Fälle steigen auch im Landkreis an – Starke Nachfrage nach Medikamenten

Immer mehr Menschen erkranken an der Krätze

Patient mit Krätze: Auch in Waldeck-Frankenberg ist die Zahl der Krankheitsfälle zuletzt angestiegen. 

Waldeck-Frankenberg. Eine längst vergessene Erkrankung ist wieder auf dem Vormarsch: Die Krätze. „Wir stellen in Hessen einen Anstieg bei den für die Behandlung von Krätze wichtigsten Arzneimittel-Wirkstoffen fest. Die Anzahl der Verordnungen von Salben und Tabletten stieg innerhalb eines Jahres um 56 Prozent, im Bundesschnitt sogar um rund 70 Prozent“, sagt Norbert Sudhoff, Landesgeschäftsführer der Krankenkasse „Barmer“ in Hessen.

Ausgewertet wurden laut Sudhoff Verordnungen mit den Wirkstoffen Permethrin, Ivermectin und Benzylbenzoat der Jahre 2016 und 2017. Die Zahl der Verordnungen sei alleine bei der Barmer-Krankenkasse in Hessen von 2169 auf 3400 im Jahr gestiegen.

„Gefühlt steigt bei uns die Anzahl der Patienten mit Krätze in der Tat, wir haben an manchen Tagen auch etwa zehn Patienten, die sich zumindest mit dem Verdacht bei uns vorstellen“, sagt der Arolser Hautarzt Dr. Volker Merl. Die reine Statistik in der Praxis zeige, dass verglichen mit dem Vorjahr die Diagnose in diesem Quartal rund dreimal so häufig gestellt worden sei. Auch der Landkreis Waldeck-Frankenberg kommt zu der Einschätzung, dass die Zahl der Krätze-Fälle in den zurückliegenden zwei Jahren nach oben gegangen ist.

Aber warum ist das so? Merl: „Vielleicht ist die Krätze wieder mehr ins Bewusstsein der Ärzte und Patienten gerückt, sodass die Diagnose häufiger gestellt wird. Zweitens kommt es vermutlich auch zu zunehmender Unempfindlichkeit der Krätzmilbe gegen gängige Therapien, was die Ausbreitung auch weiter begünstigt.“

Krätzmilben können sich besonders gut in Kindergärten verbreiten. Dazu sagt Merl: „Bei Kindern sind das Immunsystem und die Hautbarriere noch nicht so gut entwickelt, sodass sie anfälliger sein können für Krätzmilben.“ Zudem komme es bei Kindern häufiger zu körperlichen Berührungen untereinander. 

Eine vermehrte Zunahme von Krätze-Fällen ließ sich laut Merl in Zeiten der Flüchtlings-Krise beobachten. „Dies ist durch die enge Unterbringung der Flüchtlinge in Gemeinschaftsunterkünften zu erklären“, sagt der Hautarzt. „Die Vorstellungen von Hygiene sind ja keine anderen – die Möglichkeiten, die damals zur Hygiene zur Verfügung standen, waren jedoch sehr eingeschränkt.“ 

Jetzt, da Flüchtlinge nicht mehr in großen Massen in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht seien, komme es bei ihnen nicht viel häufiger zu Krätze-Fällen als bei Einheimischen. 

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