Astrazeneca vor allem für Hausarztpraxen – Viel Beratung nötig

Impfstoff-Ärger bei Ärzten in Waldeck-Frankenberg

Eine Hand in blauen Handschuhen hält eine Ampulle mit Astrazenca-Impfstoff, in der eine Spritze steckt.
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Es gibt Vorbehalte gegen den Impfstoff von Astrazeneca. Mediziner betonen, dass das Risiko schwerer Nebenwirkungen aber deutlich geringer ist als an einer Coronainfektion zu sterben

Astrazeneca hauptsächlich für die Arztpraxen, Biontech und Moderna vorwiegend für die Impfzentren: Die vom Bund über die Länder gesteuerte Impfstoffversorgung führt aktuell zu reichlich Unmut bei niedergelassenen Ärzten.

  • Die derzeit zugelassenen Impfstoffe werden ungleich verteilt: Astrazenenca geht hauptsächlich an die Arztpraxen, Biontech und Moderna wird in den Impfzentren verabreicht.
  • Impfungen mit Astrazeneca haben einen hohen Beratungsbedarf. Weil der Impfstoff hauptsächlich an die Arztpraxen geht, bedeutet das eine große zeitliche Belastung für die Hausärzte.
  • Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen spricht von einem „katastrophalen Management“ und einer „schlechten Öffentlichkeitsarbeit“. Die niedergelassenen Ärzte müssten das nun ausbaden.

Waldeck-Frankenberg – Der Unmut zeigt sich auch in Waldeck-Frankenberg. „Der Staat bevorzugt seine Impfzentren weiterhin stark. Eine Gleichbehandlung ist nicht absehbar. Impfungen mit Astrazeneca haben einen viel höheren Beratungsbedarf und gehen nur noch an uns“, sagt der Korbacher Hausarzt Dr. Peter Koswig und fügt hinzu: „Die Impfzentren erhalten fast nur noch Biontech und Moderna. Damit ersparen sie sich manch längere Diskussion.“ Eine gerechte Verteilung zwischen Hausärzten und Impfzentren sei das nicht.

Dass die Hausärzte in Deutschland in den nächsten Wochen vor allem mit dem Impfstoff von Astrazeneca versorgt werden, bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung auch das Bundesgesundheitsministerium. „Perspektivisch soll Astrazeneca zunehmend in den Hausarztpraxen verimpft werden. Die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna sollen in den Impfzentren verabreicht werden“, sagt Ministeriumssprecher Sebastian Gülde.

Der Beratungsbedarf ist bei Astrazeneca hoch

Der Frankenberger Hausarzt Stephan Eisfeld berichtet, dass es einen wesentlich größeren Gesprächs- und Beratungsbedarf vor einer Astrazeneca-Impfung gebe. Es sei „keine systematische Planung“ bei der Zuteilung der Impfstoff-Dosen erkennbar.

Der Willinger Hausarzt Dr. Dirk Bender findet es gut, dass die Priorisierung bei Astrazeneca aufgehoben wurde. „So können wir Menschen, die es wollen, zügig impfen und die Pandemie beenden“, betont er. Gleichzeitig nehme er die Sorgen der Patienten mit Blick auf eine Astrazeneca-Impfung „sehr ernst“. Gerade mit jüngeren Frauen führe er intensive Beratungsgespräche. „Das ist für mich selbstverständlich. Allerdings dauern die Gespräche natürlich länger und stellen eine zusätzliche zeitliche Belastung für uns Hausärzte dar.“

Kassenärztliche Vereinigung Hessen kritisiert die Politik

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen wird mit ihrer Kritik noch deutlicher: „Grundproblem ist die mangelhafte Impfstoffbeschaffung und daraus abgeleitet politische Fehlentscheidungen. Impfzentren brauchte es ja nur, weil zu wenig Impfstoff da war und man deshalb priorisieren musste“, sagt KV-Sprecher Karl M. Roth.

Durch ein katastrophales Management und eine ebenso schlechte Öffentlichkeitsarbeit sei Astrazeneca in den Augen vieler Menschen zu einem Impfstoff zweiter Klasse verkommen. „Und das, obwohl es ein guter und hochwirksamer Impfstoff ist. Die niedergelassenen Ärzte müssen nun ausbaden, was die Politik versäumt hat“, so Roth. Das führe zu langen „Verkaufsgesprächen“, bis eine Impfung mit Astrazeneca erfolge. (Philipp Daum)

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