Krönender Abschluss des Literarischen Frühlings

Iris Berben gewährt Einblick in ihr Leben

+
Iris Berben (2.v.l.) mit den Kinobetreibern Wilhelm und Jutta Ortwein sowie Festival-Organisatorin Christiane Kohl (v.l.).

Frankenberg - Eine der bekanntesten deutschen Schauspielerinnen gab dem Frankenberger Publikum einen Einblick in ihr Leben und ihre Arbeit: Iris Berben sprach über Filmprojekte, die Zusammenarbeit mit ihrem Sohn Oliver und ihr politisches Engagement.

Der Besuch der Schauspielerin beim Literarischen Frühling ist der Höhepunkt einer Geschichte, die in der Bärenmühle ihren Anfang nahm. Denn dort erfuhr Christiane Kohl vor vielen Jahren von den Gästebüchern aus dem Zeugenhaus, in dem während der Nürnberger Prozesse Täter und Opfer der Nazi-Zeit unter einem Dach leben mussten. Diese Gästebücher waren der Ausgangspunkt für Kohls Buch „Das Zeugenhaus“, das wiederum die Grundlage für den Film mit Iris Berben bot.

Nachdem die Zuschauer im ausverkauften Kinosaal den Film gesehen hatten, der im vergangenen Herbst im ZDF lief, betrat Iris Berben die Bühne vor der Leinwand. Die Gesprächsführung hatte kurzfristig der Journalist Willi Winkler übernommen.

Die Schauspielerin erzählte ihm und den Gästen, dass sie bei den Dreharbeiten für „Das Zeugenhaus“ oft verunsichert gewesen sei, weil die Regieanweisungen sie „total reduziert“ hätten. Im Nachhinein habe sie erkannt, dass das genau richtig gewesen sei: Denn die Figur der Gräfin, die sie mimte, habe die Zuschauer an die Hand genommen und von einer Figur zur anderen geführt.

Sie lobte die Ensemble-Arbeit für den Film: Niemand habe versucht, sich besonders hervorzutun, stattdessen hätten sich alle für eine möglichst kraftvolle Darstellung eingesetzt. Willi Winkler wollte wissen, ob sie nie Sorge gehabt habe, dass Udo Samel oder Mathias Brandt ihr eine Szene „nehmen“ könnten. Iris Berben verneinte: Einen solchen „Wutneid“ erlebe sie höchstens bei Kollegen, die sie nicht so sehr schätze.

Ihr Sohn Oliver Berben hat das „Zeugenhaus“ als Produzent verwirklicht. „Seiner Hartnäckigkeit ist es zu verdanken, dass dieser Film gemacht wurde. Und ich wollte gerne ein Teil davon sein.“

Genaues Beobachten, Zuhören und Zuschauen

Manchmal seien Filme aber auch speziell auf sie zugeschnitten. Ihre Aussage, dass die Zusammenarbeit mit Oliver nicht auf einer „Mutter-Sohn-Ebene“, sondern auf Augenhöhe stattfinde, sah Willi Winkler mit Skepsis: „Das glaube ich nicht ganz. Aber ich höre es gern.“ Daraufhin räumte Iris Berben eine sehr enge, intime Beziehung zu ihrem Sohn ein. „Aber wir gehen sehr behutsam miteinander um“, ergänzte sie.

Berben erklärte, dass sie ihre fehlende Schauspiel-Ausbildung damit ausgleiche, dass sie die Menschen in ihrem Umfeld immer genau beobachte und gut zuhöre, um Gefühle darstellen zu können. Zudem lerne sie gerne von Kollegen und schaue ihnen beim Drehen zu.

Sie versuche, jede ihrer Figuren zu verstehen und eine Rechtfertigung für deren Verhalten zu finden - und mehr als das: „Man muss eine Person mögen. Sonst kann man sie nicht spielen.“ Ihre eigenen Filme sehe sie mit dem Abstand von einem, zwei oder auch zehn Jahren „gnädiger“. Anfangs sei sie noch zu nah dran, erst nach einiger Zeit könne sie bestimmte Szenen und ihre Wirkung differenzierter betrachten und analysieren. Allerdings lache sie sich heute noch kaputt, wenn sie zufällig einmal Ausschnitte aus „Sketch-up“ mit Diether Krebs sehe.

Winkler sprach ihr seine Bewunderung dafür aus, dass sie als einzige Schauspielerin ihr Alter - sie wird in diesem Jahr 65 - öffentlich nenne. Berben antwortete gelassen, dass das ja ohnehin jeder nachrechnen könne, schließlich werde ihr Sohn 44 Jahre alt.

Ihr Engagement für Israel und gegen Antisemitismus und Rassismus spielt in ihrem Leben eine große Rolle. Dieses Engagement nahm seinen Anfang, als sie mit 18 Jahren drei Monate lang in Israel verbrachte. Als sie zum ersten Mal eine KZ-Tätowierung auf dem Arm einer Frau gesehen habe, „hat das etwas mit mir gemacht“, erinnert sie sich. Seither kämpft sie öffentlich mit verschiedenen Aktionen und Projekten gegen das Vergessen an. „Man muss laut sein“, sagt sie, „lauter als die anderen.“ Für ihr Engagement hat Berben unter anderem das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse und den Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden Deutschlands erhalten. Auch politisch bekennt sie (rote) Farbe: Sie bekennt sich öffentlich zur SPD. „Ich halte an den Säulen fest, die diese Partei ausgemacht haben“, begründet sie. „Die Demokratie gibt uns Gelegenheit, uns zu entscheiden. Ich möchte auf dieses Recht nicht verzichten.“

Große Freude für Kinobetreiber Ortwein

Im Publikum saß am Sonntag auch Mario Adorf. Mit ihm hatte Berben für einen „Rosa Roth“-Dreiteiler gemeinsam vor der Kamera gestanden. Am Rande der Veranstaltung im Frankenberger Kino bezeichnete sie Adorf als einen Kollegen, der immer extrem gut vorbereitet sei, dies aber auch von seinen Kollegen erwarte. Aber er sei auch jemand, der ebenso wie sie gutes Essen und gute Getränke genießen könne und sich damit auch, anders als viele andere Schauspieler, gut auskenne.

Besondere Freude machte Berben mit ihrem Besuch dem Inhaber des Frankenberger Kinos, Wilhelm Ortwein. Sie sagte ihm, wie sehr sie sich als Präsidentin der Deutschen Filmakademie über jedes Kino freue. Begeistert waren aber auch die Besucher, von denen sich viele im Anschluss noch Autogramme geben ließen.

Von Andrea Pauly

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare