Nach Chaos bei Terminvergabe: Idee für lokales Modell

Bürgermeister in Waldeck-Frankenberg wollen andere Impfstrategie

Impfen gegen das coronavirus
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Impfung gegen Corona:

Corona-Impfungen so schnell wie möglich im Impfzentrum in Korbach oder durch die mobilen Teams, die seit Ende Dezember 2020 bereits in den Seniorenheimen in Waldeck-Frankenberg unterwegs sind. Effektivere Terminvergaben, die mit Hilfe der Städte und Gemeinden organisiert werden: Das sind die Kernpunkte der Impfstrategie, die angesichts des Chaos bei der Terminvergabe Anfang der Woche von der Kreisspitze vorgeschlagen wurden. Nun erhielten Landrat Dr. Reinhard Kubat und Gesundheitsdezernent Karl-Friedrich Frese auch die Unterstützung der heimischen Bürgermeister.

Waldeck-Frankenberg – In einer Pressekonferenz sprach sich der Vorstand der Kreisversammlung des Hessischen Städte- und Gemeindebundes (HSGB) Waldeck-Frankenberg gestern dafür aus, die Corona-Impfungen zu dezentralisieren und verbunden damit das Impfzentrum in Korbach zu öffnen.

Aktuell wird die Vergabe der Impftermine für die über 80-Jährigen aus Waldeck-Frankenberg zentral über das Impfzentrum in Kassel koordiniert. Dort beginnen ab dem 19. Januar auch die ersten Impfungen. Gesteuert wird alles vom Land Hessen. Beim Start der Terminvergaben am Dienstag kam es jedoch zu massiven Problemen, weil die Telefonhotline (116 117) überlastet und die Online-Anmelde-Plattform zusammengebrochen waren.

„Die Menschen sind verunsichert und rufen bei uns an, doch wir können ihnen leider nicht helfen“, berichtet der Bad Arolser Bürgermeister Jürgen van der Horst, der auch dem Vorstand des HSGB-Kreisverbandes angehört. Neben dem Ärger wegen erfolgloser Versuche, einen Impftermin zu erhalten, treibe die Senioren vor allem die Frage um, wie sie nach Kassel kämen. Dass die Städte und Gemeinden Fahrten für mobilitätseingeschränkte Menschen zum Impfzentrum nach Kassel organisieren, sei jedoch ausgeschlossen. „Dieser Bitte vom Land können wir nicht nachkommen. Uns fehlen dafür die Ressourcen. Außerdem ist das schon alleine aus rechtlicher Sicht problematisch“, sagt van der Horst.

Jürgen van der Horst, Bürgermeister in Bad Arolsen

Der Arolser Verwaltungschef betont, dass er im Namen aller Bürgermeister in Waldeck-Frankenberg spreche, die derzeit den berechtigten Ärger der Menschen zu spüren bekämen: „Wir brauchen zumindest in der jetzigen Phase, in der noch nicht ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht, ein anderes, lokaleres System. Unsere Bürger sollen nicht nach Kassel fahren und ihre Termine auch nicht zentral über die 116 117 oder eine Online-Plattform in Kassel anfragen müssen“, sagt van der Horst.

Gemeinsam mit den anderen Bürgermeistern und der Kreisspitze wolle man daher in der kommenden Woche dem Land Hessen ein Modell vorschlagen, wonach die Organisation der Terminvergabe vom Landkreis und den Kommunen gesteuert werde sowie die Impfungen künftig in Korbach durchgeführt würden. „Natürlich soll das alles in Absprache mit dem Land geschehen“, betont van der Horst.

„Viele Menschen sind in Sorge“

Jürgen Damm hat wegen des verkorksten Starts der Impfterminvergabe durch das Land Hessen ganz ähnliche Erfahrungen gemacht wie die Bürgermeister in Waldeck-Frankenberg. Der Vorsitzende des Vereins „Wir für uns – Bürgerhilfe Bad Arolsen“ führte in den zurückliegenden Tagen viele Gespräche mit über 80-jährigen Mitgliedern, die sich über die zahlreichen Probleme bei der Anmeldung für einen Impftermin beklagten.

„Viele sind auch einfach in Sorge, weil sie überhaupt keine Möglichkeit haben, ins Impfzentrum nach Kassel zu kommen“, berichtet Jürgen Damm. Es könne nicht sein, dass ein offensichtlich nicht funktionierendes System an jener Gruppe „ausprobiert“ werde, die am meisten Unterstützung benötige.

Das sieht auch der Vorstand der Kreisversammlung des Hessischen Städte- und Gemeindebundes (HSGB) Waldeck-Frankenberg so. Beisitzer Thomas Trachte sagte: „Es geht uns nicht darum, gegen das Land Hessen zu opponieren. Wir wollen einfach unsere Unterstützung anbieten. Letztlich ist es aus Sicht des Willinger Bürgermeisters wichtig, dass alle Impfwilligen ohne Probleme in das nächst gelegene Impfzentrum – in diesem Fall nach Korbach – gelangen.

HSGB-Beisitzer Lothar Koch berichtete ebenfalls von vielen älteren Menschen, die sich bei der Gemeinde gemeldet und sich über das System der Impfterminvergabe geärgert hätten. „Die Strategie muss schnell geändert werden, damit zum Beispiel auch Impfungen von pflegebedürftigen Senioren durch mobile Impfteams effektiver durchgeführt werden können“, betont der Bürgermeister der Gemeinde Burgwald.

„Das System der Massenanmeldung über die zentrale Anlaufstelle in Kassel, ohne dass es Schnittstellen zu den jeweiligen Landkreisen gibt, funktioniert nicht. Wir brauchen daher ein anderes Terminmanagement, verbunden mit Impfungen, die einerseits in Korbach stattfinden und andererseits weiter über die mobilen Impfteams durchgeführt werden“, ergänzt der Bad Arolser Bürgermeister Jürgen van der Horst, der beim HSGB die Funktion des Kassierers innehat. Er spricht sich außerdem dafür aus, dass die für Waldeck-Frankenberg ursprünglich vorgesehene Menge an Impfstoff auch vollumfänglich für die Menschen im Landkreis zur Verfügung gestellt werde.

Zur Erinnerung: Weil die Impfungen in einem Impfzentrum für alle nordhessischen Landkreise zunächst nur in Kassel angeboten werden, musste auch der Landkreis Waldeck-Frankenberg einen Großteil seines Impfstoff-Kontingents dorthin abgeben.

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