RP stellt Kriterien für Genehmigung von Windkraftanlagen in Nordhessen vor

Investition in Milliardenhöhe möglich

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Potenzial für 1000 weitere Windkraftanlagen in Nordhessen hat der RP Kassel ermittelt. Unser Bild enstand an den Anlagen bei Kohlgrund. Foto: Armin Haß

Waldeck-Frankenberg - Windkraftnutzung soll in Nordhessen gefördert werden, längst nicht alle werden genehmigt. Der Kriterienkatalog des Regierungspräsidiums Kassel wurde am Donnerstag in Kassel erläutert.

Wie stark der Landkreis Waldeck-Frankenberg vom Ausbau der Windkraftanlagen in der Region betroffen ist, verdeutlicht die folgende aktuelle Aufstellung des RP: Dort sind 111 Anlagen in Betrieb, mit einer Gesamtleistung von 111 Megawatt. Der Bau von 53 weiteren Anlagen ist beantragt worden. Allein die sollen zusammen 132 MW liefern, die Leistungsfähigkeit der Stromgeneratoren und die Höhe der Masten steigt beträchlich. 24 Anlagen sind schon genehmigt worden, sie bringen zusammen 51 MW. Das Land an Eder und Diemel rangiert damit bereits an der Spitze im Regierungsbezirk Nordhessen. Danach folgen die Landkreise Kassel, und der Schwalm-Eder-Kreis. Insgesamt 267 Anlagen (253 MW) sind in Nordhessen in Betrieb, für weitere 107 (234 MW) sind Anträge gestellt und 27 (57 MW) sind bereits genehmigt worden.

Ob im Stadtwald Bad Arolsen in der Gemarkung Mengeringhausen oder auf dem Röddeser Berg bei Wolfhagen, die Planung solcher Windkraftanlagen, mit denen ein Beitrag zur Abkehr vom Atomstrom geleistet werden soll, solche Projekte bergen jede Menge Konfliktpotenzial und haben in Arolsen oder in Wolfhagen zu kommunalpolitischen Verwerfungen geführt - ohne dass sich aber eine qualifizierte Mehrheit der gewählten kommunalpolitischen Vertreter gegen de Windkraft ausspräche. Weitere Anlagen sind im Reinhardswald geplant, der Landesbetrieb Hessen Forst mit im Boot, allerdings gelten die Genehmigungsbedingungen für alle, wie Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke gestern deutlich machte.

Hauptkriterium Mensch

Im Katalog des RP bildet der „Schutzaspekt Mensch“ das Hauptkriterium, wie der für die Regionalplanung zuständige Wolfgang Kaivers erklärte. Daher sollen die Abstände der Anlagen zu Siedlungen nicht wie gesetzlich gefordert nur 600, sondern mindestens 1000 Meter betragen. „Da wird es keine Ausnahmen geben“, bekräftigte er.

Inzwischen wurden zwei Drittel der Flächen in der Region von einer Betrachtung als mögliche Windkraftstandorte ausgeschlossen. Bei dem restlichen Drittel werden neben den Siedlungsabständen Naturschutzspekte sowie die Auswirkungen auf den Wald untersucht. Kaivers: „Wir sind vorsichtig, weil wir mit Windkraftanlagen im Forstbetrieb noch keine Erfahrungen gemacht haben.“

Auf der Grundlage von Daten des TÜV wurde mithilfe eines Computerprogramms eine Karte über das Windkraftpotenzial in Nordhessen erstellt (wir berichteten). Danach bleiben sieben Prozent der Flächen übrig, die für fachliche Untersuchungen in Frage kommen und kommunalpolitische Stellungnahmen eingeholt werden.

Potenzial für Windkraft

Um auf die besagten zwei Prozent Landesfläche für Windkraftanlagen zu kommen, müssten in Nordhessen 17 000 Hektar genutzt werden, auf denen 1000 Windkraftanlagen gebaut werden können. Bei einer Gesamtinvestitionssumme von fünf Miliarden Euro bietet sich neben einer erheblichen Strommenge ein enormes wirtschaftliches Potenzial. „Mit dem Ergebnis, dass die Landschaft nicht schöner wird“, räumt Kaivers ein.

Das Ziel sei der Bau von möglichst großen Anlagen, sagt der für den Bereich Naturschutz beim RP zuständige Dieter Vahle. Die Windkraftanlagen würden doppelt so hoch werden. Von den 300 bestehenden kleinen Anlagen würden 150 verschwinden. Aus der Hellweg-Region in Nordrhein-Wstfalen wolle der RP Erfahrungen sammeln, um schlechte Standorte besser herausfiltern zu können: Die würden dann aus dem Plan herausgenommen und dürften nicht mehr für Windkraftanlagen genutzt werden.

„Wo der Hase läuft“

„Wir wollen zeigen, wo der Hase langläuft“, sagt Vahle. Im Schwalm-Eder-Kreis haben die Mitarbeiter des RP bereits Bürgermeister und Landrat über den Krieterienkataklog informiert, die weiteren Kreise werden och folgen. Im kommenden Jahr werden öffentliche Veranstaltungen folgen. In zwei Jahren sollte der Regionalplan stehen.

Das neue regionalplanerische Windenergiekonzept wird derzeit erarbeitet, nachdem der Hessische Verwaltungsgerichtshof das Konzept des Regionalplan von 2009 vor gut einem Jahr für unwirksam erklärt hat. Damit mussten sich RP, Landkreise und Kommunen neu abstimmen.

Im Gegensatz zum bisherigen Prozedere dürfen parallel die Genehmigungsverfahren vor Ort in Gang gesetzt werden. Damit soll Zeit gewonnen werden, um das hohe Ziel der Versorgung der Republik mit einem hohen Anteil an erneuerbaren Energien ohne großen Verzug zu erreichen.

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