungswert entscheidend: „Wenn sie entdecken, welche wunderschönen Bilder allein durch Kreativität und einen gekonnten Umgang mit Sprühdosen entstehen können, ist das ein maßgeblicher Aspekt dafür, Graffiti als Kunstform von Vandalismus und Schmierereien unterscheiden zu können“, erklärt der Sozialarbeiter. Durch die bunten, vielfältigen Motive werde das Sprayen interessant und aussagekräftig. Es biete den Künstlern die Möglichkeit, frei sein zu können, sich ausprobieren zu dürfen, ein Ventil für die inneren Anliegen zu haben. „Das ist wichtig und kann dabei helfen, innere Konflikte zu bearbeiten und damit umgehen zu können“, betont Schollmann.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare