Waldeck-Frankenberg

30 Jahre Grüne: „Beharrlich, mutig, widerstandsfähig“

- Frankenberg. Seit 30 Jahren gibt es „Die Grünen“ in der Bundesrepublik als Partei, seit 25 Jahren aktiv im heimischen Kreistag – das lädt ein, zurück- und vorauszublicken. Das taten die Grünen am Freitag zusammen mit der Bundesvorsitzenden Claudia Roth.

„Wenn ich hierher komme, ist immer Wetter.“ Damit hatte Claudia Roth nicht ganz unrecht. Bei ihrem letzten Besuch fiel Eisregen und am Freitag lag Frankenberg tief verschneit da, als die Waldeck-Frankenberger Bündnis 90/Die Grünen beim Neujahrsempfang auch ein silbernes Jubiläum feierten: „25 Jahre Grüne im Kreistag Waldeck-Frankenberg“. Claudia Roth, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, hatte die Einladung angenommen, zu dem Ereignis zu sprechen, und schaffte es trotz „Wetter“ in die Illerstadt, wo im Sitzungszimmer des alten Landratsamtes eine umso wärmere Atmosphäre herrschte – und durchaus heiße Kampfeslust heraufbeschworen wurde.

25 Jahre „Die Grünen“ im Kreistag Waldeck-Frankenberg – zusammen mit Parteifreunden sowie Gästen aus Stadt- und Landespolitik und Naturschutz nutzten die Grünen am Freitagabend die Gelegenheit zurückzublicken. Sie gingen durchaus humorvoll im Detail darauf ein, was Jens Deutschendorf, der zusammen mit Anke Pavlicek (beide Vorsitzende der Grünen in Waldeck-Frankenberg) moderierte, zur Begrüßung so formulierte: „Die Grünen haben Deutschland und Waldeck-Frankenberg verändert. Danke an die, die dabei mitgeholfen haben.“

Grün zu sein und sich nicht abbringen zu lassen von grünen Zielen, sich über all die Jahre gegen alle Widerstände treu geblieben zu sein – das benannte Roth am Freitag als einen der entscheidenden Erfolgskriterien der Partei, die vor 30 Jahren „als Antiparteienpartei, als Alternative“ gegründet wurde – und dann „kein Ausrutscher war, sondern die erfolgreichste Neugründung einer Partei“.

Die Politik der Grünen sei „nicht auf Ideologie gegründet, sondern auf Werten, die uns als festes Fundament dienen: Selbstbestimmung, Gerechtigkeit, Solidarität“, unterstrich Roth. In einer Partei, die ansonsten durchaus streitfreudig sei, gebe es einen „unumstößlichen Grundkonsens und das ist der erste Artikel des Grundgesetzes: ‚Die Würde des Menschen ist unantastbar'“, unterstrich die Bundespolitikerin. „Das muss der moralische Imperativ für die deutsche Politik sein und bleiben“, kritisierte sie die Politik von Ministerpräsident Roland Koch, der auf Stimmenfang gehe „mit Kampagnen gegen Schwache“. Nach wie vor würden die Grünen eine andere Parteienkultur pflegen, „und die macht uns immun gegen Bastapolitik, sonst wären wir nicht mehr grün, sondern grau“.

Es sei ein Verdienst der Grünen, ökologische Fragen auf die Tagesordnung gesetzt zu haben, und dabei moralische und ethische Fragen einzubeziehen. „Heute wird Ökonomie und Ökologie von vielen Leuten, die klug sind, nicht mehr getrennt. Seit einem Jahr sagt niemand mehr, dass Grüne ein Standortrisiko sind“, betonte Roth und erinnerte auch an die Frauenquote, mit der sie eine aufregende Debatte begonnen und viele Veränderungen herbeigeführt hätten: „Wir sind gekommen, um zu bleiben, und sind geblieben, weil wir so beharrlich sind, so mutig, widerstandsfähig, nie zukunftsvergessen geworden sind.“

Mehr lesen Sie in der Ausgabe der Frankenberger Zeitung am Montag, 1. Februar, 2010.

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