Korbacher Agentur für Arbeit verzeichnet weniger Bewerber im neuen Ausbildungsjahr

Azubis gesucht: In Waldeck-Frankenberg sind noch 284 Lehrstellen frei

Stephanie Paar lässt sich im Korbacher Bauunternehmen Wachenfeld zur Industriekauffrau ausbilden.
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Lehrstelle gefunden: Stephanie Paar lässt sich im Korbacher Bauunternehmen Wachenfeld zur Industriekauffrau ausbilden.

Trotz der Corona-Krise setzten viele Unternehmen im Kreis weiter darauf, sich ihren Nachwuchs heranzuziehen: Knapp zwei Monate nach Beginn des neuen Ausbildungsjahres am 1. August gibt es weniger Bewerber ohne Lehrstelle als noch vor einem Jahr. Das berichtet die Pressesprecherin der Korbacher Agentur für Arbeit, Gisa Stämm.

Waldeck-Frankenberg – Die Zahl der Bewerber ist gesunken: Insgesamt haben sich in Waldeck-Frankenberg 1026 Bewerber bei der Agentur wegen einer Lehrstelle gemeldet, 79 oder 6,4 Prozent weniger als im vorigen Ausbildungsjahr. Von ihnen hatten 208 Mitte August noch keinen Ausbildungsvertrag – 8,8 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Den 1026 Bewerbern stehen 1226 gemeldete Ausbildungsstellen gegenüber. Die Zahl sei im Vergleich zum Ausbildungsjahr 2018/19 um 42 Stellen oder 3,3 Prozent zurückgegangen, erklärt Stämm. Mit 284 unbesetzten Lehrstellen Mitte August liege der Kreis fast 14 Prozent unter dem Wert des Vorjahres.

Mehr offene Stellen als Bewerber

Erneut gebe es mehr offene Ausbildungsstellen als Bewerber, hält Stämm fest – diesen Trend gibt es seit ein paar Jahren. „Rein rechnerisch gibt es für jeden Schulabgänger einen Ausbildungsplatz – aber nicht immer passen Berufswunsch und das Ausbildungsplatzangebot zusammen“, erklärt sie.

„Mit den unversorgten Bewerbern ist das Team der Berufsberatung in ständigem Kontakt, um im Rahmen der Nachvermittlung noch eine Ausbildungsstelle zu finden“, berichtet Stämm. Außerdem seien im September berufsvorbereitende Qualifizierungen zur Überbrückung gestartet, um allen Interessenten noch ein Lehrstellen-Angebot zu machen.

„Die Zahl der unversorgten Bewerber dürfte inzwischen noch weiter gesunken sein“, sagt Stämm. „Offizielle Zahlen dazu gibt es noch nicht“ – sie werden erst Angang Oktober veröffentlicht. Und voraussichtlich Ende Oktober geben die Industrie- und Handelskammer und die Handwerkskammer in Kassel bekannt, wie viele Verträge sie fürs neue Ausbildungsjahr eingetragen haben. Insgesamt könne die Agentur für den Kreis „nicht von einem Jahrgang Corona auf dem Ausbildungsmarkt sprechen“.

Berufe unterschiedlich beliebt

Manche Lehrstellen sind bei Jugendlichen beliebt, bei anderen suchen Unternehmer dringend Bewerber. Noch frei waren im August besonders Ausbildungsstellen als Verkäufer, in der Gastronomie und im Fleischerhandwerk. So fehlen allein 17 Köche.

„Aus unserer Sicht sind die hiesigen Arbeitgeber seit Jahren sehr aktiv, um ihre Ausbildungsstellen zu besetzen“, berichtet Stämm. „Die Corona-Krise hat sich dabei nur leicht ausgewirkt.“ Eine Herausforderung für die Agentur ist, Bewerber und Betriebe passgenau zusammenzubringen. So suchen laut Statistik noch 24 Jugendliche eine Lehrstelle als Verkäufer – 19 angebotene Stellen sind noch unbesetzt. Bei den Kaufleuten im Einzelhandel kommen 16 Bewerber auf 17 freie Lehrstellen.

Problem Entfernung

„Einflüsse wie die räumliche Entfernung könnten eine Rolle spielen, dass Bewerber und Ausbildungsbetrieb nicht zusammenkommen“, berichtet Stämm – im Flächenkreis Waldeck-Frankenberg ist es nicht immer leicht, mit dem Öffentlichen Personennahverkehr ein Ziel zu erreichen.

Probleme kann es zudem geben, wenn Auszubildende vom Land bis nach Kassel in die Berufsschule müssen – nicht umsonst hat der Kreistag im Dezember in einer Resolution vom Land gefordert, Berufsschulklassen nicht wie geplant zu zentralisieren.

Berufsinhalte wichtig

Nach welchen Gesichtspunkten fällen Jugendliche die Entscheidung für einen Ausbildungsplatz? „Die Bewerber orientieren sich in erster Linie an den Inhalten“, berichtet Stämm. Die einen wählten eher einen handwerklichen Beruf, andere eher einen kaufmännischen oder einen sozialen. Dabei ist wichtig, die eigenen Fähigkeiten richtig einzuschätzen.

Außerdem spielen die Arbeitsbedingungen eine Rolle, etwa die Arbeitszeiten. Das betrifft zum Beispiel Bäcker, bei denen frühes Aufstehen erforderlich ist. In der Gastronomie sind gerade an Wochenenden und an Feiertagen Stoßzeiten mit viel Arbeit.

Aber auch das Ansehen von Berufen sei bei der Wahl mitentscheidend, erläutert Stämm. „Die Entlohnung spielt dagegen eine untergeordnete Rolle.“

Berufsberater wieder aktiv

Nach der Corona-Pause hätten die Berufsberater der auch wieder mit der individuellen Betreung begonnen, berichtet Stämm. Auch mit Angeboten zur Berufsorientierung im Klassenverband seien sie in den Schulen präsent und mit den Abgängern 2021 im Gespräch.  (Karl Schilling)

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