Seit Montag dürfen wieder alle Kinder kommen

Kitas in Waldeck-Frankenberg im eingeschränkten Regelbetrieb: Es wird viel geleistet

Endlich wieder gemeinsam spielen: Seit Montag befinden sich die Kindergärten im eingeschränkten Regelbetrieb – für die Kitas bedeutet das weiterhin eine deutliche Mehrarbeit. Symbol
+
Endlich wieder gemeinsam spielen: Seit Montag befinden sich die Kindergärten im eingeschränkten Regelbetrieb – für die Kitas bedeutet das weiterhin eine deutliche Mehrarbeit. Symbol

Die Kindertagesstätten in Waldeck-Frankenberg befinden sich seit Montag im eingeschränkten Regelbetrieb. Das ist mit viel Arbeit für die Erzieherinnen und Erzieher sowie für die Kita-Leitungen verbunden.

Waldeck-Frankenberg – Im Eingangsbereich der Kita hängen die kleinen Jacken, Mützen und Schals, die Stiefel stehen bereit für den nächsten kurzen Ausflug. Aus allen Räumen hört man Kinderstimmern und das Klappern des Frühstücksgeschirrs. Überall sieht alles so aus, wie es sein soll und doch ist alles anders. Ein Bild, das für alle Kindergärten der Region gilt.

Nach zehn Wochen Notbetreuung sind die Kitas seit Montag wieder geöffnet. Noch immer im sogenannten eingeschränkten Regelbetrieb, aber alle Kinder dürfen wieder kommen. Lange haben Kinder und Eltern auf diese Nachricht gewartet und jetzt ist die Freude groß. Endlich die Freunde wieder sehen, endlich wieder miteinander spielen, endlich wieder geregelte Zeiten für die Familien.

Auch die Erzieherinnen und Erzieher sind froh, wieder so etwas wie einen Normalbetrieb zu erleben. Gemeinsam haben sie aber auch die Sorge, Zweifel und Ängste.

„Es war eine große Freude, als wir die ersten Kinder an der Tür abholten. Vielen hat die Kita gefehlt und wir sind froh, sie alle zu sehen und auch in dieser Zeit wieder zu begleiten“, berichtet Christina Boos, Leiterin der evangelischen Kindertagesstätte Farbenfroh in Wetterburg. Jetzt sei die Regelung klar. Das tue allen gut, aber eingeschränkt sei eben eingeschränkt.

Bedeutet: Kontakte müssen weiterhin auf ein Mindestmaß reduziert werden. Die Gruppen sind streng voneinander getrennt. Personell ist das aus verschiedenen Aspekten oft schwer umzusetzen.

Christina Boos, Leiterin der evangelischen Kindertagesstätte Farbenfroh in Wetterburg

„Unser Krankenstand ist höher, weil aus Vorsicht die Kolleginnen eher zuhause bleiben. Wir werden bisher nur in sehr großen Abständen getestet, obwohl wir durch die Kinder so viel Kontakt zu anderen Haushalten haben“, sagt Christina Boos. Die Ängste der Betreuerinnen seien groß. Man werde auch das Gefühl nicht los, dass die Politik fernab vom Alltag entscheide. „Wir sind gespannt, wie es nun mit den Impfungen weiter geht und wie lange der Regelbetrieb Bestand hat.“ Von den Schwierigkeiten rund um die Organisation des Kitaalltags spürten die Kinder nichts. Sie wüssten nicht, was die Erzieherinnen im Hintergrund leisteten.

Verbunden ist die neue Kita-Öffnung mit vielen formalen und bürokratischen Aufgaben. Offene Fragen zu den Corona-Verordnungen müssen geklärt werden und Vorgaben kurzfristig umgesetzt werden. „Wir haben eine Menge zu lesen und zu bearbeiten. Der Zweckverband, der Träger, das Gesundheitsamt des Landkreises, die Kommune, die Landesregierung – alle schreiben uns Briefe“, sagt Diana Linsel, Leiterin der evangelischen Kindertagesstätte Schwalbennest in Frankenberg. „Wir sortieren sie nach Relevanz und kommunizieren sie nicht nur intern, sondern auch mit den Eltern. In unseren drei Kindergruppen werden zum Beispiel zwölf Muttersprachen gesprochen, da ist es nicht leicht, eine gemeinsame Sprache zu finden.“

Wegen des Appells des Ministeriums und den aktuellen Familiensituationen habe es in der Kita ein paar Tage gedauert, bis die Eltern verstanden hätten, dass sie ihre Kinder wieder bringen können. Inzwischen seien 70 Prozent wieder da und die Tendenz sei weiter steigend. „Wir freuen uns, trotz der täglichen Anstrengungen, die Kinder wieder bei uns zu haben“, sagt Diana Linsel. Foto: Barbara Liese

„Es fällt Kindern schwer, aufs Singen zu verzichten“

„Mit Videos, Briefen Postkarten und Überraschungspäckchen wurde während der Zeit des harten Lockdowns regelmäßig Kontakt zu den Familien gehalten, damit die Kita allen im Gedächtnis bleibt“, berichtet Sebastian Bartusch, Leiter der Kindertagesstätte Laake in Korbach. Der Einsatz habe sich gelohnt. Den meisten Kindern sei der Neustart nicht schwergefallen. Sie seien schnell in ihrem Kita-Alltag wieder zuhause gewesen.

Sebastian Bartusch, Leiter der Kindertagesstätte Laake in Korbach

„Sie spüren aber auch die Einschränkungen. Es fällt ihnen vor allem schwer auf das Singen zu verzichten, denn das gehört für sie unbedingt zum Kita-Tag. Auch wenn wir vieles vermissen und nicht mehr so unbefangen sein können, wollen wir aber so vorsichtig wie möglich sein um die Gefahren zu minimieren und Kindern und Eltern weiter mit Optimismus begegnen. Auch wenn die Angst, sich selbst oder andere anzustecken, immer mitschwingt“, sagt Bartusch.

Im Gespräch mit Kita-Leitungen sowie Erzieherinnen und Erziehern wird eines deutlich: Viele sind enttäuscht darüber, wie ihre Arbeit durch Politik und Gesellschaft wahrgenommen wird. Das hat – so die einhellige Meinung – wenig mit der Realität zu tun. Kinder brächten von Natur aus vieles mit, Geduld gehöre nicht unbedingt dazu. Schuhe zubinden, etwas erzählen, spielen, einen Turm bauen, Tränen trockenen, einen Streit schlichten, alles müsse möglichst sofort passieren. Abstand halten, Maskenpflicht, ständiges Hände waschen, in regelmäßigen Abständen lüften, sei mit kleinen Kindern und schon gar nicht mit den Krippenkindern so umzusetzen, wie es sich Politiker wünschten.

„Wir sind keine Aufbewahrungsstelle, wir betreuen Kinderseelen. Wir waren seit Beginn der Pandemie immer da. Wir hatten keinen einzigen Tag geschlossen. Man spürt jetzt eine gewisse Erschöpfung, auch mental“, berichtet Ilka Sinemus, Leiterin des evangelischen Kindergartens Königsberg in Bad Arolsen. „Während alle von den Schulen sprechen, finden wir gesellschaftlich und öffentlich kaum Beachtung. Man kann aber die Schulen nicht mit unserer Arbeit vergleichen.

Ilka Sinemus, Leiterin des evangelischen Kindergartens Königsberg in Bad Arolsen

Viele Kita-Kinder brauchen mehr Betreuung, zum Beispiel im Rahmen der Sprachentwicklung oder um schwierige Familienverhältnisse aufzufangen. Welche Auswirkungen diese Seiten des Lockdowns tatsächlich haben werden, erfahren wir aber wohl erst viel später.“

Von Barbara Liese

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare